Krieg der Welten

Serienkritik: Krieg der Welten

Der Roman „Krieg der Welten“ von H.G. Wells gilt als einer der Klassiker der Science Fiction-Literatur schlechthin. Der Kampf der Menschheit gegen einen übermächtigen Gegner aus dem All hat zahllose Bücher, Filme und Serien inspiriert. Aber auch das Original wurde mehrfach für verschiedene Medien aufbereitet, 2005 sogar von Steven Spielberg. Nun gibt es eine neue Version aus amerikanisch-französischer Co-Produktion, die die Story in die heutige Zeit transportiert. Lohnt sich das Einschalten?

Man tut dem Schriftsteller H.G. Wells unrecht, wenn man ihn als reinen Science-Fiction-Autor ansieht, obwohl er das Genre gemeinsam mit Jules Verne begründet hat. Aber der Brite hatte mit seinen Geschichten stets damals reale Probleme im Auge und war weit mehr als nur ein Phantast. Auch Krieg der Welten war eigentlich eine bissige Satire auf den Kolonialismus des britischen Empires. Geblieben ist davon heutzutage nur die bekannte Invasions-Story. Funktioniert die auch in der heutigen Zeit?

Krieg der Welten
Forscherin Catherine hat ein Signal entdeckt, das auf außerirdisches Leben hindeutet. Doch beim Signal bleibt es nicht.

Krieg der Welten: Die Handlung

Die französische Wissenschaftlerin Catherine (Leá Drucker) entdeckt ein Signal aus dem All, das ihrer Meinung unmöglich natürlichen Ursprungs sein kann. Als sie ihre Entdeckung öffentlich macht, ist die Menschheit in heller Aufregung. Endlich gibt es einen Beweis für außerirdisches Leben. Aus der akademischen Diskussion darüber, wie mit diesem Wissen umzugehen ist, wird aber bald eine sehr praktische. Denn tausende von kleinen Objekten nähern sich der Erdatmosphäre und schlagen wenig später in allen größeren Städten der Welt ein.

Während die Regierungen noch beraten, was zu tun ist, bemerkt die blinde Emily (Daisy Edgar Jones) ein Geräusch, dass offenbar nur sie wahrnimmt. Und das die junge Frau als bedrohlich empfindet. Wenig später entdeckt auch der Neurologe Bill Wird (Gabriel Byrne) das Signal und stellt fest, dass die Frequenz mit der von menschlichen Nervenzellen kompatibel ist. Doch bevor er seine Entdeckung weitergeben kann, werden die Objekte aus dem All aktiv – und wenig später sind Milliarden Menschen tot. Der Krieg der Welten hat begonnen …

Krieg der Welten: Immer aktuell

Wells ließ seine Story damals in seiner Gegenwart spielen, die meisten Adaptionen haben das – wie auch die neue – ebenfalls getan. Und das funktioniert auch immer wieder gut, denn ein technisch überlegener, unsichtbarer Feind ist heute noch genauso unheimlich wie vor 120 Jahren. Serienschöpfer Howard Overman („Future Man“), ein erfahrener Autor, hat nicht nur die Serie konzipiert, sondern auch alle acht Folgen der ersten Staffel geschrieben. Und arbeitet geschickt mit der Ohnmacht angesichts der Geschehnisse überall auf dem Planeten.

Dadurch erzeugt Overman schnell eine so düstere Stimmung, dass sich der Überlebenskampf der Protagonisten nicht nur sehr authentisch anfühlt, sondern der Zuschauer auch um jeden einzelnen fürchten muss. Denn schnell wird deutlich: Diese Aliens machen keine Gefangenen – und das betrifft auch Kinder. Mit einer derartigen Kälte und Härte hat man in einer Sci-Fi-Serie lange keine Außerirdischen mehr gesehen. Wobei sehen hier fast fehlinterpretiert werden kann, denn vom Feind sieht die Menschheit fast gar nichts. Die Bedrohung bekommt (erst einmal) keine Optik.

Krieg der Welten
Neurologe Bill und seine Ex-Frau Helen überleben die Attacke der Aliens im Aufzug aus dickem Metall.

Krieg der Welten: Düster und glaubhaft

Overman hat bereits am Ende der ersten Folge den neuen Status Quo etabliert und kümmert sich ab diesem Moment um die verschiedenen Gruppen und Einzelkämpfer, die der Massentötung entkommen sind, nur um durch eine neue Gefahr bedroht zu werden. Und das gelingt Krieg der Welten auch ohne aufwendige Raumschlachten. Stattdessen setzt die Serie auf sehr zurückgenommene Effekte, was die ganze Handlung nicht nur wesentlich realistischer anmuten lässt, sondern auch völlig ausreicht, um den Zuschauer zu packen.

Dazu erschafft Overman auch interessante Charaktere, die keine strahlenden Helden sind. Sondern die alle neben dem Überleben auch noch ihre eigene Agenda verfolgen. Und dabei kann durchaus ein Störenfried ins Gras beißen. Die Aussage der Serie, dass der Mensch trotz immenser Bedrohung von außen noch immer auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, macht Krieg der Welten nicht nur viel spannender, sondern auch viel glaubwürdiger als Bilder von tapferen Soldaten, die mit wehenden Fahnen in den Tod laufen.

Overmans Variante des Stoffes ist daher auch definitiv keine Kinderserie, sondern orientiert sich eher an Vorbildern wie „Westworld“ oder „The Man in the High Castle“. Nach dem Start als reine Sci-Fi-Serie wandelt sich Krieg der Welten in den weiteren Folgen schnell zum Katastrophen- und Survival-Szenario. Und mischt den großen Plot sehr clever mit Einzelschicksalen und kleinen Nebenstorys, die neugierig machen. Und Krieg der Welten für Sci-Fi- und Drama-Fans tatsächlich zum Must-See machen.

Fazit:

Der erfahrene Autor und TV-Macher Howard Overman hat mit der neuesten Version des H.G. Wells-Klassikers Krieg der Welten ins Schwarze getroffen. Tolle Schauspieler, gut geschriebene Figuren, ein immens bedrohlicher unsichtbarer Gegner und ständig steigende Spannung sorgen für ein echtes Highlight auf dem Serienmarkt. Wer sich mit dystopischen Szenarien schon immer anfreunden konnte, der dürfte hier voll auf seine Kosten kommen. Wer einfach spannende, unterhaltsame Serien mag, aber auch.

Krieg der Welten startet am 7. November 2019 bei FOX Channel, immer mittwochs um 21:00 mit Doppelfolgen.

Gesehen: drei von acht Episoden

Krieg der Welten
Emilys Familie rettet sich vor den tödlichen Alien-Frequenzen in die Londoner U-Bahn.