Gemma Chan
Disney

Filmkritik: Eternals

Nach dem furiosen Ende von Marvels Phase 3, aus der mit „Avengers: Endgame“ auch gleich der erfolgreichste Film aller Zeiten hervorging, setzte Kevin Feige, Mastermind des MCU, auf Wandel. So unterschied sich die TV-Serie „Wandavision“ deutlich von anderen Marvel-Storys. Und auch mit „Shang-Chi“ setzten die Macher auf andere Wege, obwohl die Verbindung zum MCU immerhin noch zu erkennen war. Doch damit nicht genug. „Eternals“, den neuesten Streich der Marvel-Studios, inszenierte mit Chloe Zhao nicht nur eine Arthouse-Filmerin, auch die Comicvorlage kam nie über den Status eines Geheimtipps hinaus. Kann daraus wirklich ein guter Film werden? Das klärt die Kritik.

Eternals
Die Eternals kämpfen seit 7000 Jahren auf der Erde gegen die monströsen Deviants.

Die Handlung

Die Eternals, eine Gruppe von Superwesen, leben seit 7000 Jahren auf der Erde. Ihre weise Anführerin Ajak (Salma Hayek) hat die Gruppe in den Jahrtausenden zusammengehalten. Und darauf geachtet, dass die den Auftrag erfüllen, den ihnen ihr Schöpfer, ein gottgleiches Wesen namens Arishem erteilt hatte. Das bedeutete für die Eternals aber auch, sich in die Belange der Menschen nicht einmischen zu dürfen. Selbst den Angriff von Thanos durften sie nicht zurückschlagen und mussten sich im Verborgenen halten. Denn ihr Job ist es seit Jahrtausenden, die monströsen Deviants zu besiegen, die immer wieder auf der Erde auftauchen, um sie zu vernichten.

Doch seit Jahrhunderten sind keine dieser Monster mehr aufgetaucht und die Eternals haben begonnen, sich eigene Leben aufzubauen. Sersi (Gemma Chan) lebt mit Sprite (Lia McHugh) in London, Ajak hat sich in die USA zurückgezogen. Und auch die anderen Eternals haben sich über den Erdball verstreut. Doch dann werden Sersi und ihr Freund Dane (Kit Harrington) mitten in der Stadt von einem ungewöhnlich mächtigen Deviant attackiert – und kommen nur durch die Hilfe von Sersis ehemaligen Liebhaber Ikaris (Richard Madden) ohne Schaden davon. Die Eternals ahnen eine große Bedrohung und reisen daraufhin zu Ajak. Doch was sie dort entdecken, ist viel schlimmer, als sie es erwartet hätten. Die Welt ist in Gefahr …

Kein Glanzstück des MCU

Wenn es dem Esel zu gut geht, dann geht er aufs Eis, so sagt ein Sprichwort. Diese Motivation darf man Marvel sicher nicht unterstellen. Stattdessen dürfte das Studio nach Endgame über neue Richtungen für das MCU nachgedacht haben. Die bislang mutigste neue Richtung ist dabei eindeutig Eternals. Denn Regisseurin Chloe Zhao muss in gut 150 Minuten nicht nur etliche neue Helden einführen, sondern auch eine ganz neue Mythologie innerhalb des MCU aufbauen. Und das ist ihr, bei allem Respekt für ihren Job, nur ansatzweise gelungen. Denn Marvel wusste in Phase eins noch, wie sinnvoll es ist, die Helden einzeln vorzustellen, bevor das Studio sie in einen gemeinsamen Film macht. Deshalb hat Avengers so gut funktioniert – und Eternals kämpft damit.

Denn viele der Helden im Film sind dem Zuschauer am Ende noch fast genauso fremd wie zu Beginn, die Zeit reicht einfach nicht, um allen einen vernünftigen Hintergrund zu geben und sie damit auch emotional ansprechend zu gestalten. Dazu kommt die vorher völlig unbekannte Dimension der Celestials, die das gesamte, bisher bekannte Marvel-Cinematic-Universe zumindest infrage stellen. Und doch hat Eternals keine echten Berührungspunkte mit dem MCU und könnte auch gut für sich stehen. Auch mit dieser Loslösung hat sich das Drehbuch-Autorentrio, zu dem auch die Regisseurin gehört, nicht unbedingt einen Gefallen getan. Selbst mit den Mid- und Post-Credit-Szenen lässt Zhao alle Zuschauer, die sich nicht im Comic-Universum auskennen, ziemlich im Regen stehen.

Eternals
Und dabei riskieren auch die mächtigen Eternals immer wieder ihr Leben.

Erfolgsrezept klappt nicht immer

Das Grundübel des Films mag dabei in der Vorlage liegen. Denn neben Stan Lee war Zeichner Jack Kirby in den Anfangstagen von Marvel für den immensen Erfolg verantwortlich, fühlte sich damals aber nicht so recht gewürdigt und ging 1970 sogar zum Konkurrenten DC. Als er 1976 zurückkehrte, durfte er seine eigene Serie schreiben und zeichnen – die Eternals. Und die haben als göttliche Superwesen eine ganz andere Gravitas als die Helden von nebenan – wie etwa Spider-Man. Bierernst und von kosmischer Größe getragen, war der Comic nie ein Hit, wurde bestenfalls für beinharte Kirby-Fans zum Kultcomic. Die erste Serie kam auf gerade einmal 19 Ausgaben – und ist damit noch immer die erfolgreichste, weitere Versuche verliefen noch schlechter.

Gut, mit den „Guardians of the Galaxy“ machte das MCU schon einmal aus einem eher unbekannten Team einen Mega-Hit – aber es klappt eben nicht immer. Eternals holte sich bislang die schwächsten Kritiken aller MCU-Filme ab – und gehört auch am wenigsten dazu. Was manche feiern, ist für andere der Grund, den Film nicht zu mögen. Denn er zeigt neben lauter neuen Helden, die nicht alle einfach zugänglich sind, auch Vorgänge, die selbst ein MCU-Fan zurzeit überhaupt nicht einzuordnen weiß. Wohin das Ganze führen soll und wer für die Zukunft der Reihe noch relevant wird, das kann nach Ansicht des Films einfach niemand sagen. Fans, die sich auf ein weiteres Marvel-Abenteuer gefreut haben, wie sie es kennen, werden hier nicht glücklich.

Menschlich oder nicht?

Eternals
Auf der Suche nach den anderen Mitgliedern des Teams treffen Sersi und Sprite auch auf den charismatischen Kingo.

Das liegt vor allem am Drehbuch. Denn während ein Captain America nach 70 Jahren im Eis echte Probleme hat, sich mit den neuen Gegebenheiten anzufreunden, wirken die Eternals nach 7000 Jahren sehr menschlich und in keiner Weise wie die uralten Wesen, die sie sind. Es ist sicher schwer, sie einerseits als ganz besondere Wesen zu schildern und sie gleichzeitig sympathisch menschlich zu machen. Dem Script gelingt das auch nicht bei allen Helden. Und so ist Eternals ein Film, der zwar optisch auf hohem Niveau überzeugt, emotional aber nicht wirklich berührt. Und dafür dann auch noch viel zu lang ist. Im Rückblick in einigen Jahren, wenn die Fans wissen, was der Film tatsächlich angestoßen hat, mag Eternals noch gewinnen, momentan ist der Versuch einer komplett neuen epischen Story im Schnelldurchlauf eher misslungen.

Fazit:

Mit Eternals verbucht Marvel nach langen Jahren zum ersten Mal wieder einen Dämpfer. Der Film kam bislang bei den Kritikern nicht gut an und auch die ersten Reaktionen der Fans sind verhalten. Offenkundig hat sich Regisseurin und Mit-Autorin Chloe Zhao mit ihrem Marvel-Debüt etwas zu viel vorgenommen. Das gleichzeitige Einführen von zehn neuen Helden und einer ganzen Kosmos-Mythologie funktioniert trotz zweieinhalb Stunden Laufzeit nicht sonderlich gut. Viele Charaktere bleiben blass, einige wichtige Momente im Film sind glatt unlogisch. Und emotional holen die Eternals den Zuschauer über lange Strecken des Films auch nicht ab. Eine Fortsetzung wird von Marvel bereits jetzt als nicht unbedingt nötig bezeichnet. Es bleibt abzuwarten, welche Teile des Films fürs MCU tatsächlich noch relevant werden.

Eternals startet am 3. November 2021 in den deutschen Kinos.

Richard Madden
Ikaris und Sersi verbindet eine Jahrtausende alte Liebe.