Spanien ist in Europa einer der Spitzenreiter in Sachen gehaltvoller Thriller und auch Horror. Ob “The Body” oder “Der unsichtbare Gast, ob “REC” oder “Das Waisenhaus” – spanische Autoren und Regisseure haben durchaus ein Händchen für unheimliche Stoffe. Der neueste Streich stammt von Albert Pinto, der nicht nur für Netflix zwei Episoden der Thriller-Serie “Sky Rojo” inszenierte, sondern auch einige Erfahrung mit Horrorthemen aufweist. Mit “Malasana 32 – Haus des Bösen” schielen er und nicht weniger als vier (!) Drehbuchautoren eindeutig in Richtung “The Conjuring” und erzählen die Story einer unheimlichen Wohnung in der Innenstadt von Madrid. Kann sich der spanische Horrorfilm mit James Wans modernem Klassiker messen?

Malasana

Familie Olmedo freut sich über ihr neues Zuhause in der Innenstadt von Madrid.

Die Handlung

1976. Nach einem unschönen Vorfall verlässt das Paar Manolo (Ivan Marcos) und Candela (Bea Segura) mit den fast erwachsenen Kindern Pepe (Sergio Castellanos) und Amparo (Begona Vargas) sowie dem kleinen Rafael (Ivan Renedo) und dem dementen Großvater ihr Heimatdorf und wollen in Madrid neu anfangen. Deshalb hat die Familie alles zu Geld gemacht, um sich damit im Madrider Viertel Malasana eine seit Jahren leestehende Wohnung zu kaufen. Manolo hat einen Job in einer Fabrik gefunden, Candela kann in einem Kaufhaus als Verkäuferin anfangen. Alles sieht gut aus. Doch der junge Rafael bemerkt als erster, dass in der neuen Wohnung nicht alles mit rechten Dingen zugeht. 

Auch Pepe und Amparo haben bald erste Begegnungen mit einem Wesen, das eine Art Gespenst zu sein scheint – und etwas von der Familie will. Leider findet Amparo das erste heraus, als ihr kleine Bruder bereits spurlos verschwunden ist. Doch bald hört sie ihn rufen – aus der Nachbarwohnung. Dort lässt sich allerdings nichts entdecken, bis Amparo auf der Suche auch dort auf den bösartigen Geist stößt. Schließlich wird die ganze Familie von dem Wesen terrorisiert, ohne dass sie mehr über den Geist herausfinden. Amparo macht sich schließlich auf die Suche nach einer Frau, die früher einmal in ihrem Haus gelebt hat. Sie hat die Hoffnung, dort etwas mehr über die Ereignisse in Malasana 32 zu erfahren …

Handwerklich solide

Das Qualitätsempfinden von Malasana 32 steht und fällt mit der Menge an Geisterhaus-Storys, die der Zuschauer bereits gesehen hat. Wer mit diesem spanischen Horrorfilm in die Welt der Spuk-Gebäude einsteigt, dem steht ein sehr ordentlicher Film bevor. Gekonnt spielt Regisseur Albert Pinto mit den Versatzstücken des Genres, lässt Dielen knarzen und Türen quietschen, die Kamera unendlich langsam um Ecken biegen, um dann dort im Zwielicht zwischen Dunkelheit und Helligkeit schemenhafte Gestalten zu zeigen, die sich den Protagonisten nähern, während zischendes Lachen ertönt. Pinto bringt handwerklich alles mit, was einen guten Horror-Regisseur ausmacht und weiß, wie er seinem Publikum Angst macht – oder es zumindest erschreckt.

Auch im Story-Bereich bietet Malasana gehobenen Durchschnitt. Zwar erfinden die Autoren das Rad nicht neu, aber zumindest bieten sie dem Zuschauer, ganz ähnlich wie in den Conjuring-Filmen, eine Erklärung für die Vorkommnisse in der Wohnung. Und hebt sich damit wohltuend von Filmen ab, die einfach gar keine Hinweise auf Hintergründe der Story liefern und sich auf Splatter-Effekte oder Jump Scares beschränken. Beides findet in Malasana kaum bis gar nicht statt. Die wenigen Jump-Scares sind gut gemacht, und auf blutiges Gemetzel verzichtet Pinto vollständig. Ohnehin zeigt der Regisseur nicht viel, selbst der gruselige Geist wird kaum einmal wirklich gut sichtbar in Szene gesetzt. Pinto setzt auf Atmosphäre statt Schocks – meistens qualitativ eine gute Entscheidung, wenn man Atmosphäre denn beherrscht.

Malasana

Doch mit der neuen Wohnung stimmt etwas nicht. Der junge Rafael und der demente Opa spüren es zuerst.

Aus dem Süden nichts Neues

Und das kann man Alberto Pinto nicht absprechen. Der Spanier hat vielleicht keine beeindruckende Menge eigener Ideen. Aber er hat sich die Vorbilder von Malasana sehr genau angesehen und das dort gezeigte Handwerk tadellos übernommen. Das ist allerdings auch das Problem des Films. Je mehr Haunted House-Streifen der Zuschauer bereits gesehen hat, desto durchschnittlicher wird die spanische Variante. Denn angeblich frische Ansätze entpuppen sich schnell als Rohrkrepierer. So verspricht das Grauen in einer Wohnung statt in einem einsamen Haus zwar Abwechslung, tatsächlich gibt es aber nur in einer Szene einen Nachbarn, der in der weiteren Handlung dann aber keine Rolle mehr spielt. So ist diese angeblich neue Idee in Wahrheit keine, da sie inhaltlich nie relevant wird.

Von Bedeutung hingegen sind die schauspielerischen Leistungen, denn die können sich sehen lassen. Das gilt für Begona Vargas’ Hauptrolle Amparo ebenso wie für den Rest der Familie. Selbst dem jungen Ivan Renedo gelingt es, seine Rolle nicht als nervtötendes Kind zu spielen, sondern als niedlichen kleinen Jungen, mit dem man als Zuschauer schnell mitfiebert. Dem Drehbuch gelingt es aber nicht, weitere Figuren so in Zentrum der Geschichte zu rücken, dass ihr Schicksal dem Zuschauer wirklich nahe gehen würde. Dennoch hat man eine solche Geschichte schon oft wesentlich schlechter erzählt bekommen – und gar nicht so oft deutlich besser als hier.

Malasana

Doch bald wird die ganze Familie von einem bösen Spuk terrorisiert.

Fazit:

Mit Malasana 32 – Haus des Bösen kommt ein Horrorfilm der alten Schule in die Kinos. Regisseur Albert Pinto setzt mehr auf Atmosphäre und Story als auf Splatter oder viele Jump-Scares. Allerdings schaut sich Pinto auch eine Menge von den Genre-Größen wie The Conjuring oder Der Exorzist ab und bringt nur wenige eigene Ideen mit. Das stört mehr oder weniger, je nachdem, wie horrorerfahren der Zuschauer bereits ist. Für relative Neulinge hält Malasana einige starke Szenen bereit, wer hingegen schon etliche Haunted-House-Horrorfilme gesehen hat, dürfte hier nur wenig entdecken, das ihm noch nicht untergekommen ist.

Malasana 32 – Haus des Bösen startet am 17. Juni 2021 in den deutschen Kinos.

Lola

Hilfe erhält die Familie schließlich von ganz unerwarteter Seite.

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