Al Pacino als Hauptdarsteller einer Serie! Da rauschte der Blätterwald im Januar 2019. Und tatsächlich hat der Oscar-Gewinner den Job übernommen und führt das mehr oder weniger bekannte Ensemble durch die zehnteilige Serie bei Amazon Prime. Das Thema von “Hunters” ist dabei durchaus kontrovers. Es geht um eine Gruppe von Menschen, die in den USA des Jahres 1977 nach heimlich dort lebenden Nazi-Verbrechern suchen. Ist das wirklich ein geeigneter Stoff für eine Serie? Das verrät die Kritik.

Taugen Nazis als Komödienstoff? Hin und wieder beweist ein Regisseur oder Drehbuch-Autor, dass man durchaus über die braune Brut lachen kann. So geschehen bei “Jojo Rabbit” oder “Inglorious Basterds”. In vielen Fällen geht der Humor aber auch schrecklich schief und das Werk landet schnell im Keller der Vergessenheit. Wie einfach ist es dann, mit diesem Thema zwischen Komödie und blutigem Drama hin und her zu wechseln? Hunters wagt den Versuch, genau das zu tun. Kann das gut gehen?

Hunters

Oma Ruth ist Jonahs einzige Verwandte und ihre Ermordung reißt in ihm eine schreckliche Wunde.

Hunters: Die Handlung

New York 1977: Der kleine Gauner Jonah Heidelbaum (Logan Lerman) hält sich mit dem Verkauf von Gras über Wasser und kümmert sich ansonsten wenig um Karriere oder Geld. Das ändert sich, als eines Nachts seine Großmutter Ruth vor seinen Augen getötet wird, ohne dass er es verhindern kann. Zwar verfolgt er den Täter, verliert die dunkle Gestalt aber bald aus den Augen. Von Schuld zerfressen geht Jonah jeder Spur nach, die er finden kann. Und eine davon führt zum jüdischen Millionär Meyer Offerman (Al Pacino).

Zuerst will der alte Mann Jonah aus der ganzen Sache heraushalten, doch der junge Mann findet in Offermans Wohnsitz bald beweise dafür, dass der Millionär mehr ist, als er zu sein scheint. Und über den Mord an Großmutter Ruth auch bedeutend mehr weiß, als er zugibt. Bei seiner weiteren Suche nach dem Killer gerät Jonah dann sogar in Lebensgefahr. Meyer hilft ihm letztlich doch und offenbart dem Jungen mehr, als der erwartet hätte. Offerman leitet eine kleine Elitegruppe, die in den ganzen USA ehemaligen Naziverbrechern nachjagen …

Hunters: Nicht in diesem Ton!

Wie zu erwarten war, wenn jemand wie Al Pacino dabei ist, hat Amazon mit Hunters eine aufwendige Serie produziert, die aus einem vollen Budget optisch auch eine Menge macht. Set-Designer und Kostümbildner dürfen sich hier austoben und erschaffen die späten 70er eindrucksvoll auf dem Bildschirm. Diese Serie atmet förmlich Schlaghosen, große Kragen und Koteletten. Und zieht den Zuschauer so glaubhaft in eine Zeit, in der die untergetauchten Nazis noch nicht fast 100-jährig mit dem Rollstuhl in ihre Gerichtsverhandlungen geführt werden. 

Weniger gelungen ist hingegen der Ton der Serie. Wenn gleich zu Beginn der als Biff lebende Nazi (Dylan Baker) aus Furcht vor Entdeckung gleich die ganze Gartenparty erschießt, einschließlich seiner Frau und seiner eigenen Kinder, dann zeichnet Showrunner David Well die Figur als grotesk überzeichnete Cartoon-Version des Nazi-Klischees. Das wäre durchaus gewagt, ist aber schon von anderen Regisseuren so gemacht worden. Leider bleibt Well aber nicht bei dieser Tonalität, sondern versucht sich auch immer wieder an echtem Drama.

Hunters

Lonny Flash gehört zu der seltsamen Elitetruppe, die Meyer Offerman um sich geschart hat, um Nazis aufzuspüren.

Hunters: Nicht jeder ist ein Tarantino

So leidet Logan Lerman glaubhaft und sehr ernst unter dem Tod seiner Großmutter und auch andere Elemente der Story sind komplett humorfrei. Um dann doch wieder in überzeichnete Figuren wie Josh Radners Charakter Lonny Flash zu münden. Angesichts der ungeheuerlichen Verbrechen der Nazis funktioniert dieser Teilzeit-Humor aber überhaupt nicht. Ob ein SS-Mann, der im KZ mit echten Menschen Schach spielt, selbstverständlich mit tödlichem Ausgang, oder ein anderer Männer erschießt, die beim Singen den falschen Ton treffen.

Ob das witzig sein soll oder nicht, darüber scheint sich Well selbst nicht im Klaren gewesen zu sein. Das erinnert an eine schlechtere Version der Serie “Preacher”, die im Gegensatz zu Hunters keine realen Ereignisse erzählt und sich ihres schwarzen Humors stets sicher ist. Wells’ Serie taumelt zwischen seltsamem Slapstick, großem Drama und blutigen Momenten so unentschlossen herum, dass nie eine rote Linie erkennbar wird, auf der Regie und Cast Kurs halten. So lässt Hunters dort kalt, wo das auf keinen Fall passieren darf – beim Drama.

Den Schauspielern mag man dabei gar keinen Vorwurf machen. Pacino, der sich aus Humorversuchen ohnehin komplett heraushält, spielt Meyer Offerman als beherrschten, aber innerlich für seine Sache brennenden Fanatiker, und überzeugt einmal mehr. Logan Lerman darf ebenfalls weitgehend ernst bleiben und transportiert den Schmerz über seinen Verlust jederzeit glaubwürdig. Der Rest bekommt in den ersten Folgen kaum genug Screentime, um in Erinnerung zu bleiben. An der Ziellosigkeit von Hunters ändern somit auch sie nichts.

Fazit:

Hunters bewegt sich auf einem sehr schmalen Grat zwischen Humor und Drama. Und möglicherweise gibt es dafür auch ein Publikum. Im Vergleich mit anderen Dramedys wie “Sex Education”, die traumhaft sicher zwischen lustig und ernst wechseln, erweist sich das Thema von Hunters aber als recht ungeeignet für solche Versuche. Und so wird der Humor hier mehr als einmal zynisch statt witzig. Zwar adelt Al Pacino die Serie mit seiner Präsenz, das Ruder herumreißen kann aber auch er nicht. So bleibt Hunters vor allem eins: extreme Geschmackssache.

Hunters startet am 21. Februar 2020 bei Amazon Prime.

Gesehen: Drei von zehn Folgen

Hunters

Offermans Gegenspielerin ist eine geheimnisvolle Frau, die alle nur “den Colonel” nennen.

 

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