Viral

Filmkritik: Viral

Hier kommt die Menschheit nicht auf den Hund, sondern auf den Wurm: Nach einigen „Paranormal Activity“-Ausgaben hat das Regieduo Joost/Schulman nun mit „Viral“ eine neue Story für sich entdeckt – eine fiese Seuche, die extrem ansteckend ist. Wie gut ist der Virenhorror ausgefallen?

Ob „World War Z“, „28 Days Later“ oder „The Girl with all the Gifts“ – das Ende der Menschheit durch eine fiese Krankheit, die Menschen in Bestien verwandelt, steht schon seit Jahren hoch im Kurs. Da wollte auch die weitgehend auf Horror spezialisierte Produktionsfirma „Blumhouse“ nicht hinten anstehen. Und produzierte ihre eigenes Untergangsszenario -allerdings mit eher bescheidenem Budget. Ist der Film dennoch sehenswert?

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Der ungebetene Hausbesuch ist vernünftigen Argumenten nicht mehr zugänglich.

Viral: Die Handlung

So richtig eingelebt haben sich die Schwestern Emma (Sofia Black-D’Elia) und Stacey (Analeigh Tipton) in ihrem neuen Zuhause in einer kleinen Stadt in Kalifornien noch gar nicht, da beginnen besorgniserregende Berichte. In China soll es zum Ausbruch einer Krankheit namens „Wurmgrippe“ gekommen sein, die sich rasch ausbreitet und die Infizierten zu aggressiven Killern machen soll. Zuerst nehmen beide die Meldungen nicht ernst, doch als eine Freundin von Emma betroffen ist und auch ihr Dad von einer Autofahrt um Flughafen nicht zurückkehrt, schwant Emma und Stacey, dass die Sache doch nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Zuhause kommt aber bald die große Langeweile auf und so überredet die ältere Stacey ihre Schwester Emma zu einem Partybesuch in der Nähe. Dort soll auch Emmas Schwarm Evan (Travis Tope) auftauchen. Doch der Besuch ändert das Leben der Schwestern schlagartig …

Viral: Weltuntergang als Kammerspiel

Diesem Film merkt man sein kleines Produktionsbudget wahrlich an, denn der globale Untergang der Menschheit vollzieht sich hier fast ausschließlich in einem kleinen Neubaugebiet mit nur wenigen Charakteren. Letztlich begleitet der Zuschauer lediglich Stacey, Emma und Ewan beim Überlebenskampf gegen die Infizierten. Und das ist trotz überschaubarer Laufzeit von 85 Minuten einfach etwas zu wenig, um die Spannung dauerhaft hochzuhalten. Dazu hält sich Viral mit Effekten ebenfalls sehr zurück, sodass auch Fans des etwas härteren Horrors hier nicht fündig werden. Einige an den Nerven zehrende Szenen haben Schulman und Joost dann aber doch einfangen können, denn je länger die Situation andauert, desto unsicherer werden die eigenen vier Wände. Diese ständig wachsende Bedrohung, die sich schließlich in einer der besten Szenen des ganzen Films entlädt, bleibt in Erinnerung, der Rest ist eher grauer Durchschnitt.

Die Erkrankung von Menschen, die sich dadurch gänzlich anders verhalten als vorher, haben bereits Klassiker wie“Parasitenmörder“ von David Cronenberg besser erzählt. Und auch die angedeutete Übernahme des Geistes durch fremde Mächte haben die meisten Versionen von „Die Körpferfresser kommen“ spannender in Szene gesetzt, speziell die Verfilmung von 1978 mit Donald Sutherland. Dazu kommt, dass Viral der beliebten Grundidee keinerlei eigene Kreationen hinzufügt – alles hat man irgendwo schon einmal so oder ähnlich gesehen. Nur ganz am Ende lässt der Film ein paar Andeutungen fallen, deren Ausarbeitung der Sache einen etwas originelleren Anstrich gegeben hätten. Leider verfolgen Schulman und Joost diesen Ansatz aber nicht weiter.

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Wie immer in solchen Filmen ist die Armee keine Hilfe.

Viral: Viele Andeutungen, wenig Erzählung

Stattdessen verzetteln sich die Regisseure ein wenig in der nicht immer leichten Beziehung der beiden Schwestern zueinander und lassen den Zuschauer vermeintlich lange im Unklaren über die Situation außerhalb des Hauses, obwohl jeder halbwegs erfahrene Horrorfan schon längst weiß, was los ist. Dadurch sorgen die Regisseure trotz der eigentlich schnörkellosen und zügigen Inszenierung für gelegentlichen Leerlauf. Denn sonderlich viel passiert in diesem Film einfach nicht.

Die durchweg sympathischen Schauspieler machen das zum Teil aber wieder wett, denn es gelingt ihnen, dem Zuschauer ein ehrliches Interesse an ihrem Schicksal abzutrotzen. Damit hebt sich Viral dann doch wohltuend von vielen anderen „Direct-to-DVD“-Produktionen ab, die so gut gespielte Figuren meist nicht aufbieten können. 

Fazit:

Nichts Neues an der Parasitenfront! In diesem günstig, aber nicht billig produzierten Film werden sich wohl nur Horror-Neulinge ein paar mal ordentlich gruseln. Für den harten Fan oder gar den Gorehound bietet Viral hingegen nur wenig an. Weder hält der Film die Spannung durchgehend, noch überzeugt er durch besonders gute Effekte. Die guten Darsteller und ein paar recht gelungene Szenen bewahren den Film aber vor der Belanglosigkeit. Wer auf Apokalypse-Filme steht, kann hier ruhig mal einen Blick riskieren.

Viral kommt am 21. Juli als DVD und Blu-Ray auf den deutschen Markt.

Einen Überblick über die Horrorfilme des Jahres gibt es hier.

Wer es blutiger mag: Die Kritik zu „The Void“ gibt es hier.

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Diese roten Augen kommen ausnahmsweise mal nicht von Drogen oder Alkohol.