Der Pass Staffel 2

Serienkritik: Der Pass Staffel 2

Es ist soweit: „Der Pass Staffel 2“ steht bei Sky in den Startlöchern. Drei Jahre nach ihrem ersten Einsatz schickt der Pay-TV-Sender sein Ermittlerteam Ellie Stocker und Gedeon Winter ein weiteres Mal in den Einsatz, um einen Killer zu finden. Denn die erste Staffel, die sich augenscheinlich von der skandinavischen Serie „Die Brücke“ inspirieren ließ, weil es um einen Mord geht, der genau auf der Grenze zwischen Österreich und Deutschland stattfand, bekam gute Kritiken und war auch beim Publikum ein großer Erfolg. Am 21. Januar 2022 geht es nun mit einem neuen Fall weiter, der aber die offenen Fragen der ersten Staffel aufnimmt. Ob Der Pass Staffel 2 ebenso gelungen ist wie der Auftakt, verrät die Kritik.

Die Kritik zu Staffel 1 gibt es hier.

Julia Jentsch
Ellie Stocker hat ihre Erlebnisse mit dem Krampus-Mörder bis heute nicht gänzlich verarbeitet.

Die Handlung

Seit Ellie Stocker (Julia Jentsch) dem Tod knapp von der Schippe gesprungen ist – und Gedeon Winter (Nicholas Ofczarek) Opfer eines Attentats wurde – ist einige Zeit vergangen. Ellie ist wieder in ihren alten Job bei der Kripo Traunstein zurückgekehrt. Und jagt mit ihrem Team weiterhin Mörder und andre Gewaltverbrecher. Doch mit den Ereignissen von damals hat sie trotz Therapien nie ganz abgeschlossen. Und deshalb noch heute mitunter Panikattacken. Gedeon Winter liegt seit seinem Verrat an einem Verbrecher-Clan und der darauf folgende Strafe mit einer Kugel im Kopf im Koma. Als er daraus erwacht, bekommt er eine niederschmetternde Diagnose. Das Projektil ist so gut wie inoperabel, er wird seinen Beruf als Polizist nicht mehr ausüben können.

Als in Österreich eine junge Frau aus Deutschland brutal ermordet aufgefunden wird, hat Ellie gerade einen schweren Rückfall und kann die Ermittlungen daher nicht übernehmen. Deshalb schickt sie ihre junge Kollegin Yela Antic (Franziska von Harsdorf) über die Grenze, um den Kollegen vor Ort bei den Ermittlungen zu helfen. Doch die tut sich mit den männlichen Kollegen ebenso schwer wie mit dem Fall. Als sie eher zufällig mitbekommt, dass Gedeon Winter erwacht ist, besucht sie ihn deshalb im Krankenhaus und bittet um seine Mithilfe. Und tatsächlich erwacht im erst noch zögerlichen Schnüffler erneut der Jagdinstinkt. Die Spur führt zu einem Brüderpaar in einflussreicher Position. Ist einer von ihnen der Killer?

Starkes Drehbuch

Wie bereits im ersten Fall liegt auch in Der Pass Staffel 2 der Schwerpunkt der Story nicht auf dem klassischen „Whodunnit“ für das Publikum. Noch früher als in der ersten Staffel geben die Macher die Identität des Killers preis. Und wie in der ersten Staffel tut das der Spannung überhaupt keinen Abbruch – ganz im Gegenteil. Allerdings hat die neue Story zu Beginn etwas mehr zu kämpfen, bis sie richtig in die Gänge kommt. Das hat Staffel 1 mit ihren düsteren Bildern, den düsteren und unheimlichen Traditionen und der eiskalten Stimmung etwas besser gemacht. Aber ist Staffel 2 erst einmal so richtig gestartet, entwickelt auch sie schnell den alten Sog, der es dem Zuschauer kaum möglich macht, nach einer gesehenen Episode abzuschalten. Zu spannend ist der Moment, zu sehr möchte man wissen, wie es weitergeht.

Wie im Vorgänger liegt der Erfolg dabei auf vielen Schultern. So haben die Drehbuch-Autoren erneut einen tollen Job gemacht und liefern eine facettenreiche und doch glaubhafte Geschichte ab, deren einzelne Facetten so gut ineinandergreifen, dass es kaum einmal Langeweile gibt. Zudem präsentieren sie einen ganz anderen Typ Serienkiller als noch den Krampusmörder aus Staffel 1. Und sie entwickeln die beiden gebrochenen Helden glaubhaft weiter und führen interessante neue Figuren ein. Ihre Arbeit bildet das Rückgrat der zweiten Staffel, denn ohne eine gute Story kommt kaum eine Krimi-Serie aus, die den Zuschauer fesseln will. Dass dabei auch noch aktuelle und ewige Probleme der Gesellschaft und des Kapitalismus aufs Korn genommen werden, ist die Sahne auf der Torte.

Nicholas Ofczarek
Gedeon Winter muss nach einem Attentat auf ihn mit einer Kugel im Kopf leben.

Grandioser Cast

Es ist allerdings nicht so, dass der Plot von Der Pass Staffel 2 vor Originalität strotzt. Alles, was dem Zuschauer präsentiert wird, hat der Thriller-Fan auf die eine oder andere Art schon einmal gesehen. Auch die von Küchenpsychologie durchsetzte Motivation der Charaktere ist wahrlich nicht neu. Aber es ist dramaturgisch so gut zusammengefügt, dass es dennoch stets interessant und bedrohlich bleibt. Das liegt auch in der gewohnt guten Inszenierung der Serie. Auch diesmal haben Cyrill Boss und Philipp Stennert als Autoren, Produzenten und Regisseure einen beeindruckenden Job gemacht. Denn die Atmosphäre der Serie trägt maßgeblich zu ihrer Qualität bei – und die haben die beiden Macher perfekt eingefangen.

Und doch wäre alles nichts ohne die Schauspieler, die den Charakteren Leben einhauchen. Erneut spielt Nicholas Ofczarek die Figur des Gedeon Winter grandios. Wohl auch deshalb steht der korrupte Gesetzeshüter in Der Pass Staffel 2 noch stärker im Mittelpunkt als zuvor. Ellie Stocker tritt dadurch ein wenig in den Hintergrund, was dem Charakter aber durchaus gut tut. Julia Jentsch hat diesmal einige extrem intensive Szenen. Die auch dem zurückhaltenden Einsatz ihres Charakters geschuldet sind. Dominic Marcus Singer und Christoph Luser als dubioses Brüderpaar und die relative Newcomerin Franziska von Harsdorf runden den starken Cast ab.

Franziska von Harsdorf
Daher steht er der jungen deutschen Kollegin Jela Antic bei der Jagd nach einem Frauenmörder nur beratend zur Seite.

Das Zusammenspiel all dieser Faktoren sorgt auch in der zweiten Auflage für ein Thriller-Erlebnis, das dem typisch deutschen Durchschnitts-Krimi um Lichtjahre voraus ist. Und sich mit den großen skandinavischen und britischen Thriller-Serien durchaus messen kann. In Qualität der Story, Atmosphäre und Kälte, die eine Serie verströmen kann. Zwar muss es nicht wieder drei Jahre dauern, aber wenn Sky weiterhin auf diesem Niveau liefern kann, dann sollte die dritte Staffel möglichst schnell bestellt werden. Etwas Besseres aus Deutschland haben Fans von düsteren Krimis und Thrillern sicher lange nicht gesehen.

Fazit:

Auch Der Pass Staffel 2 ist wieder eine Serie von Sky, die zum Besten gehört, was an deutschen Produktionen in diesem Jahrtausend zu sehen war. Nach „Babylon Berlin„, deren letzte Staffel die Qualität der beiden ersten halten konnte, gelingt da Kunststück auch diesem eiskalten Thriller. Das liegt sicher zum großen Teil daran, dass das Team zusammenblieb – vor und hinter der Kamera. Und das sich dort außergewöhnlich begabte Kreative gefunden haben, um eine Serie zu schaffen, die unter die Haut geht. Ja, die Grundidee geht auf Die Brücke zurück, aber Der Pass hat sich inzwischen längst emanzipiert und ist zu etwas Eigenem geworden. Hier können neben Krimifans der gehobenen Sorte auch Thriller- und Horrorfreunde unbesorgt einschalten – es lohnt sich!

Der Pass Staffel 2 startet am 21. Januar 2022 bei Sky (diverse Möglichkeiten).

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