Wandelnde Tote sind auch außerhalb des Zombie-Genres möglich. Bereits 1949 erschien ein Film Noir namens „D.O.A.“ (englische Abkürzung für Dead on Arrival), in dem ein tödlicher vergifteter Mann, dem nur wenige Stunden Zeit bleiben, versucht seinen Mörder zu finden. 1988 wurde ein Remake mit Dennis Quaid gedreht. 2017 durfte dann Ethan Hawke in „24 Hours to Live“ als ermordeter Killer für 24 Stunden zurückkommen, um sich zu rächen. Und nun ist Mary Elizabeth Winstead, die sich in den vergangenen Jahren zur Action-Heroine mauserte, an der Reihe. Als titelgebende Killerin „Kate“ muss sie feststellen, dass ihr jemand eine tödliche Dosis Gift verabreicht hat. Doch sie hat noch ein paar Stunde Zeit für ihre Rache. Ob man sich das ansehen sollte, verrät die Kritik.

Kate

Jemand hat Killerin Kate tödlich vergiftet – und die will jetzt Antworten.

Die Handlung

Schon seit sie ein Kind ist, arbeitet Killerin Kate (Mary Elizabeth Winstead) mit dem Gangster Varrick (Woody Harrelson) zusammen, der sie zur Assassine ausbildete und so etwas wie ihre Familie ist. Bei einem Auftrag in Osaka wird allerdings die einzige Regel gebrochen, die Varrick und Kate jedem Auftraggeber vorgeben: keine Kinder. Als Kate einen Mann erschießt, muss dessen Tochter Ani (Miku Patricia Martineau) dabei zusehen. Zwar erledigt Kate ihren Job, doch der Vorfall lässt sie nicht los. Und so kündigt sie Varrick ein knappes Jahr später an, dass der nächste Job auch ihr letzter sein wird – sie will aussteigen.

Dass Kate auf hübsche Kerle steht, wird ihr aber zum Verhängnis. Stephen (Michiel Huisman), den sie in einer Hotelbar kennenlernt und mit aufs Zimmer nimmt, hat etwas in ihren Wein gemischt. Und so misslingt ihr nicht nur ihr letzter Tötungsauftrag, sehr bald wird ihr klar, dass sie eine tödliche Dosis eines radioaktiven Isotops im Körper hat. Eine Heilung gibt es nicht, ihr bleiben maximal 24 Stunden zu leben. Und für diesen knappen Zeitraum schmiedet Kate nun ganz konkrete Pläne. Sie will den Mann töten, der für ihre Vergiftung verantwortlich ist. Doch der ist ein mächtiger Yakuza-Boss, der unter strenger Bewachung steht. Kate braucht ein Druckmittel – und findet es …

Blutig und ernsthaft

Furiose Action mit einem Killer – da war doch was? Wer hier an Filme wie „John Wick“ und „Atomic Blonde“ denkt, liegt richtig. Denn Produzent David Leitch war an beiden als Regisseur beteiligt. Die Regie überließ er hier allerdings Cedric Nicolas-Troyan, der zuvor „The Huntsmen and the Ice Queen“ drehte. Und den Wechsel auf dem Regiestuhl merkt man. Zwar ist die Action hier nach wie vor sehenswert, aber die brillanten Kampf-Choreographien, die Leitch Charlize Theron und Keanu Reeves auf die durchtrainierten Körper projizierte, erreicht Kate nicht ganz. Die explizite Härte der beiden anderen Filme findet sich aber auch hier. Blutige Kopfschüsse, Knochenbrüche und ähnliches sind hier an der Tagesordnung.

Nicolas-Troyan inszeniert seine grimmige Antiheldin im Neonlicht-Gewitter von Tokyo. Auch durch diesen Look drängt sich der Vergleich mit „Jolt“ auf, der vor ein paar Wochen bei Amazon Prime anlief und in dem Kate Beckinsale auf Rachefeldzug geht. In der Intention unterscheiden sich die beiden Film bei aller Ähnlichkeit im Actionbereich aber doch. Während Jolt immer wieder auch auf Humor setzt und die ganze Story nicht so furchtbar ernst nimmt, ist Kate weitegehend humorfrei und ernsthaft geraten. Und das passt hier auch weitaus besser zum Plot. Denn natürlich ist Kate trotz ihres Berufs die Identifikationsfigur des Films und das Publikum muss ihr beim langsamen und jämmerlichen Sterben zusehen. Da bleibt wenig Platz für Lacher, auch wenn der Trailer das mitunter suggeriert.

Kate

Bei ihren Nachforschungen hinterlässt sie eine blutige Schneise in den Reihen der Yakuza.

Winstead lohnt sich

In den Actionsequenzen ist Mary Elizabeth Winstead nicht ganz so stark wie Charlize Theron in Atomic Blonde, dafür lässt sie die Zuschauer bei ihrem Sterbeprozess kräftig mitleiden. Ihre Blicke, eine Mischung aus Schmerz und kalter Wut, machen nicht nur bei ihren Gegnern Eindruck, sondern auch beim Publikum. Viele werden sich dabei ertappen, wie sie in der Story nach Schlupflöchern suchen, wie Kate die Sache doch noch überleben könnte, denn man will sie nicht wirklich sterben sehen. Ihre Performance ist denn auch das Beste, was Kate zu bieten hat. Wenn sich ihr mittlerweile völlig ramponierter Körper ins große Finale schleppt und dabei immer wieder seiner Herrin den Dienst verweigert, dann ist das kaum emotionslos mitanzusehen.

Das Drehbuch des noch recht unbekannten Autors Umair Aleem ist hingegen in etwa so überraschend wie ein Regentag in Hamburg. Schnell ahnt der Zuschauer die Zusammenhänge der Geschichte. Was auch daran liegt, dass die Story kaum andere Möglichkeiten auch nur zulässt. Hier hätte sich in gut 100 Minuten sicher ein interessanterer Plot erzählen lassen, den Thriller-erfahrene Zuschauer nicht schon nach 10 Minuten durchschauen. Und der auch durchaus Ähnlichkeit mit dem im Dezember in Deutschland startenden „Gunpowder Milkshake“ aufweist, auch wenn sich nicht sagen lässt, ob da jemand abgeschrieben hat. Gegen so viel Mittelmaß in der Handlung können denn auch Winstead und Harrelson nicht anspielen.

Kate

Die junge Ani bringt Kate schließlich auf die Spur des Mafiabosses.

Fazit:

Mit Kate beweist Mary Elizabeth Winstead einmal mehr, dass sie in den vergangenen Jahren gut in die Schuhe einer Actionheldin hineingewachsen ist. Ihr Auftritt ist aber vor allem emotional überzeugend und dürfte kaum einen Zuschauer gänzlich kalt lassen. Leider gilt das für das Drehbuch nicht. Hier tischt der Autor dem Publikum außer vorhersehbarer Handlung und Gangster-Klischees nicht viel auf, was der Erwähnung wert wäre. Und so sind es die guten (aber nicht sehr guten) Actionsequenzen, die Spiellaune der beiden Stars und der coole Look des Films, der Thrillerfans hier Spaß macht.

Kate startet am 10. September 2021 bei Netflix.

Mehr Kritiken zu Netflix-Filmen gibt es hier.

Kate

Kate ist bereits schwer vom Gift gezeichnet, doch sie will nicht kampflos abtreten.

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