Countdown

Filmkritik: Countdown

Mit dem Remake von „The Grudge“ begann das Horrorjahr 2020 schwach. Nun startet mit „Countdown“ ein Horror-Thriller, der in den USA bereits im vergangenen Jahr in die Kinos kam – mit bescheidenem Erfolg. Ist die Geschichte von einer mörderischen Smartphone-App dennoch ansehnlich oder steht „You – Du wirst mich lieben“-Star Elizabeth Lail hier auf verlorenem Posten? Die Kritik verrät, wem dieser klassische Horrorstreifen gefallen könnte – und wem nicht.

Die Niederlande, die gerade auf Netflix mit ihrer Horrorserie „Ares“ ziemlich versagt haben, brachten schon vor einigen Jahren die Idee einer bösen App auf die Leinwand. Und der nur 75 Minuten lange Film konnte durchaus überzeugen. Zwar ist Countdown kein Remake, sondern basiert nur auf einer ähnlichen Idee. dennoch muss sich das Langfilm-Debüt von Regisseur und Drehbuchautor Justin Dec an dem europäischen Versuch messen lassen. Wie gruselig ist die neue Version einer teuflischen und sehr tödlichen Software geworden?

Countdown
Nur noch wenige Stunden Lebenszeit: Courtney findet die neue App gar nicht lustig.

Countdown: Die Handlung

Courtney (Anne Winters) hat zwar ein wenig Angst, dennoch lädt sich sich aus Gruppenzwang auf einer Party die neue App Countdown herunter, die dem Nutzer seine restliche Lebenszeit anzeigt. Courtneys Angst wächst, als dort nur noch wenige Stunden angegeben werden. Deshalb weigert sie sich auch, zu ihrem betrunkenen Freund Evan (Dillon Lane) ins Auto zu steigen. Dennoch stirbt sie zuhause in ihrem Bad einen schrecklichen Tod. Tage später kümmert sich Krankenschwester Quinn (Elizabeth Lail) um Evan, der einen Unfall gebaut hat und eine OP braucht.

Doch Evan hat Todesangst, denn die Countdown-App zeigt ihm an, dass er zum geplanten Termin der Operation sterben soll. Aus Neugier, und um Evan zu beruhigen, lädt auch Quinn sich die App aufs Handy – und erhält die Botschaft, dass sie nur noch drei Tage zu leben hat. Erst hält sie das Ganze für einen schlechten Scherz, doch dann stirbt Evan durch scheinbaren Selbstmord, nachdem er die OP verschoben hatte. Ist Quinns Leben tatsächlich bedroht? Und was geschieht, wenn man das Unvermeidliche verhindern will? Die Antworten sind mörderisch …

Countdown: Mehr Schatten als Licht

Das Debüt von Justin Dec bietet viele Ansätze zu Kritik – und ein paar zum Lob. Leider überwiegen die negativen Aspekte. Denn Dec gelingt es einfach nicht, sich weit genug von diesen typischen, generischen Teenie-Horrorfilmen zu lösen, in denen einer nach dem anderen das Zeitliche segnet. Und ein halbwegs erfahrener Horrorfan bereits vorher genau sagen kann, wer es ist und wann es passiert. Ob „Wish Upon“ oder „Wahrheit oder Pflicht“: In den vergangenen Jahren gab es einfach zu viele dieser Filme, als das Countdown hier Zeichen setzen könnte.

Auch dem Aufbau des Drehbuchs fehlt es nicht an ein paar guten Ideen, aber deutlich an einer guten Verpackung. Wichtige Momente der Handlung, die ihre Schatten aufs Finale werfen, sind einfach so auffällig integriert, dass die Auflösung dann keine große Überraschung mehr ist. Dennoch sind Dec zumindest ein paar Kniffe eingefallen, die auch der Horror-Veteran nicht unbedingt vorhersehen kann. So überzeugt der Hintergrund der tödlichen App mit einer Idee, die noch nicht dutzende Male so erzählt wurde. Und auch Spannungsaufbau beherrscht Dec durchaus.

Countdown
Weil sich die App nicht löschen lässt, besorgt sich Quinn ein neues Smartphone. Sollte es so einfach sein?

Countdown: Ein paar gute Ansätze

Denn die Attacken der bösen Macht, die hinter dem Countdown steht, gelingen Dec recht gut. Auch der Härtegrad ist für eine Freigabe ab 16 Jahren durchaus üppig und wird Fans der blutigen Gangart zumindest nicht abschrecken. Uns besonders wichtig: Die Hauptfiguren verhalten sich halbwegs clever und regen das Publikum nicht dadurch auf, dass sie, wie in vielen anderen Filmen üblich, so offenkundig dumme Entscheidungen treffen. Das kleine Einmaleins des Horrors beherrscht Justin Dec recht ordentlich, auch wenn er sich reichlich von der „Final Destination“-Reihe abschaut.

Leider tappt Dec aber doch in zu viele Fallen, als dass Horrorfans Countdown als durchweg gelungen bezeichnen würden. Wenn 80 Prozent der Handlung vorhersehbar sind, ist das einfach zu viel. Aber für ein Debüt zeigt der Film durchaus schon gute Ansätze, die in weiteren Werken des Regisseurs einiges versprechen. Auch das geht zwar besser, wie zum Beispiel David F. Sandbergs Erstling „Lights Out“ beweist, aber eben auch um Einiges schlechter. Denn eine wichtige Zutat für einen guten Horrorfilm bietet Countdown: sympathische Figuren.

Elizabeth Lail und ihre Kollegen spielen Charaktere, die man mögen kann. Und mit denen der Zuschauer deshalb auch mehr leidet als mit Figuren, die das Publikum aufgrund idiotischer Handlungen oder einem permanenten Brett vorm Kopf lieber sterben sieht. Horror ohne Emotion funktioniert in aller Regel nicht, das zumindest wusste Dec offenkundig. Für Horror-Neulinge dürfte Countdown genug für einen gruseligen Kinoabend bieten. Wer aber schon einige Filme dieser Art gesehen hat, wird hier nur sehr selten wirklich einmal überrascht.

Fazit:

Da waren die US-Kritiker doch etwas hart. Zwar ist Countdown sicher kein Film, der lange im Gedächtnis bleibt, aber eine völlige Katastrophe ist er auch nicht. Auch wenn Regisseur und Autor Justin Dec zu einem Großen der Zunft noch einiges fehlt, so ist zumindest ein gewisses Talent für ein paar originelle Ideen im eigentlich generischen Stoff zu erkennen. Daher werden Horrorfans nicht gänzlich enttäuscht, auch wenn der Film noch ganz viel Luft nach oben hat. Und den obligatorischen zweiten Teil auch schon ankündigt.

Countdown startet am 30. Januar 2020 in den deutschen Kinos.

Countdown
Kann Quinn den Tod tatsächlich überlisten oder wird sie ein weiteres Opfer der Killer-App?