Living with yourself

Serienkritik: Living with Yourself

Schauspieler schlüpfen in einem Film oder einer Serie gern in mehrere Rollen. Zuletzt tat das – allerdings mit wenig Erfolg – Marlon Wayans in „Einer von Sechs“. Auch Eddie Murphy hat in einigen seiner Filme mehr als einen Charakter gespielt. Paul Rudd treibt diese Idee nun auf die Spitze – und spielt gleich zwei Mal den selben Kerl. Als Myles und dessen verbesserter Klon erlebt Rudd etliche schräge Momente in „Living with Yourself“. Zündet die neue Comedy-Serie bei Netflix?

Eigentlich ist das Doppelgänger-Motiv ja eher unheimlich und folgerichtig normalerweise auch im Horror- und Thriller-Genre zuhause. Aber hin und wieder landet die Idee von zwei gleichen Menschen auch mal im Comedy-Lager – wie bei Living with Yourself. Doch selbst in der harmlosen Variante mit dem beliebten Paul Rudd in der Doppelrolle bleiben manche Szenen ein wenig gruselig. Auch wenn hier weitaus häufiger das Zwerchfell als die Gänsehaut attackiert wird. Wie lustig ist es, wenn es jemanden zwei Mal gibt?

Living with yourself
Eigentlich sollte das Original tot und der Klon glücklich sein – beides hat nicht geklappt. Was nun?

Living with Yourself: Die Handlung

Myles (Paul Rudd) ist von seinem Leben gelangweilt. Sein Job in einer Werbeagentur brennt ihn aus, die Ehe mit Kate (Aisling Bea) ist längst zur Routine geworden und eine Änderung ist für den trägen Myles nicht in Sicht. Daher ist er sehr interessiert, als Kollege Dan plötzlich vor Energie nur so strotzt und grandiose Einfälle zum Besten gibt. Als Myles unter vier Augen nachfragt, erhält er die Adresse eines geheimnisvollen Spa. Neugierig fährt er am nächsten Tag bei der Adresse vorbei, um sich nach einer Behandlung zu erkundigen.

Nach dem Papierkram mit zwei freundlichen Asiaten schläft Myles ein – und erwacht in einem Leichensack mitten im Wald. Mühsam kann er sich befreien nach Hause laufen. Doch dort muss er zu seiner großen Überraschung feststellen, dass er bereits zuhause ist! Die Firma hat einen verbesserten Klon von ihm angefertigt, er selbst sollte die Prozedur eigentlich gar nicht überleben. Zuerst will Myles seine Kopie sofort vernichten, doch bald stellt er fest, wie gut der neue Myles in seinem Job ankommt – und bei seiner Frau …

Living with Yourself: Story wichtiger als Gags

Serienschöpfer Timothy Greenberg hatte offenkundig die Idee einer Story, die er mit seiner recht schrägen Grundidee erzählen wollte. Und die setzt er hier auch konsequent um. Wer aufgrund von Rudds Vergangenheit bei „Friends“ die Hoffnung hatte, er würde mit Living with Yourself eine Sitcom bekommen, dürfte daher auch enttäuscht sein. Ähnlich wie „Dead To Me“ hat Netflix auch hier eine Serie ins Programm gehoben, deren Gags durchaus auch mal in düstere Gefilde kippen, ohne deshalb den Humor herauszunehmen.

Und so passt die von Netflix selbst gewählte Bezeichnung Schwarze Komödie recht gut. Der Zusatz Horror hingegen ist doch reichlich übertrieben. Denn obwohl die beiden Myles-Charaktere auch rabiate Mittel zur Bewältigung ihres Problems in Erwägung ziehen, letztlich sind die beiden einfach zu nette Kerle, um das wirklich durchzuziehen. Deshalb ist die Besetzung von Paul Rudd – definitiv Hollywoods netter Kerl vom Dienst – nicht nur nachvollziehbar, sondern auch eine richtig gute Wahl. Gerade den verbesserten Klon spielt Rudd großartig.

Living with yourself
Nun überlegen Myles und Myles fieberhaft, wie es mit ihnen weitergehen soll.

Living with Yourself: Mutige Entscheidungen

Am meisten Freude macht in den ersten Folgen aber der Mut, genau die Storys zu erzählen, die der Zuschauer nicht kommen sieht. Die sollen hier nicht gespoilert werden, unterlaufen aber immer wieder gekonnt die Erwartungshaltung des Publikums, das sich nach dem etwas holprigen Auftakt schon bald mit der Situation arrangiert hat und eigene Meinungen entwickelt, wie die Sache wohl weitergeht. Mit diesen Meinungen spielen die Drehbücher sehr geschickt.

Mindestens so wichtig ist allerdings Paul Rudd. Mit einfachen Mitteln gelingt es ihm in jeder Szene, dem Zuschauer klarzumachen, um welche Version von Myles es sich gerade handelt. So arbeitet der Schauspieler nicht nur die kleinen Unterschiede zwischen den beiden Charakteren heraus, sondern verbindet diese auch gleich noch mit witzigen Situationen. Trotzdem erzeugt er in beiden Varianten auch Mitleid beim Zuschauer, denn so richtig schuldig ist keiner der beiden Myles‘ an den Problemen, denen sie sich nun stellen müssen.

Dazu kommen noch einige sehenswerte Nebenfiguren, die nicht nur die Story weitertragen, sondern auch für ein paar gute Gags verantwortlich sind. Insgesamt sind es aber nicht allzu viele Lacher, die der Zuschauer hier erwarten sollte. Sehenswert ist die Serie zwar alleine wegen Paul Rudd schon, aber eine durchgehend witzige Geschichte bieten die achten Folgen der ersten Staffel nicht. Für Liebhaber einer schrägen Story und Fans von Rudd ist Living with Yourself in jedem Fall ein Leckerbissen, jedermanns Sache ist es sicher nicht.

Fazit:

Living with Yourself hält sich nicht lange mit Erklärungen darüber auf, wie sich Myles verdoppeln konnte. Das hat weder den Serienschöpfer, noch die Autoren oder Regisseure sonderlich interessiert. Stattdessen entspinnt sich mit einem wunderbaren Paul Rudd in der Doppelrolle ein kluges Statement darüber, was man an sich verbessern würde, wenn man denn könnte. Dazu mischt die Serie eher schräge Momente mit sehr warmherzigen Augenblicken. Ein echtes Highlight ist die Serie nicht, ansehnlich aber allemal.

Living with Yourself startet am 18. Oktober 2019 bei Netflix.

Gesehen: Fünf von acht Folgen.

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