Im Jahr 1997 kam der Film “Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast” in die Kinos. Jennifer Love Hewitt und Freddy Prince Jr. verfestigten damit ihre Karrieren als Teenie-Stars, auch Ryan Philippe und Sarah Michelle Gellar etablierten sich weiter als Gesichter, die ein junges Publikum in die Kinos bringen konnten. Der Film spielte mehr als das Zehnfache seiner Kosten ein, machte den Fischer mit dem Haken zum neuen Slasher-Star und zog zwei Fortsetzungen (1998 und 2006) nach sich. Alles basierte auf einem Roman aus dem Jahr 1973, in dem der Fischer als Killer allerdings gar nicht vorkommt. Nun bringt Amazon Prime eine achtteilige Serienversion des Stoffes heraus, ebenfalls (bis jetzt) ohne Fischer mit Haken. Wie gut ist die neue Version?

Madison Iseman

Es sieht so aus, als hätte Lennon ihre Zwillingsschwester Alison überfahren. Aber stimmt das wirklich?

Die Handlung

Die eineiigen Zwillinge Lennon und Alison (beide Madison Iseman) haben nicht das beste Verhältnis. Die kühle und berechnende Lennon ist beliebt in der Schule, hat zahllose Affären und steht auf Drogen und Alkohol. Die grüblerische Alison hingegen ist am liebsten allein und nach dem Selbstmord der Mutter vor einigen Jahren der Meinung, dass sie von niemandem in der Familie mehr geliebt wird. Und obwohl Lennon ihrer Schwester immer wieder sagt, wie sehr sie sie liebt, merkt Alison an Lennons Verhalten nichts davon. Auf einer Party heckt Lennon dann einen besonders fiesen Streich aus, um Alison zu ärgern und der Streit zwischen den Schwestern eskaliert.

Als Lennons Freunde später zu ihr ins Auto steigen, wirkt die junge Frau verwirrt, fährt dann aber los. Auf der Straße kommt es zu einem Unfall – offenbar hat der Wagen etwas – oder jemanden – gerammt. Als die Jugendlichen nachsehen, erleben sie einen Schock. Offenbar ist Alison nach ihrem Streit zu Fuß nach Hause gegangen und wurde im Dunkeln von ihrer eigenen Schwester überfahren – die junge Frau ist tot. Um drohende Konsequenzen zu vermeiden, beschließt die Gruppe, Alison in eine Höhle am Strand zu bringen, die regelmäßig vom Meer durchspült wird, um so die Leiche loszuwerden. Danach trennen sich ihre Wege. Doch als sie sich ein Jahr später wieder treffen, beginnt plötzlich eine brutale Mordserie. Hat Alison überlebt und nimmt jetzt Rache?

Neue Ideen statt alter Hüte

Wer auf eine ähnliche Umsetzung des Stoffes wie 1997 gesetzt hat, dürfte überrascht sein. Wer auch immer der Killer ist, ziemlich sicher ist er nicht identisch mit dem aus der Film-Trilogie. Und das ist längst nicht der einzige Unterschied. So ist die neue Serie Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast deutlich blutiger als der erste Film. Wenn das Morden beginnt, zeigt die Serie das auch explizit, was zum Teil an “Final Destination” erinnert. Und auch in Sachen Sex ist die Serie deutlich freizügiger als die Version von 1997.  Während die Filme hier eher züchtig waren, gibt es hier auch nackte Tatsachen zu sehen. Zudem wird auch eine Story mit mehr Twists und Geheimnissen erzählt. Schon am Ende der ersten Folge löst die Serie einen wichtigen Plot-Twist auf, der allerdings für die kommende Handlung nur bedingt wichtig ist.

Um die Zeit zu füllen, die eine achtteilige Serie nun einmal hat, hat Showrunnerin und Chef-Autorin Sarah Goodman mehr Figuren eingeführt und den meisten von ihnen mindestens ein Geheimnis auf den Leib geschrieben, das im Lauf der Serie möglicherweise gelüftet wird. So spielt der Vater von Lennon und Alison (Bill Peck) eine wichtige Rolle, ebenso die Polizeichefin des Ortes (Fiona Rene). Und auch die Freunde von Lennon, die mit im Unfallwagen saßen, erhalten mehr Hintergrund, wenn auch meist nur, um den Zuschauer möglichst gekonnt in die Irre zu führen. Während viele dieser Charaktere in der ersten Folge von Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast noch so unsympathisch sind, dass den meisten Zuschauern ihr Tod wohl egal wäre, wachsen sie einem im Lauf der nächsten Episoden langsam ans Herz.

Ich weiß was du letzten Sommer getan hast

Der Vater der Zwillinge hat alle Hände voll zu tun, seine überlebende Tochter zu trösten.

Nicht jeder Twist sitzt

Und so zittert der Zuschauer mit, wenn gleiche mehrere Charaktere möglicherweise dem Tode nahe sind und man nicht wissen kann, ob und wen es diesmal erwischt. Hier schaffen die Autoren durchaus intensive Momente. Qualitativ ist das Storytelling der Serie allerdings sehr unterschiedlich. Goodman gelingt ein interessanter Plot mit neuem Ansatz, der deshalb auch auf den Hakenmann gut verzichten kann. Allerdings nimmt sie beispielsweise in Folge vier die Figur, die am verdächtigsten ist, der Killer zu sein, mit einem mehr als plump geschriebenen Schockmoment aus dem Spiel. Und lässt dabei auch noch die Gesetze der Logik und der Naturwissenschaft außer Kraft. Diese Sinuskurven zwischen gelungenen und schwachen Momenten ist bei dieser Serie leider Standard.

Nach der Hälfte der Serie (Amazon Prime stellte vorab vier der acht Folgen zur Verfügung) teilt sich Licht und Schatten relativ gleichmäßig auf. Auf der Habenseite kann die Serie die Hauptdarstellerin Madison Iseman verbuchen. Die Horror-erfahrene Schauspielerin, die bereits in “Gänsehaut 2”, “Nocturne” und “Annabelle 3” überzeugte, spielt auch die ungleichen Zwillinge in der Serie sehr stark. Sie ist der emotionale Anker der Serie, an und mit ihr steht und fällt die Spannung. Auch einige ihrer Kollegen können sich in Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast gut in Szene setzen. Auch weil ihnen die Drehbücher genug Möglichkeiten geben, die interessanten Seiten ihrer Figur auszuloten.

Ich weiß was du letzten Sommer getan hast

Riley und Dylan saßen mit im Unfallwagen, sind sie nun auch Ziele des Killers?

So ist die Bloggerin mit Helikopter-Mutter mehr als nur eine hohle Nuss und auch der melancholische Schwarm von Alison darf spannendere Seiten und sogar Ecken und Kanten zeigen. Hier werden die typischen Klischees zum Teil gekonnt aufgebrochen, allerdings längst nicht alle, die in der Serie vorkommen. Unter dem Strich gibt es aber gerade für Horrorfans der blutigeren Sorte hier genug zu sehen, um sich die acht Folgen der Serie zu Gemüte zu führen. Auch, wenn nicht alles Gold ist, was glänzt.

Fazit:

Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast überzeugt mit einem originellen Plot um ein Zwillingspaar, gespielt von der sehenswerten Madison Iseman. Der Plot der Serie hat allerdings nur die Grundidee mit dem Roman und dem Film aus den 90ern zu tun, Showrunnerin Sarah Goodman entwickelt ihre eigene Story vom geheimnisvollen Killer, der eine Gruppe Teenager verfolgt. Das ist nicht immer logisch oder glaubwürdig, dafür aber meistens spannend und in den entscheidenden Momenten auch ganz schön brutal. Als zusätzliche Würze ist die Serie auch deutlich freizügiger als die Filme, Drogen und Sex nehmen einen sehr viel prominenteren Platz ein als in der Kinoversion. Und so kommen vor allem Fans der härteren Gangart hier auf ihre Kosten.

Ich weiß was du letzten Sommer getan hast startet am 15. Oktober 2021 mit vier Folgen bei Amazon Prime, danach folgt wöchentlich eine weitere.

Ich weiß was du letzten Sommer getan hast

Polizeichefin Lyla bekommt bald mehr zu tun, als sie sich vorstellen konnte. Der Leichenberg wächst.

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