October Faction

Serienkritik: October Faction

Netflix hat Blut geleckt! Nach den Erfolgen von Serien wie „Stranger Things“ und „Umbrella Academy“ durchforstete der Streaming-Dienst offenbar auch die Comicszene auf der Suche nach möglichen, neuen Serienstoffen, die mit Bereich Sci-Fi oder Horror angesiedelt sind. Dabei fanden die Verantwortlichen auch die Saga der „October Faction“, die als geeignet schien und nun als zehnteilige, erste Staffel zu Netflix kommt. „Bones“-Fans werden darin ein bekanntes Gesicht wiederentdecken, was kann die Serie sonst?

Steve Niles ist in den USA ein bekannter Comic-Autor mit Schwerpunkt auf Horror. Aus seiner Feder stammt unter anderem „30 Days of Night“, der als bluttriefender Schocker verfilmt wurde. Die Story eines Dorfes in Alaska, dass kurz vor einer 30 Tage andauernden Nacht von einem Vampir-Clan überfallen wird, genießt unter Horrorfans der härteren Sorte einen guten Ruf. Kann die neue Serie October Faction nach dem Comic von Niles, die hier eine Freigabe ab 16 Jahren erhalten hat, da mithalten? 

October Faction
Seit mehr als 20 Jahren sind Deloris und Fred Allen als Monsterjäger in der ganzen Welt unterwegs.

October Faction: Die Handlung

Das Ehepaar Fred (J.C. Mackenzie) und Deloris Allen (Tamara Tyalor, „Bones“) haben einen ungewöhnlichen Job. Zur Tarnung sind sie Versicherungsagenten, tatsächlich jagen und töten sie für eine Organisation namens Presidio Monster in aller Welt. Das war auch für ihre beiden Kinder, die Zwillinge Geoff (Gabriel Darku) und Viv (Aurora Burghart) ziemlich hart, denn die Eltern mussten ständig umziehen und so wurden aus den Zwillingen Weltbürger, die nirgendwo so richtig zu Hause sind. Und die über den tatsächlichen Beruf ihrer Eltern nichts wissen.

Als der Vater von Fred stirbt, ein hochrangiges Mitglied der Presidio, reist die Familie nach Upstate New York in die Kleinstadt Barsington, wo das Herrenhaus der Allens steht. Während die 17-jährigen Kids sich dort in die neue Schule eingewöhnen müssen, stellen sie fest, dass sie besondere Fähigkeiten entwickeln. Geoff sieht Geister und Viv kann einen Blick in die Zukunft werfen. Fred und Deloris werden dagegen von alten Geister ihrer Vergangenheit heimgesucht. Doch auch echte Monster trachten den beiden nach dem Leben …

October Faction: Klingt spannend, aber …

Eigentlich ist die Story der Serie sehr verheißungsvoll für Horror- und Dark Fantasy-Fans. Eine geheimnisvolle Organisation, die heimlich Monster jagt und tötet.  Ein Ehepaar, das seit Jahren diesen Job ausübt, ohne dass ihre Kinder etwas davon wissen. Eine Kleinstadt mit ihren typischen Geheimnissen. Und ein Gegner, der scheinbar derart mächtig ist, dass die Helden der Geschichte keine Chance haben, ihn zu besiegen. Das hört sich spannend an, kann aber aus mehreren Gründen nicht überzeugen. Denn hier fehlt einfach zu viel.

Das beginnt bei den Effekten. In einer Serie über Monster sollte hin und wieder auch mal eins zu sehen sein. Doch die machen sich ziemlich rar in October Faction. Und wenn dann doch einmal eins kommt, weiß man auch warum. Lag es an der falschen Wahl des FX-Studios oder am Budget, dass kein besseres zuließ? Das bleibt unklar. Klar ist hingegen:  Die CGI-Monster fallen derart schlecht aus, dass die Kreaturen eher Lachreiz oder Mitleid auslösen, aber ganz bestimmt keine Angst. Das wäre bei einer Horror-Serie aber durchaus hilfreich gewesen.

October Faction
Immer weider müssen die bedien ihren Hals riskieren, hier gegen ein Rudel Vampire.

October Faction: Viel Handlung, wenig Fortschritt

Showrunner Damian Kindler ist durchaus erfahren in Horror- und Sci-Fi-Stoffen. Er schrieb einige Episoden von „Sleepy Hollow“ und was der kreative Kopf der kurzlebigen Superhelden-Serie „Krypton“. Bei October Faction will Kindler aber zu viel. Er packt derart viele verschiedene Plots in die Serie, dass sich keiner davon pro Folge erwähnenswert voran bewegt. Das Ehepaar will sesshaft werden, der Kinder wegen. Die entwickeln Fähigkeiten,doch niemand weiß warum. Presidio ist offenbar nicht, was es zu sein scheint. Ein mächtiges Wesen greift an.

Schon diese vier wichtigsten Handlungsstränge kommen nur langsam voran, weitere versanden sogar noch stärker. Dazu kommen wenig beeindruckende Actionszenen, die dann auch noch relativ selten sind. Die meisten Folgern bestehen aus Gesprächen. Horror oder auch nur Spannung erzeugt auch das nicht. Und bei den Schauspielern dürften viele Zuschauer das Gefühl haben, sie hätten bereits gemerkt, dass sie sich hier ein mäßiges Projekt ausgesucht haben, zumindest spielen sie nicht sonderlich überzeugend oder engagiert.

Tatsächlich ist October Faction ein Beispiel dafür, wie man heutzutage eigentlich keine Serien mehr erzählt – und auch, warum nicht. Geheimnisse, die in Folge eins angedeutet werden, sind bis Folge sieben noch immer nicht geklärt. Handlungsstränge, die Spannung erzeugen sollen, fallen durch mäßige Umsetzung in sich zusammen. Dazu kommen Logikfehler, die aufmerksamen Zuschauern kaum entgehen können – und die deshalb so nerven, weil sie für die Story auch noch notwendig sind. So ist October Faction leider bestenfalls Durchschnitt.

Fazit:

Es gab schon tolle Horror-Serien bei Netflix zu sehen, wie „Spuk in Hill House“ oder Stranger Things. Und es gab schon schwache Serien wie „V-Wars“ oder „Ares“. October Faction gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Hier funktioniert erschreckend wenig richtig und es läuft verdammt viel falsch. Tricks, Erzählweise, Schauspieler, Dramaturgie – all das ist auf derart mäßigem Niveau, dass es weder Horrorfans noch Fantasy-Freunde überzeugen kann. Von der Allen-Familie werden wir wohl keine zweite Staffel zu sehen bekommen.

October Faction startet am 23. Januar 2020 bei Netflix.

Gesehen: Sieben von zehn Folgen.

October Faction
Doch seit sie in Barsington leben, müssen Fred und Deloris in dauernd auf der Highschool erscheinen, weil ihre Zwillinge wieder einmal Mist gebaut haben.