Sicario 2

Filmkritik: Sicario 2

Während Donald Trump noch immer eine Mauer an der Grenze zu Mexiko errichten will, beschäftigt sich „Sicario 2“ wie sein Vorgänger mit den Realitäten im Grenzgebiet. Welche Story diesmal dahintersteckt, ob der einsame Rächer Gilick wieder auftaucht und ob Taylor Sheridans Drehbuch erneut der heimliche Star des Films ist, erfahren Sie hier.

Taylor Sheridan gehört momentan zu den spannendsten kreativen Köpfen Hollywoods. Der 48-jährige Autor, Regisseur und Produzent schrieb bereits das Drehbuch für den ersten Teil und hat auch Sicario 2 zu Papier gebracht. Dazu schrieb er „Hell or High Water“, der ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte, und überzeugte Anfang des Jahres mit „Wind River“ auch als Regisseur seines eigenen Scripts. Hält er auch bei Sicario 2 sein hohes Niveau?

Sicario 2
Auf Anordnung der US-Regierung zetteln Gillick und Graver einen Krieg zwischen den Drogenkartellen an.

Sicario 2: Die Handlung

Es beginnt weit weg von der mexikanischen Grenze. Als mehrere Selbstmordattentäter in Kansas City 15 Menschen in einem Supermarkt mit in den Tod reißen und sich auch ein Flüchtling an der mexikanischen Grenze in die Luft sprengt, ist für die US-Behörden die Sache klar: Die Schleuser schmuggeln arabische Terroristen über die US-Südgrenze ins Land. Da inzwischen ohnehin mit Menschen als Schmuggelgut mehr Geld zu verdienen ist als mit Drogen, ruft Verteidigungsminister Riley (Matthew Modine, „Stranger Things“) die CIA auf den Plan.

Agent Matt Graver (Josh Brolin) hat freie Hand, um die Drogenkartelle Mexikos in einen möglichst blutigen Vernichtungskrieg gegeneinander zu locken. Dazu entführt er mithilfe des einstigen Anwalts Gillick (Benicio del Toro), der mittlerweile als Ein-Mann-Armee gegen die Kartelle kämpft, die Tochter (Isabela Moner) eines Drogenbosses und schiebt es einer rivalisierenden Bande in die Schuhe. Das tritt eine Welle der Gewalt los, die auch Graver und Gillick nicht ausspart …

Sicario 2: Blutig und böse

Wie schon im ersten Teil der Story greift Sheridan auch diesmal auf den realen Konflikt zwischen den USA und den Drogenkartellen Mexikos zurück, um seine Geschichte zu erzählen. Und dabei macht er gemeinsam mit dem italienischen Regisseur Stefano Sollima („Gomorrha“) keine Gefangenen. Mit hohem Bodycount zeigt er die unnachgiebige Härte, mit der sich beide Seiten bekriegen. Und legt mit klugen Szenen und Dialogen offen, was für ein empfindliches Pulverfass sich da an der Südgrenze der USA befindet.

Sicario bedeutet auf Spanisch Auftragskiller und von Morden aus politischen Motiven bekommt der Zuschauer in Sicario 2 mehr als genug zu sehen. Bereits im ersten Teil etablierte sich del Toros Charakter als gnadenloser Rächer. Und auch diesmal zögert der Mann, der seine Familie an den Drogenterror in Mexiko verloren hat, keine Sekunde. Während sich der erste Teil der Saga mit dem Verteidigungskrieg der US-Behörden gegen die Drogenschwemme beschäftigte, sind Gillick und Graver diesmal aber in einen Angriff auf Mexikos Banden involviert und so lässt der CIA-Mann seinen Killer komplett von der Leine – das endet meist blutig.

Sicario 2
Die junge Isabela wird dabei zum Spielball verschiedener Interessen.

Sicario 2: Keine Erlösung

Wie immer bei Drehbüchern von Taylor Sheridan gibt es weder einfache Antworten noch Lösungen der Probleme. Der Autor bleibt Beobachter der Fakten und passt sein fiktives Szenario derart gut an, dass jede Storywendung glaubhaft bleibt. Dazu behält er seinen oft dokumentarischen Stil bei, den Sollina in entsprechende Bilder umsetzt. Endlose Wüsten, wartende Flüchtlinge, die in uralten Bussen bis an die Grenze transportiert werden, hastig ausgeführte Erschießungen irgendwo im Niemandsland. Gute Laune macht Sicario 2 nicht.

Das wäre dem düsteren Stoff aber auch nicht angemessen. Teil zwei erreicht zwar nicht mehr ganz die Schockmomente des Vorgängers, da das Publikum mittlerweile weiß, wie skrupellos beide Seiten vorgehen. Und ein Charakter wie die naive FBI-Agentin Kate diesmal fehlt, um dem Publikum die Augen zu öffnen. Dafür ist Sicario 2 noch ein Stück dunkler als der schon dunkelgraue Beginn der Saga. Lichtblicke gibt es wenige, und die zeigt Benicio del Toro, der die entführte Isabela zu retten versucht, als sie zum Spielball der Interessen wird. Und so ausgerechnet als desillusionierter Killer eines der wenigen Zeichen von Menschlichkeit in Sicario 2 setzt.

Und das Trio del Toro, Brolin und Moner ist es auch, das den Film trägt und das Publikum emotional mitnimmt. Sonst wäre der fast komplett hoffnungslose Plot von Sicario 2 auch kaum auszuhalten. 

Fazit:

Sehr düsteres, knallhartes und realistisches Actionkino, das einen weitgehend trostlosen Blick auf den Grenzkonflikt zwischen den USA und Mexiko wirft. Und erfreulich klischeefrei eine weitere Episode aus einer Geschichte erzählt, die so bald wohl nicht endet. Sheridans Schlussfolgerungen sind dabei ebenso traurig wie glaubhaft. Alles andere als leicht verdaulich, aber ein guter Film für Zuschauer, die so etwas aushalten.

Sicario 2 startet am 19. Juli 2018 in den deutschen Kinos.

Sicario 2
Gravers Truppe hält sich dabei ebensowenig an geltendes Recht wie ihre Gegner.