Die nächste Marvel-Serie steht bei Disney+ in den Startlöchern. Diesmal bekommt „Hawkeye“ endlich seine Story, da er auf der Leinwand auf ein eigenes Abenteuer verzichten musste. Doch so ganz allein ist der Bogenschütze und Familienmensch auch diesmal nicht. Denn Marvel hat entschieden, auch den zweiten Hawkeye des Marvel-Comic-Universums ins MCU zu holen: Kate Bishop. Und so teilt sich Jeremy Renner die Aufmerksamkeit der Fans mit Hailee Steinfeld, die die Rolle von Kate übernommen hat. Offenbar soll die Serie als eine Art Staffelübergabe von einer Generation zur nächsten dienen. Was etwas seltsam ist, wenn man weiß, dass Renner die Rolle liebt und gern noch mindestens zehn Jahre weiter spielen würde. Worum es tatsächlich geht, klärt die Kritik.

Hailee Steinfeld

Seit sie als Kind Hawkeye in New York kämpfen sah, eifert Kate Bishop ihrem Helden nach.

Die Handlung

New York 2012: Die junge Kate Bishop erlebt den Angriff der Chitauri auf die Stadt hautnah mit. Ihre Zimmerwand explodiert und hinterlässt ein riesiges Loch. Durch diese Öffnung sieht das Mädchen einen Bogenschützen gegen die zahlreichen Feinde kämpfen – und hat von dieser Sekunde an ein Vorbild. Weil ihr Vater bei der Attacke starb, nimmt sie sich am Grab vor, zur besten Bogenschützin der Welt zu werden. Und neun Jahre später ist sie auf einem guten Weg. Kate (Hailee Steinfeld) hat bereits etliche Medaillen gewonnen und übt sich mittlerweile auch in Trick-Shots. Einer davon hat allerdings üble Folgen: Das Klingeln der Glocke per Pfeil bringt den Turm der Schule fast zum Einsturz. Ihr ist sofort klar, dass sie mit ihrer Mutter Eleanor (Vera Farmiga, „The Conjuring 1-3„) Ärger bekommen wird …

Auch Clint Barton alias Hawkeye (Jeremy Renner) ist in New York. Er sieht sich mit seinen drei Kindern das neue Musical „Rogers“ an, das aus dem Leben von Captain America erzählt und auch den Kampf gegen die Chitauri zum Thema hat. Eigentlich will er schnell wieder nach Hause zu seiner Frau, doch dann sieht er in den Nachrichten eine Gestalt, die in seinem „Ronin“-Outfit Jagd auf Gangster macht. Weil Clint weiß, wie viele Feinde er sich als Ronin gemacht hat, fühlt er sich moralisch verpflichtet, die Person zu suchen und ihr das Kostüm abzunehmen, bevor sie für seine Aktionen stirbt. Und er ist mächtig erstaunt, als er unter der Maske die junge Kate entdeckt, die durch einen merkwürdigen Zufall an die Ausrüstung geraten  ist. Nun stehen beide auf der Abschussliste der Russenmafia …

Die neuen Helden: Gekommen um zu bleiben?

Marvels Phase Vier läuft sich langsam warm. Nachdem bereits im Kino mit Shang-Chi und den Eternals neue Gesichter zu sehen waren, gehen auch Marvels Serien nun einen ähnlichen Weg, wenn auch der Übergang durch bekannte Helden etwas erleichtert wird. Doch wer zweifelt schon daran, dass Steinfeld auf absehbare Zeit Teil der neuen Avengers werden wird? Zumal ja mit Moon Knight, She-Hulk und Ms Marvel weitere neue Helden im kommenden Jahr starten. Die ebenfalls das Potenzial haben, in einigen Jahren in einem neuen Team die Welt oder das Universum zu retten. Die neue Hawkeye startet allerdings erstaunlich konventionell in ihr Heldenleben. Denn das Showrunner-Team Jonathan Igla und Rhys Thomas paaren typische Marvel-Action mit weihnachtlichem Flair.

Und so liegt über den ersten beiden Folgen immer eine leichte Decke aus Glöckchengebimmel und Zuckerguss, dazu kommt ein ordentlicher Anflug von Humor. Tatsächlich ist Hawkeye im Vergleich zu „Falcon and the Winter Soldier“ deutlich weniger düster und durchaus darauf ausgelegt, das Publikum auch zum Lachen zu bringen. Clints genervtes Gesicht im Musical-Theater oder Kates ständiger Kampf um ihre eigene Identität angesichts einer schwerreichen und dominanten Mutter – das hat Comedy-Potenzial, das die Autoren auch gesehen haben und für die Serie immer wieder nutzen. Renner selbst hatte in früheren Filmen bereits immer wieder auch komische Momente. So durchgehend witzig wie hier war er bisher aber nie.

Vera Farmiga

Kates schwerreiche Mutter hält vom Dasein ihrer Tochter als Bogenschützin und Heldin eher wenig.

Weihnachtlicher, aber kein glanzvoller Start

Und der Humor ist auch nötig, denn sehr viel mehr haben die Auftaktfolgen noch nicht zu bieten. Die Action ist zwar durchaus vorhanden und auch in Ordnung. Aber eben nichts, was man bei Marvel nicht schon oft und manchmal besser gesehen hätte. Was auch daran liegt, dass die beiden Helden noch nicht gemeinsam agieren, sondern jeder für sich. Und die noch junge Kate zwar passend unbeholfen agiert, aber damit eben auch nicht unbedingt für spektakuläre Szenen sorgt. Da war der Auftakt von Falcon and the Winter Soldier in Sachen Action ein ganz anderes Kaliber. Immerhin unterscheiden sich die Serien dadurch auch deutlicher voneinander, als man das im Vorfeld gedacht hätte.

Die größte Schwäche der neuen Serie ist bisher ihre Vorhersehbarkeit. Überraschungen bleiben, außer im ganz kleinen Rahmen, völlig aus. Jeder Fan erahnt schnell, wohin die Reise geht und was er wohl gleich zu sehen bekommen wird. Das ist zwar gerade zur nahenden Weihnachtszeit ein wenig wie das schöne Gefühl, nach Hause zu kommen. Es hat aber den Nachteil, dass man sein Zuhause eben auch gut kennt. Immerhin führt die Serie eine weitere neue Figur ein, die bald ihre eigene Serie bekommen wird: Echo. Sie kann möglicherweise für ein paar Akzente sorgen, um die weiteren Folgen etwas aufregender zu gestalten. Hoffen darf man auch auf Florence Pugh als Yelena Belova (aus „Black Widow“), die zwar für Hawkeye bestätigt ist, allerdings zum Auftakt der Serie noch gar nicht auftaucht.

Jeremy Renner

Clint Barton wollte mit seinen Kindern ein paar nette Tage in New York verbringen, gerät aber in Kates erstes großes Abenteuer.

Glänzen kann die Show immer dann, wenn Steinfeld und Renner gemeinsam zu sehen sind. Und aus ihrer undefinierten emotionalen Lage dem jeweils anderen gegenüber keinen Hehl machen. Clint ist gleichzeitig genervt und ein wenig gebauchpinselt von Kates Verehrung für ihn, die sie wiederum nicht allzu deutlich zeigen will, um nicht als dummes Fangirl abgestempelt zu werden. Wenn sich die Serie in den kommenden Folgen noch mehr auf diese Chemie konzentriert, kann aus dem für Marvel-Verhältnisse eher durchwachsenen Start noch eine richtig gute Serie werden. Nach dem ersten Drittel kommt sie aber noch nicht über ein „ganz nett“ hinaus. Auch wenn die Weihnachts-Vibes schon ganz heimelig sind.

Fazit:

Hawkeye startet im Vergleich zu den Vorgänger-Serien bei Disney+ eher verhalten und reißt den Zuschauer nach zwei Folgen noch nicht vollständig mit. So sind es weniger die Action-Segmente, die das Publikum abholen, und mehr die unzweifelhaft vorhandene Chemie zwischen Renner und Steinfeld, die hier Hoffnung auf eine bessere Fortsetzung schüren. Dazu kommen neue und alte Figuren, die für die Serie angekündigt sind und die etwas zu betuliche Serie hoffentlich mit ein wenig mehr Pfeffer ausstatten. Denn die Charaktere, auch die neue Hawkeye, sind durchaus spannend und agieren gut zusammen, die Story selbst ist bislang aber alles andere als ein großer Wurf. Das darf gern noch ein wenig überraschender werden.

Hawkeye startet mit zwei Folgen am 24. November 2021 auf Disney+, danach gibt es jeden Mittwoch eine neue Folge.

Echo

Was hat die geheimnisvolle Echo mit dem Ronin und der Mafia zu tun? Clint und Kate werden es herausfinden.

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