Regisseure haben einen ganz besonderen Blick auf die Welt. Schon bevor Zack Snyder seinen Zombie-Heist-Film „Army of the Dead“ für Netflix fertiggestellt hatte, gab es bereits die Ankündigung, dass Matthias Schweighöfer, im Film als Safeknacker mit dabei, seinen eigenen Film als Vorgeschichte bekommen sollte. Also zu einem Zeitpunkt, als noch gar nicht klar war, wie gut Army of the Dead und Schweighöfer beim Publikum ankommen würden. Offenbar hatte Snyder an seinem deutschen Star einen Narren gefressen. Snyder und sein Drehbuchautor Shay Hatten lieferten Idee und Script, Schweighöfer nahm selbst auf dem Regiestuhl Platz. Nun ist „Army of Thieves“ bei Netflix im Programm – wie gut ist er geworden?

Army of Thieves

Ehe er sich versieht, ist Sebastian Teil einer internationalen Diebesbande, weil er als Safeknacker so gut ist.

Die Handlung

Einige Jahre vor den Ereignissen in Las Vegas: Sebastian (Matthias Schweighöfer) ist ein kleiner Bankangestellter in Potsdam, träumt aber insgeheim von einem Leben als Safeknacker. Nicht etwa, weil er kriminell oder gierig wäre, ihn reizt allein das handwerkliche Können. Und so möchte er sich seit früher Jugend einmal mit den Safes von Hans Wagner messen, dem Michelangelo der Safebau-Kunst. Vier Meisterstücke hat der Mann gebaut und sie nach dem Opern-Zyklus von Richard Wagner „Rheingold“, „Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ genannt (den letzten sieht man erst in Army of the Dead). In einem Video auf Youtube schwärmt Sebastian von den Tresoren – und bekommt wenig später eine Einladung – zu einem Safeknacker-Wettbewerb!

Weil er den souverän gewinnt, nimmt Gwendoline (Nathalie Emmanuel) mit ihm Kontakt auf. Sie will mit ihrer Bande aus Spezialisten in drei Tagen drei Tresore von Hans Wagner knacken und sich mit diesem Coup einen Platz in der Geschichte des Verbrechens sichern. Obwohl Sebastian eigentlich gar nicht kriminell werden will, reizt ihn die Erfüllung seines Traums zu sehr um abzulehnen. Was Sebastian nicht weiß: Die Bande steht schon lange unter der Beobachtung von Interpol, die nur darauf warten, dass sie wieder aktiv wird. Und im Gegensatz zu Rolph (Guz Khan), dem Fahrer, und Hackerin Korina (Ruby O. Fee) ist Muskelmann Brad (Stuart Martin), der Freund von Gwendoline, kein Fan des Tresorknacker-Genies. Das sind Probleme vorprogrammiert …

Klassischer Heist-Movie statt Untoten-Prequel

Zack Snyder hatte die Idee, in seinem Film einen Zombiefilm mit einem Heist-Movie zu verknüpfen und so ein neues Sub-Genre zu schaffen, dass es vorher so noch gar nicht gab, auch wenn „Peninsula“ in die gleiche Richtung geht. Schweighöfers Film hingegen ist sehr viel eindeutiger eine Heist-Komödie, wie es sie schon zu Dutzenden gibt. Zwar hat Autor Hatten hier auch einige Zombie-Szenen hineingeschrieben, aber die sind nur kurz und wirken auch mehr wie ein Alibi, um Army of Thieves als Teil der Reihe zu kennzeichnen, als das die Untoten hier wirklich etwas zu tun hätten. Lediglich als Teil der Nachrichten und in Sebastians Träumen kommen die Zombies vor, in der Haupthandlung haben sie hier aber nichts verloren.

Zwar gibt Schweighöfer sein Bestes, seinen Charakter Sebastian (warum er in Army of the Dead Ludwig Dieter heißt, wird im Film erklärt) so skurril und interessant wie möglich zu spielen. Aber das ändert nichts daran, dass die Prämisse von Army of Thieves ein ganzes Stück unorigineller ist als Snyders Film. Auch wenn die Tresore hier als eine Art mythischer Hintergrund fungieren und mit einer weiteren Legende um den Erbauer ein mögliches Sequel bereits angelegt ist, so verlässt sich Schweighöfer doch weitgehend auf die spannungsgeladenen Einbruchs-Sequenzen. Und die sind ihm alle drei auch sehr gut gelungen. Auch deshalb, weil er sie mit genug Ideen und Abwechslungsreichtum erzählt, um das Publikum nicht mit Wiederholungen zu langweilen.

Nathalie Emmanuel

Denn die entzückende Gwendoline hat gute Argumente geliefert, warum Sebastian sich ihr anschließen sollte.

Spannend und witzig, aber nicht wirklich neu

Schweighöfer gelingt so das Kunststück, einen durchaus spannenden Film zu inszenieren, obwohl das Publikum bereits weiß, dass zumindest der Hauptfigur nichts passieren wird. Über weite Teile trägt auch Schweighöfers schräge Figur Sebastian den Film. Denn seine zum Teil wunderlichen Ansichten und sein Benehmen schaffen immer wieder witzige und unterhaltsame Momente. Das kann allerdings nicht immer darüber hinwegtäuschen, dass die Story keine Bäume ausreißt und so mancher Charakter neben Sebastian trotz mehr als zwei Stunden Laufzeit reichlich blass bleibt. Das gilt auch für Schweighöfers Lebensgefährtin Ruby O. Fee, deren Charakter nicht viel zu tun bekommt.

Dennoch ist die Besetzung zum Teil recht charmant. Schweighöfer spielt den exzentrischen Safeknacker ähnlich gut wie in Army of the Dead. Die zuckersüße Nathalie Emmanuel, seit „Game of Thrones“ weltweit bekannt, ist das glaubwürdige Objekt der Begierde von Sebastian. Brads Eifersucht daher auch gut nachvollziehbar. In Klischees ersaufende Figuren wie der cholerische Interpol-Agent Delacroix (Jonathan Cohen) trüben den Gesamteindruck allerdings wieder. Insgesamt fokussiert sich das Drehbuch zu stark auf Schweighöfers und Emmanuels Charaktere, um anderen noch Platz zu lassen. Das ist ein bisschen schade, denn das Potenzial zu mehr als einer interessanten Figur war durchaus da.

Army of Thieves

Gwendolines Freund Brad bemerkt Sebastians Interesse an Gwen. Keine gute Ausgangsposition für den Neuen in der Bande!

Dennoch ist Army of Thieves kein schlechter Film. Vor allem Fans der Figur Ludwig Dieter kommen hier voll auf ihre Kosten, denn Schweighöfer beherrscht diese Rolle wie im Schlaf und weiß, wo die Lacher zu holen sind. Es passiert auch immer genug, um das Publikum bei Laune zu halten, echte Längen weist Army of Thieves trotz seiner 127 Minuten Laufzeit nicht auf. Gemessen an Army of the Dead scheidet er aber etwas schwächer ab, weil Snyders Film einfach deutlich origineller war. Schweighöfers Prequel hat Charme, bewegt sich aber in weitaus ausgetreteneren Pfaden.

Fazit:

Fans von Matthias Schweighöfer machen bei Army of Thieves ebenso wenig falsch wie Horrorfreunde, die an der Figur des Ludwig Dieter in Army of the Dead ihren Spaß hatten. Der deutsche Schauspieler, der auch Regie führte, bringt seine Pointen und starken Momente sicher ins Ziel, sein Zusammenspiel mit den Kollegen, allen voran Nathalie Emmanuel, funktioniert gut. Dennoch hat man in vielen Szenen das Gefühl, dass so oder so ähnlich bereits gesehen zu haben. Vergleichen mit Snyders Film kann das Prequel da in Sachen Einfallsreichtum und Frische nicht ganz mithalten. Für einen netten Abend vor dem Fernseher mit kurzweiliger Unterhaltung reicht Army of Thieves aber problemlos.

Army of Thieves startet am 29. Oktober 2021 bei Netflix.

Mehr Kritiken zu Netflix-Filmen gibt es hier.

Army of Thieves

Dazu kommt eine ganze Abteilung bei Interpol, die Jagd auf das diebische Quintett macht.

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