The Rain

Serienkritik: The Rain

Mittlerweile holt sich Netflix seine Serien-Ideen aus vielen Ländern, in denen der Streaming-Dienst zu haben ist, warum also nicht auch aus Dänemark? Mit „The Rain“ haben sich unsere direkten nördlichen Nachbarn eine Dystopie ausgedacht, die besonders tückisch scheint. Denn die Bedrohung, die durch ein Virus fast das ganze Land getötet hat, steckt im Regen, dem kaum zu entkommen ist. Wie schlägt sich die erste Netflix-Serie aus Skandinavien?

Auf der Suche nach der Kritik zu Staffel 2? Die gibt es hier.

 Eigentlich ist The Rain schon ein wenig gegen die deutschen Sehgewohnheiten produziert. Denn hierzulande erwartet man aus den Nordländern in erster Linie gehaltvolle Krimis. Genre-Serien wie dieser Blick in die Zeit nach der Apokalypse ist normalerweise klassischer US-Stoff. Kann auch das kleine Dänemark einen glaubhaften Untergang der Zivilisation erzählen und das Publikum in seinen Bann schlagen?

The Rain
In der Stadt muss Simone schreckliche Ereignisse mit ansehen.

The Rain: Die Handlung

Die junge Simone (Alba August) wird von ihrem Vater aus der Schule geholt und ins Auto gezerrt. Dort warten die Mutter und ihr kleiner Bruder Rasmus. Schon auf der Autobahn bricht Panik aus, denn es häufen sich Meldungen von mysteriösen Todesopfern überall im Land. Als es mit dem Wagen nicht weitergeht, flieht die Familie in den Wald zu einem seltsamen Bunker, den Simones Vater öffnen kann. Die Vier scheinen vorerst sicher. Doch bald schon will der Vater wieder aufbrechen, weil nur er, wie er sagt, die Menschheit retten könne.

Als es kurze Zeit später an die Tür klopft, glaubt Simone an die Rückkehr ihres Vaters und öffnet, doch draußen steht ein offenbar infizierter Mann im strömenden Regen. Als Simones Mutter den Eindringling aus dem Eingang hinaus schiebt, wird auch sie dem Regen ausgesetzt und zeigt sofort Symptome der Krankheit. Sterbend ruft sie Simone zu, die Tür zu schließen. Simone kommt dem Wunsch der Mutter nach und schließt Rasmus und sich im Bunker ein. Sie wird die Tür sechs lange Jahre nicht mehr öffnen …

The Rain: Zombieserie ohne Zombies

Das kleine Land Dänemark ist dem Zombie-Genre durchaus zugetan. Das beweist nicht nur der sehenswerte Kurzfilm „Zombiehagen“, sondern auch der Horrorstreifen „What we become“ von 2015. Für die erste Netflix-Serie war aber offenbar ein Budget für eine Zombie-Apokalypse nicht drin. Und so entschieden sich die Macher, etwas so Unspektakuläres wie Regen zur Bedrohung für Protagonisten und Zuschauer aufzubauen. Das funktioniert in den ersten Folgen leider nur selten.

Was nicht an den Schauspielern liegt. Die hier weitgehend unbekannten Gesichter machen ihren Job gut und spielen glaubhaft die unterschiedlichen Gefühlslagen, die in so einer Situation wohl jeder hätte. Aber der gesamte Plot ist trotz ordentlicher Inszenierung nur leidlich spannend. Denn das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigt uns The Rain nicht. Und ohne eine wirklich sichtbare Bedrohung wirken die ersten drei Folgen, die Netflix vorab zeigte, doch oft langweilig. Zumal sich die Figuren auch alles andere als clever anstellen, um ihre Situation zu verbessern.

The Rain
Der Regen hat auch sechs Jahre nach Ausbruch des Virus nichts von seiner Tödlichkeit eingebüßt.

The Rain: Handlungsdefizite

Ist das ruhige Tempo der ersten Folge noch der Errichtung des Status Quo geschuldet, so könnte es in Folge zwei und drei durchaus etwas flotter zugehen – was es aber nicht tut. Sehr gemächlich erzählen die Macher der Serie vom Zusammenfinden einer Gruppe Überlebender und dem Schmieden sinnvoller Pläne. So ist man als Zuschauer am Ende der dritten Folge kaum schlauer als zu Beginn. Was bei insgesamt nur acht Folgen kein gutes Zeichen ist.

Obwohl die Autoren deutlich sichtbar mehr Wert auf die Auswirkungen legen, die eine solche Situation auf die Überlebenden hat, ein wenig spannender darf man das schon erzählen. Und geht es wirklich einmal zur Sache, wie beim Durchqueren einer Stadt, bei der die Gruppe auf völlig ausgehungerte Angreifer stößt, dann überzeugt die Action bei Schnitt und Tempo nicht. Dazu kommt, dass die sieben jungen Leute, die bald zu einem Team zusammenwachsen, gar nicht alle genug Zeit bekommen, um sich zu entwickeln. Nach drei Folgen sind drei der Helden noch immer weitgehend ohne Hintergrund und komplett nichtssagend.

Die Grundidee einer Seuche, die weite Teile eines Landes entvölkert, ist zwar nicht neu, kann aber durchaus spannend sein. Dann muss man es allerdings ein wenig straffer und interessanter erzählen als diese dänische Serie. Da helfen auch die durchweg sympathischen Darsteller und die schön abgefilmten dänischen Wälder nichts mehr, die immerhin an Einstellungen aus „Dark“ erinnern. Wenn The Rain sich in der zweiten Serienhälfte nicht deutlich steigert, wird es wohl keine zweite Staffel geben.

Fazit:

Die Serie bietet durch zu viele Tempoverschleppungen, wenig spannende Handlung und fehlendes Budget eine arg durchschnittliche Reise in eine post-apokalyptische Welt. Nur selten gelingt den Machern eine Szene, die tatsächlich Emotionen erzeugt. Zu harmlos für Horror- und Thrillerfans, zu düster für eine Familienserie: Wie ihre Protagonisten scheint auch die Serie nicht zu wissen, wohin sie eigentlich will.

Die erste Staffel von The Rain ist ab dem 4. Mai auf Netflix zu sehen.

The Rain
So glaubhafte Szenen vom Ende der dänischen Zivilisation gibt es leider nur selten zu sehen.