Wenn man Horrorfilme einmal weglässt, dann gib es nicht so viele Filme, in denen Tote die Hauptrolle spielen. 1978 erschien „Der Himmel soll warten“, in der ein toter Quarterback durch einen Unfall stirbt, der nicht vorgesehen war und der Himmel ihn daher in einen neuen Körper steckt und weiterleben lässt. Mit „Switch – die Frau im Manne“ schickt Komödien-König Blake Edwards dann einen üblen Chauvi auf die Erde zurück – im Körper einer Frau. in „Gibt es ein Leben nach der Party?“ schickt Netflix nun eine Influencerin zurück auf die Erde, allerdings komplett körperlos. Was die neue Comedy sonst noch von den Vorgängern unterscheidet, klärt die Kritik.

Victoria Justice

Lisa und Cassie sind die besten Freunde. Doch Stubenhocker und Partymaus – das passt nicht immer.

Die Handlung

Cassie (Victoria Justice) wird bald 25 und hat eigentlich nichts anderes zu tun als zu feiern. Die Partymaus hat mit ihrer besten Freundin und Mitbewohnerin Lisa (Midori Francis) zwar einen guten Geist an ihrer Seite, doch meist hört Cassie nicht darauf, was ihre ruhige und kluge Freundin zu sagen hat. Als Cassie es kurz vor ihrem Geburtstag besonders bunt treibt, kommt es zwischen ihr und Lisa zum handfesten Streit, in dem beide unschöne Dinge übereinander sagen. Lisa geht nach Hause, Cassie feiert weiter – und kommt erst in den frühen Morgenstunden im eigenen Zimmer an. Ein Besuch im Badezimmer wird ihr dann zum Verhängnis. Sie versucht, sich am Handtuchhalter abzustützen, reißt ihn dabei ab, fällt – und verletzt sich tödlich beim Aufprall mit dem Kopf an der Toilettenschüssel.

Als sie erwacht, lernt sie Val (Robyn Scott) kennen, die sich als ihr Schutzengel vorstellt und einige unangenehme Wahrheiten für Cassie bereithält. Zum einen: Sie ist bereits seit einem Jahr tot. Und ihr bleiben nur fünf Tage Zeit, die drei wichtigsten Menschen in ihrem Leben glücklich zu machen, um sich ihr Ticket in den Himmel zu verdienen. Schafft sie es nicht, geht es abwärts. Besonders problematisch wird es dadurch, dass die Menschen, denen sie helfen soll, sie weder hören noch sehen können …

Hemmungsloser Kitsch

Wer Gibt es ein Leben nach der Party? für einen netten Partyfilm mit reichlich Musik und Alkohol hält, liegt falsch. Ebenso wie alle, die eine fröhliche Rom-Com erwarten. Diesen Eindruck mögen Plakat und Trailer vermitteln, tatsächlich gibt es hier aber hauptsächlich Kitsch und Herz-Schmerz in rauen Mengen. Wer also mit einem von beiden nichts anfangen kann, sollte um diesen Film einen großen Bogen machen. Denn hier geht es nur sehr vordergründig um Spaß, stattdessen hauptsächlich um moralische Grundsätze und die Dinge, die man zu bereuen hat, wenn man tot ist. Hier ist eher das klassische „Hohle Nuss lernt etwas fürs Leben“-Thema relevant, wenn das mit dem fürs Leben sich auch etwas schwierig gestaltet.

Victoria Justice spielt die oberflächliche Cassie zu Beginn entsprechend nervtötend und doof. Leider dauert es auch nach ihrem Ableben noch eine ganze Weile, bis man als Zuschauer das Glitzerpüppi irgendwie liebgewinnt. Denn auch wenn ihre Absichten wertvoller und besser werden, ihre Garderobe wird es nicht. Und auch die hohlen Attitüden halten sich noch eine ganze Weile. Sehr frei nach Dickens muss sich Cassie nun mit ihren drei Geistern der Weihnacht auseinandersetzen, um ihren Frieden zu finden. Ab dem Zeitpunkt, an dem Cassie diesen Job ernst nimmt, kommen dann zumindest Fans von reichlich Gefühl auf ihre Kosten. Denn das Ganze geht natürlich nicht ohne jede Menge Tränen ab.

Gibt es ein Leben nach der Party

Als Cassie bei einem Unfall stirbt, bekommt sie nur fünf Tage, um ihren drei wichtigsten Menschen zu helfen.

Glatt inszeniert und platt geschrieben

Regisseur Stephen Herek begann seine lange Karriere im Horror-Genre – der erste „Critters“-Film geht auf sein Konto. Seitdem ist eine Menge passiert und Herek hat sich größtenteils in den vergangenen Jahren als Serienregisseur für „Hawaii Five-O“ und „MacGyver“ verdingt. Das passt ins Bild, denn auch Gibt es ein Leben nach der Party? trägt keinerlei Spuren irgendwelcher inszenatorischen Einfälle. Herek soll seine Schauspieler schön in Szene setzen – und das tut er. Zudem gelingt es ihm, dass die Charaktere sich stets so bewegen, dass niemand durch Cassie hindurchläuft, obwohl fast niemand sie sehen kann. So spart mit man Budget für Spezialeffekte ein.

Auch sonst kann man den Schauspielerin nicht so recht einen Vorwurf machen, dass sie ihre zuckersüßen und komplett flachen Figuren nicht besser spielen, als sie es tun. Sie sind eben auch nicht besser geschrieben. Und so laufen ausschließlich wandelnde Klischees und fast unerträglich nette Menschen durch diesen Film. Zu verteufeln gibt es daran auch gar nicht so viel, wenn es einen Markt für solch hemmungslosen Kitsch mit ein paar befreienden Schmunzlern hier und dort gibt, dann bedient Gibt es ein Leben nach der Party? diesen Markt auch gut. Allerdings muss man das wirklich mögen. Und die Zuckerdosis, die einem das Finale eintrichtert, auch noch vertragen können. Wer aber gern mal mit einem „Hach“ auf dem Sofa zerfließt, weil die heile Welt doch auch mal ganz schön ist, der ist hier richtig.

Victoria Justice

Schafft sie es nicht, geht der Fahrstuhl nach unten. Also frisch ans Werk, Leute glücklich machen!

Fazit:

Gibt es ein Leben nach der Party? ist kaum witzige Rom-Com, sondern meist eine mächtig kitschige Herz-Schmerz-Story mit vielen flachen Charakteren und eine Extraportion Zucker im Finale. Aber es soll ja Zuschauer geben, die so etwas mögen. Und die sind dann mit diesem Film auch gut bedient, Denn beim Auf die Tränendrüse drücken macht Regisseur Stephen Herek keine Gefangenen. Für die einen echter Horror, für die anderen ein großes Vergnügen. Bei so einer spitz zugeschnittenen Zuschauergruppe gibt es dann auch nicht mehr viel zu kritisieren.

Gibt es ein Leben nach der Party startet am 2. September 2021 bei Netflix.

Gibt es ein Leben nach der Party

Schließlich sind alle Freunde da, um sich von Cassie zu verabschieden. Darf sie in den Himmel?

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