Noch immer halten die großen Studios ihre Blockbuster zurück, auch wenn es Ende August zumindest in Europa damit losgehen soll. In der Zwischenzeit schicken der Verleiher kleinere oder wenig erfolgreiche US-Filme in die deutschen Kinos. Auch “Body Cam” gehört in diese Kategorie. Im Mai in den USA gestartet, waren Kritiker und Publikum wenig gnädig mit der Mischung aus Horrorfilm und Cop-Thriller. Ist der Film so schlecht wie sein Ruf oder urteilten die US-Kollegen hier zu hart?

Horrorfilme nutzen seit Beginn der Film-Historie immer auch aktuelle Themen, um das Publikum zu verschrecken. Mal ist es die Angst vor Ansteckung mit einer tödlichen Krankheit wie in “It Follows”, mal werden angeblich wahre Ereignisse zu Filmen gemacht, wie in der “The Conjuring”-Reihe. Mit Body Cam versuchen die Macher, die in den USA immer wieder auftretende Polizeigewalt gegen Afro-Amerikaner zum Thema eines klassischen Horrorstoffes zu machen – hat das funktioniert?

Body Cam

Ein Cop kontrolliert routinemäßig einen Wagen – und ist Sekunden später tot. Was steckt dahinter?

Body Cam: Die Handlung

Die Streifenpolizistin Renee (Mary J, Blige) hat eine harte Zeit hinter sich. Sie und ihr Mann haben ihren kleinen Sohn verloren. Nachdem sie nach längerer Pause wieder ihren Dienst aufnimmt, wird sie mit dem jungen Kollegen Danny (Nat Wolff) in ein Team gesteckt. Als sie zu einem blutigen Vorfall gerufen werden, der offenbar bei einer normale Verkehrskontrolle geschehen ist, kommt Renee aber bald der Verdacht, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Denn ein Blick auf die Body Cam-Aufzeichnung des toten Kollegen zeigt offenbar eine unsichtbare Macht, die den Mann regelrecht durch die Luft wirft.

Während Danny von dem Fall möglichst schnell die Finger lassen möchte, bohrt Renee tiefer. Und stößt bald auf eine verzweifelte Mutter, deren Kind unter mysteriösen Umständen starb. Sie scheint entweder hinter dem Mord an Renees Kollegen zu stecken oder zumindest etwas darüber zu wissen. Doch bevor Renee der Sache auf den Grund gehen kann, überschlagen sich die Ereignisse. Immer mehr von Renees und Dannys Kollegen kommen unter seltsamen Umständen zu Tode? Welche böse Macht jagt da die Cops der Wache?

Handwerklich gut

Zuerst die Entwarnung: Eine völlige Katastrophe ist Body Cam nicht. So ist der Film handwerklich solide gemacht, auch wenn Regisseur Malik Vitthal etwas zu sehr mit Licht spart und manche Szenen derart düster gestaltet, dass der Zuschauer eher rät, was passiert, als das er es wirklich sieht. Dafür ist in solchen Momenten die Atmosphäre durchaus gelungen, so dass Vitthal auf Jump-Scares im Minutentakt gut verzichten kann. In einer Szene, die in einer Tankstelle spielt, zeigt Vitthal sein Talent und erzeugt durch Schnitte und Kameraperspektiven eine beeindruckende Bedrohung.

Auch schauspielerisch lässt sich wenig meckern, alle Darsteller spielen ihre Rollen ordentlich, wenn auch nicht jede gut geschrieben ist. Und daran leidet letztlich auch die Spannung. Zwar ist das Thema durch die Vorfälle in den USA hochaktuell, doch das Drehbuch nutzt die bereits hinlänglich bekannte Brutalität gegen Schwarze nicht für ein Statement, sondern lediglich als Mittel zum Zweck, um eine klassische Geistergeschichte ins Rollen zu bringen. Um wirklich zu berühren, fehlt hier der Unterbau wie etwa bei “The Hate U Give” oder “Beale Street”.

Body Cam

Die erfahrene Renee wittert bald, dass der Tod des Kollegen von einem dunklen Geheimnis umgeben ist.

Horror statt Drama

Nun will Body Cam gar kein Rassen-Drama sein, sondern nur ein Horrorfilm. Aber gerade so ein Thema anzureißen und es dann weitgehend zu ignorieren, dürfte nicht nur Cineasten sauer aufstoßen. Hier verschenkt das Script viele Möglichkeiten, neben einigen Schrecksekunden auch noch Haltung zu zeigen. Und so ist der Film dann auch nicht mehr als ein nicht sonderlich origineller, nicht besonders blutiger und nicht dauerhaft spannender Horror-Thriller, der seine Idee bald preisgibt und danach keine großen Überraschungen mehr parat hat.

Kenner des Genres wissen nach einer halben Stunde, wie der Hase läuft. Und das wickelt der Film dann trotz einiger guter Ideen des Regisseurs inhaltlich nach Schema F ab. Wer lebt und wer stirbt, das werden die meisten erfahrenen Zuschauer mit hoher Trefferquote richtig vorhersagen. Um das Publikum bei der Stange zu halten, sollte ein Horrorfilm dann zumindest über eine wirklich furchterregende Atmosphäre verfügen. Das kann Body Cam aber ebenfalls nur rudimentär einmal bieten. Keine Katastrophe – aber zu wenig für einen richtig guten Horrorfilm.

Fazit:

Obwohl Body Cam einige gute Ansätze zeigt und eigentlich auch eine starke Grundidee mitbringt, kommt der Film nicht über Horror von der Stange hinaus. Zu wenig Spannung, zu viel vorhersehbare Ereignisse und eine Handlung mit wenig Überraschungen sorgen dafür, dass der Film in seinen Ansätzen stecken bleibt. Hier haben vor allem die Drehbuch-Autoren einiges an vorhandenem Potenzial verschenkt. Ein guter Horrorfilm bleibt beim Zuschauer, auch nachdem der den Kinosaal verlassen hat. Das wird Body Cam wohl kaum schaffen.

Body Cam startet am 6. August 2020 in den deutschen Kinos.

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