Hard Powder

Filmkritik: Hard Powder

Liam Neeson ist eigentlich schon seit Beginn seiner Karriere immer wieder auch ein Action-Filmstar gewesen. Doch erst seit „96 Hours“ aus dem Jahr 2008 wir der nordirische Schauspieler als Archetyp des einsamen, wortkargen und eiskalten Rächers gesehen – und besetzt. Dass es auch anders geht, zeigt „Hard Powder“. Zwar ist Neeson auch hier in Rachemission unterwegs, dennoch unterscheidet sich die Rolle von seinen anderen. Warum? Das erfahren Sie hier.

Remakes ausländischer Filme sind in Hollywood an der Tagesordnung. Da es eine Synchronisierung in den USA nicht gibt und viele Zuschauer von Untertiteln abgeschreckt werden, drehen die großen Studios erfolgreiche Filme aus dem Rest der Welt deshalb lieber neu. Manchmal darf sogar der Regisseur, der das Original drehte, auch die US-Version davon inszenieren. Das gilt auch für Hard Powder, den der Norweger Hans Petter Molland als „Einer nach dem anderen“ schon 2014 drehte. Kann er die zweite Version ebenso gut in Szene setzen?

Hard Powder
Eigentlich fährt Nels Coxman bloß den Schneepflug, doch als sein Sohn getötet wird, entwickelt sich der ruhige Mann zum Rächer.

Hard Powder: Die Handlung

Nels (Liam Neeson) und Grace Coxman (Laura Dern) leben in einem kleinen Ort mitten in den nördlichen Rocky Mountains. Weil Nels den örtlichen Schneepflug fährt, ist er einer der wichtigsten Mitglieder der kleinen Gemeinde und wird sogar dafür geehrt. Doch ausgerechnet an diesem Tag erhält er in der Nacht die Nachricht, das Sohn Kyle tot aufgefunden wurde, angeblich eine Überdosis. Nels glaubt das aber keine Sekunde und beginnt, an seinem Arbeitsplatz, dem örtlichen Flughafen, Fragen zu stellen.

Schnell findet er heraus, dass Kyle offenbar gelegentlich kleine Job für den hiesigen Drogenbaron „Viking“ (Tom Bateman) erledigt hat und deshalb schließlich als unerwünschter Zeuge sterben musste. Nels beginnt also, sich in der kriminellen Nahrungskette langsam, aber zielsicher noch oben zu morden, um den Kopf der Bande zu erwischen. Doch damit stößt der verbitterte Vater eine Welle der Gewalt los, wie sie das kleine Städtchen so noch nie erlebt hat. Denn Vikings Konkurrenten wittern Morgenluft …

Hard Powder: Starkes Script

Drehbuchautor Frank Baldwin hat mit seiner Adaption des Originalscripts einen guten Job gemacht. Denn die lakonisch erzählte Gewaltspirale kommt weitgehend ohne Zufälle aus. Stattdessen verkauft der Film seine Story als mehr oder weniger unausweichlich. Und darin liegt auch die Stärke der Geschichte. Wie einst der Seher bei Asterix, so denkt auch der Zuschauer immer wieder: Das habe ich kommen sehen! Aber Molland und Baldwin gelingt es dennoch, das Publikum immer wieder mit neuen Figuren zu überraschen, deren Handlungen sich erst im Nachhinein als zwingend erweisen.

So fängt die Story noch relativ klein an, erinnert aber schnell an einen Kieselstein, den man ins Wasser wirft: Die Sache zieht immer größere Kreise. Und bald ist die halbe Unterwelt der Gegend bereit, beim kleinsten Muckser der Gegenseite das Magazin leer zu ballern. Von alldem bekommt Nels, der einfach nur Rache für seinen Sohn will, lange Zeit überhaupt nichts mit. Denn weil Viking die ersten Morde naturgemäß anderen Gangsterbanden anlastet, die sein Terrain wollen, fällt der Einzelkämpfer lange gar nicht auf.

Hard Powder
Bald findet Coxman heraus, dass ein Gangster mit dem Spitznamen Viking hinter dem Mord an seinem Sohn steckt, doch an den Drogendealer ist schwer heranzukommen.

Hard Powder: Ein neuer Neeson

Also alles wie immer? Nein. Denn hier gibt der großgewachsene Schauspieler eben nicht seine Paraderolle als eiskalter Profi, der über Leichen geht. Sondern ist nur ein tief verletzter Vater, der viel emotionaler handelt als die Figuren in seinen anderen Filmen. Allerdings passt der eher stoische Charakter von Nels Coxman sehr gut zu Neesons sparsamer Mimik. Ebenfalls sehr sehenswert ist Tom Bateman als latent cholerischer Gangsterboss. Der stets die Kontrolle über alles un jeden anstrebt – und extrem unwirsch reagiert, wenn ihm das nicht gelingt.

Der eigentliche Clou des Films besteht aber darin, dass Molland hier nicht etwa eine düstere, bleischwere Gangster-Saga erzählt, sondern eine lockere, allerdings tief schwarzhumorige Komödie daraus macht. Auch wenn sich Vergleiche nicht wirklich aufdrängen, so hat der kalte Spaß ein wenig von „Fargo“ und kann Spuren von Tarantino enthalten. So hochhängen lässt sich der ganze Film allerdings nicht. Denn nicht immer zündet der Humor, nicht immer erzielt die durchaus vorhandene Härte die gewünschte Wirkung.

Zudem geht Molland in seinem US-Remake auch nicht ganz so rabiat mit seinen Protagonisten um, wie noch im norwegischen Original. Ein wenig mehr Rücksicht auf die Sehgewohnheiten Amerikas hat der Regisseur offensichtlich genommen. Trotzdem bleibt unter dem Strich eine angenehm rotzige und mitunter fiese schwarze Komödie, die gut gespielt und geschrieben ist und die Langsamkeit und Stille der eingeschneiten Filmwelt als Stilmittel wunderbar nutzt. Zudem erlaubt Molland den Ureinwohnern der USA auch mal, die Bösen zu sein. Und das ist ganz erfrischend.

Fazit:

Liam Neeson mal nicht als eiskalten Profi zu sehen, der Verbrecher über den Haufen schießt, sondern als tief verletzten und rachsüchtigen Vater, ist eine nette Abwechslung, die der Schauspieler offenbar ebenso empfunden hat und es mit gutem Spiel dankt. Hard Powder, das Remake des Norwegers Hans Petter Molland nach seinem eigenen norwegischen Original ist eine fiese schwarze Komödie mit ein paar emotional berührenden Momenten. Die Fans von solchem Humor garantiert Spaß macht.

Hard Powder startet am 28. Februar 2019 in den deutschen Kinos.

Hard Powder
Coxmans erste Taten beantwortet Viking mit einer Racheaktion an der rivalisierenden Bande der Indianer – und manövriert sich dadurch in einen ausgewachsenen Krieg.