Die heute nicht mehr aus dem täglichen Kommunikationsgebrauch wegzudenkenden Emoji-Zeichen sind die Stars im neuen Animationsfilm von Sony Pictures. Aber tragen die Gefühlsanzeiger in PC und Smartphone tatsächlich einen ganzen Film?

Neue Ideen sind ja grundsätzlich eine schöne Sache, wenn in der Filmwelt zunehmend Fortsetzungen und Reboots das Ruder übernehmen. Emoji – der Film beweist aber eindrucksvoll, dass auch neue Ideen so ihre Tücken haben. Sie sind manchmal einfach nicht gut.

Emoji

Neulich in der Tanz-App: Die Emojis haben Spaß, der Zuschauer eher nicht.

Emoji – der Film: Die Handlung

Im Handy des Neuntklässlers Alex ist ganz schön was los – Tausende von Emojis bevölkern seine Zeichen-App. Darunter auch das junge „Meh“-Emoji Gene (Stimme Tim Oliver Schultz), das bereits genetisch auf seinen künftigen Beruf festgelegt ist. Denn auch seine Eltern sind „Mehs“. Schade nur, dass der junge Meh seinen ersten Einsatz beim Tippen völlig vergeigt und Alex deswegen einen Termin beim Handyladen macht, um sein ganzes Smartphone löschen und neu bespielen zu lassen. Weil ihm nun „Smiley“ (dt. Stimme Anja Kling) im Nacken sitzt, sucht Gene mithilfe von High-5 (gesprochen von Christoph Maria Herbst) nach der Hackerin „Jailbreak“ (dt. Stimme Joyce Ilg) die ihn angeblich neu programmieren kann. Zu dritt machen sich die Emojis nun auf den Weg durch Bildschirmhintergründe, Tanz-Apps und Firewalls, um ihr Ziel zu erreichen: die Cloud, in der alles anders und besser sein soll als im Handy …

Emoji – der Film: Langeweile für die ganze Familie

Jeder Film sollte einen Star haben- den kann auch Emoji – der Film bieten. Denn was Christoph Maria Herbst als High-5 leistet, kann sich absolut hören lassen und ist so ziemlich das einzige, woran man sich ein paar Minuten nach Verlassen des Kinos überhaupt noch erinnern kann. Wie Herbst seine Figur mit Leben erfüllt, ist einfach gut, allerdings hat er auch die dankbarste Rolle als witziger Sidekick des eigentlichen Helden. Auch der Rest des deutschen Ensembles erledigt seinen Job gut – an den Stimmen liegt es nicht, dass der Film an allen Ecken und Enden nicht funktioniert.

Es beginnt bei den sehr beliebigen Helden des Films. Emojis sind entweder Emojis – und damit nur zu einem Ausdruck fähig. Oder sind vielschichtiger – und dann keine Emojis mehr. Obwohl der Film in ihrer Welt spielt und ein paar schöne Ideen hat, sind die Helden der Geschichte schon nach kurzer Zeit einfach knuddelige Figürchen, die man kaum mit Emojis assoziiert. Der viel schlimmere Fehler des Films ist allerdings ein anderer: Bis auf wenige Ausnahmen ist die Story einfach in keinster Weise witzig und auch in Sachen Unterhaltsamkeit bietet Emoji – der Film nur wenig. Die meisten Szenen sind nichtssagend, einige sogar sehr nervig. Und auch die zweite Erzählebene – das Liebesleid des jungen Alex – zündet zu keinem Zeitpunkt.

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High-5 trifft auf Spam: Aus solchen, eigentlich netten Ideen macht der Film viel zu wenig.

Gute Szenen, aber kein Film

Obwohl Emoji – der Film immer wieder schöne Ideen hat und einzelne Szenen sogar recht gelungen sind, wird daraus dennoch nie ein stimmig wirkender Film, die Szenen verbinden sich nicht. Selbst wiederkehrende Figuren wie die Internet-Trolle wirken beliebig und haben nur wenig gelungene Texte. Die Odyssee von Gene und seinen Freunden erinnert ein wenig an Pixars „Alles steht Kopf“, ohne je auch nur ansatzweise dessen emotionale Tiefe zu erreichen. 

So wirkt die große Bedrohung der Helden durch den Handyladen nie echt und auch die Viren, die hinter Gene, Jailbreak und High-5 her sind, erzeugen keine ernsthafte Spannung. Hier sollte niemandem ernsthaft weh getan werden, leider wird auch niemand ernsthaft von diesem Film angesprochen oder mitgenommen. Die wenigen gelungenen Einfälle verpulvert der Film in den ersten Minuten, die Reise durchs Handy wirkt hingegen so steril und kalt, dass einem schon bald herzlich egal ist, was da eigentlich passiert. Dass die Handlung dabei komplett überraschungsfrei ist, hilft ebenfalls nicht weiter.

Fazit: 

Eigentlich ganz gute Zutaten, trotzdem schmeckt das fertige Gericht fade und langweilig. Zu keinem Zeitpunkt gelingt es dem Drehbuch, ernsthaftes Interesse an irgendeiner der Figuren zu erzeugen und nur Christoph Maria Herbsts wundervolle Gestaltung seines komischen Helden hebt die ganze Produktion aus der totalen Bedeutungslosigkeit heraus. Das allein macht Emoji – der Film aber noch nicht zu einem guten oder gelungenen Vertreter seiner Art. Was für Menschen über 30 bereits als Idee seltsam klingt – ein Film über Emojis – ist es auch. Für die Allerkleinsten ist er trotz der Freigabe ab null Jahren eventuell zu aufregend, für den Rest zu öde. Ein Animationsfilm zum Vergessen.

Emoji – der Film startet am 3. August in den deutschen Kinos.

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Auch die Story um den jungen Handybesitzer Alex, auf dessen Smartphone sich alles abspielt, ist nicht eben innovativ.

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