Die Videospiel-Serie Resident Evil ist bei Fans in aller Welt seit ihrem Beginn in den 90er Jahren – und noch für Playstation 1! – extrem beliebt und erfolgreich. Den Erfolg kann man auch der Adaption von Regisseur und Drehbuch-Autor Paul W. S. Anderson nicht absprechen, der mit sechs Filmen mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz machte. Die meisten Spielefans konnten allerdings mit Andersons Version der Resident Evil-Welt nicht viel anfangen und wünschten sich immer eine größere Nähe zu den Klassikern der Spielereihe. Als Constantin Film einen Reboot ankündigte und Games-Fan Johannes Roberts als kreativen Kopf einsetzte, keimte Hoffnung auf, der neue Film könnte näher an der Vorlage sein als Andersons Werke. Hat sich diese Hoffnung erfüllt? Das verrät die Kritik.

Resident Evil

Claire will ihren Bruder Chris besuchen. Doch schon auf der Anreise begegnet sie dem Grauen.

Die Handlung

Die Kleinstadt Raccoon City hat schon bessere Zeiten gesehen. Der einzige Arbeitgeber vor Ort, der weltweit agierende Pharmakonzern Umbrella, hat beschlossen, den Firmensitz zu verlegen – ein Todesurteil für die Stadt. Doch nicht alle Einwohner ziehen weg, einige scheinen einfach zu verschwinden. Doch es gibt auch Neuankömmlinge. So ist Claire Redfield (Kaya Scodelario) nach Jahren zurück in ihre alte Heimat, um sich mit ihrem Bruder Chris (Robbie Amell) auszusöhnen, der in der Stadt als Elite-Cop arbeitet. Zu denen würde auch gern Leon S. Kennedy (Avan Jogia) gehören, der nach seiner Versetzung seinen ersten Dienst in der neuen Stadt antritt. Und der beginnt mit einem Leichenfund in einer alten Villa in Stadtnähe. Zu dem zwei von Leons erfahrenen Kollegen fahren sollen …

Als von denen kein Lebenszeichen mehr kommt, schickt Polizeichef Irons (Donal Logue) seine „STARS“-Mannschaft um Redfield, Albert Wesker (Tom Hopper) und Jill Valentine (Hannah John-Kamen) per Hubscharuber los, um die Spencer-Villa, benannt nach dem Gründer von Umbrella und dessen einstiger Wohnort, in Augenschein zu nehmen. Währenddessen sammeln sich am Tor der Polizeistation einige Einwohner, die alles andere als gesund aussehen und nur noch Stöhnlaute von sich geben. Und mit William Birkin (Neal McDonough) wird der letzte hochrangige Vertreter von Umbrella per Notruf aus der Stadt beordert. Als sich die ersten Zombies durch Racoon Citys Straßen schleppen, ist die Katastrophe perfekt. Und die Überlebenden erfahren, dass ihnen nur Stunden bleiben, um einen Ausweg zu finden …

Viel Inhalt, wenig Handlung

Eines muss man dem britischen Filmemacher Johannes Roberts („47 Meters Down“) anrechnen: Seine Ankündigung, sich näher an den Spielen zu orientieren, als das sein Vorgänger Paul Anderson getan hat, war keine heiße Luft. Tatsächlich stellt Roberts genau die Charaktere in seinem Film in den Vordergrund, die in den beiden ersten Spielen der Reihe die Hauptrollen innehatten. Und in Andersons Reihe allesamt als Nebenfiguren abgespeist wurden. Leider macht diese Werktreue Resident Evil: Welcome to Raccoon City noch lange nicht zu einem guten Film. Zwar hat Roberts die Fehler Andersons nicht wiederholt, dafür hat er neue gemacht. Zum Beispiel, mit seinem Drehbuch eine Art Schnelldurchlauf durch die beiden ersten Games zu entwickeln. In dem kaum eine Szene Zeit bekommt, ihre Wirkung zu entfalten.

Denn Roberts scheint in seinem Kopf eine Liste von besonders ikonischen Szenen der ersten beiden Spiele gehabt zu haben, die er mit seinem Script Schritt für Schritt abhakt. Dabei lässt er nicht nur einige weg, die man als Resident Evil-Fan wirklich erwartet hätte, wie beispielsweise einen Blick in die von Zombies überrannten, brennenden Straßen der Stadt, er packt auch noch viel zu viele in einen Film. So präsentiert er den Fans zwar viele Momente, die in den Spielen cool waren, schafft es aber nicht, daraus eine spannende Handlung zu basteln, in dem sie Atmosphäre aufbauen und den Zuschauer wirklich ängstigen können. Kenner der Spiele werden sich kaum einmal gruseln oder erschrecken. Wer die Games nicht kennt, für den dürfte die vollgestopfte und doch leblose Handlung mehr Fragen als Antworten hinterlassen.

Resident Evil

Im Wald vor der Stadt steht eine Villa, und das Eliteteam der Polizei um Claires Bruder Chris soll dort nach vermissten Cops suchen.

Fan-Service ohne Gespür für Spannung

Roberts lässt hier fast jedes Gespür für Timing und Spannungsaufbau vermissen. Damit zeigt er vor allem, dass zwei Spiele deutlich zu viel sind, um sie vernünftig in einen Film zu überführen. Möglicherweise wäre eine noch genauere Adaption des ersten Spiels als Auftakt einer potenziellen neuen Reihe genug gewesen. Denn so müssen die Fans auf vieles verzichten, was sie vermutlich in diesem Film erwartet hatten. Und dass die Story aus dem dritten Spiel fehlt, dass sich eigentlich zeitgleich mit dem zweiten abspielt, macht die Handlung von Resident Evil: Welcome to Raccoon City auch nicht besser.

Ein weiteres Problem sind die Dialoge, bei denen Roberts leider auch dicht an den Games bleibt – und da waren sie schon nicht gut. Statt hier ein wenig zu modernisieren und eine vernünftige, stringente Story zu erzählen, lässt er seine Protagonisten ähnlich krude und nichtssagende Dinge sagen wie die Figuren im Spiel. Soviel Genauigkeit hätte es dann auch wieder nicht gebraucht. Dem Film zu unterstellen, er würde sich auch grafisch am pixeligen ersten Spiel orientieren, ist zwar nicht fair. Fakt ist aber, dass vor allem die Computer-Effekte eher dürftig ausfallen. Und den Zuschauer immer wieder aus der ohnehin dünnen Atmosphäre des Films herausreißen. Ob hier das Budget von etwa 40 Millionen Dollar nicht gereicht haben oder die Effekt-Macher es nicht besser konnten, bleibt dabei offen.

Schauspieler ohne echte Arbeit

Kaya Scodelario

Claire hat sich mit dem Cop-Neuling Leon zusammengetan, um dem Grauen in Raccoon City zu entkommen.

Und die teilweise bekannten Schauspieler bekommen nur wenig zu tun, was ihre Berufsbezeichnung rechtfertigt. Denn kein einziger Charakter bekommt genug Platz im Film, um so etwas wie Tiefe zu entwickeln. Der Zuschauer sieht geübten Kämpfern dabei zu, wie sie angesichts von Zombies und anderen Kreaturen, die hinter jeder Ecke lauern, ums Überleben kämpfen. Da hat jeder der Stars in anderen Filmen mit besseren Drehbüchern schon stärkere Leistungen gezeigt. So ist Resident Evil: Welcome to Raccoon City in erster Linie anders als die Filmreihe von Anderson, hat aber genauso ihre Schwächen, die echte Fans der Games abschreckt. Und Neulinge kaum abholt. Denn etwas gruseliger als hier hätte die Neuauflage gern ausfallen dürfen. Ein harter Zombie-Thriller sieht anders aus.

Fazit:

Schade. Zwar ist Resident Evil: Welcome to Raccoon City, deutlich näher am Spiel-Original als die erste Filmreihe, aber das macht Johannes Roberts‘ Film nicht besser. Denn statt auf Atmosphäre und eine halbwegs vernünftige Handlung zu setzen, packt er einfach einige der ikonischen Szenen aus den ersten beiden Spielen zusammen. Das ist netter Fan-Service, erzeugt aber noch keine Spannung. Schon gar nicht bei Zuschauern, die die Spiele gar nicht kennen. Und ganz ähnlich wie bei Andersons Filmen fehlt auch dem neuen Versuch die Härte der Games. So stolpern auch in der Roberts-Version eigentlich coole Helden mit mauen Dialogen, mäßigen Tricks und nur wenig grusligen Momenten durch eine Art Schnelldurchlauf ohne Gefühl für eine gute Geschichte. Man darf gespannt sein, ob die Fans ausreichen, um das zu einem Erfolg an den Kassen zu machen.

Resident Evil: Welcome to Raccoon City startet am 25. November 2021 in den deutschen Kinos.

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