Shape of Water

Filmkritik: Shape of Water

Schon einmal stand der mexikanische Regisseur Guillermo Del Toro kurz vor dem Gewinn eines Oscars. 2007 war sein Film „Pan’s Labyrinth“ als Bester fremdsprachiger Film nominiert – und ging leer aus. Mit „Shape of Water“ ist er nun gleich mehrfach im Rennen um die Goldjungs. Hat er diesmal mehr Glück – und wäre das verdient?

Einer ist wieder einmal nicht nominiert, obwohl er für Del Toro so etwas wie ein Glücksbringer ist: Doug Jones. Der amerikanische Schauspieler war auch bei Pan’s Labyrinth dabei, spielte in den beiden „Hellboy“-Filmen den Fischmenschen Abe Sapien und ist auch in Shape of Water die Kreatur, die Sadie Hawkins‘ Herz berührt. Bei „Star Trek: Discovery“ ist er als Saru dabei. Kann er seinem Regisseur bei den Oscars Glück bringen?

Shape of Water
Nur Giles findet Zugang zur schüchternen Eliza, der stummen Nachbarin.

Shape of Water: Die Handlung

Irgendwann während des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion. Die stumme Eliza (ebenfalls oscarnominiert: Sally Hawkins) arbeitet als Reinigungskraft in einem geheimen Forschungslabor der US-Regierung. Mit ihrem Nachbarn Giles (Richard Jenkins) sieht sie sich gern Filme an, lebt aber ansonsten sehr zurückgezogen. Bis sie eines Tages entdeckt, dass die Wissenschaftler in einem der streng abgeriegelten Labors ein seltsames Wesen (Doug Jones) gefangen halten. 

Während der neue Leiter der Abteilung, der eiskalte Colonel Strickland (Michael Shannon), das Wesen mit äußerster Brutalität behandelt und es am liebsten töten und aufschneiden möchte, versucht Eliza das Wesen, dass ihr auf besondere Weise nahe steht, aus dem Labor zu befreien, bevor Strickland seinen blutigen Willen durchsetzt. Doch das ist einfacher gesagt, als getan. Denn auch eine andere Macht interessiert sich sehr für das Wesen und setzt alles dran, es den Amerikanern wegzuschnappen …

Shape of Water: Modernes Märchen

Wie in Pan’s Labyrinth schrieb Del Toro auch für Shape of Water das Drehbuch selbst. Und das führt zu einer im Kino höchst seltenen Einheit von Story und Optik. Del Toro wusste in jeder Szene offensichtlich ganz genau, wie sie aussehen und woran sie anschließen sollte, denn die Bilder, die Kameramann Dan Laustsen einfing, sind von fast künstlicher Schönheit. Beleuchtung, Look und Details in fast jedem Moment erinnern an „Die fabelhafte Welt der Amelie“ von Jean-Pierre Jeunet und bescheren Shape of Water einen ganz eigenen Look, der allein schon für ein besonderes Filmerlebnis sorgt.

Dazu mischt Del Toro aber seine märchenhaften Elemente mit sehr dunklen Themen wie Rassismus und Homosexualität und mischt seinem manchmal zuckersüßen Plot damit immer wieder bittere Einsprengsel bei. Und schafft so eine fast magische Verbindung zwischen der Fantasy-Story und der Realität. Und das erinnert nicht nur ein wenig an Del Toros bisheriges Meisterwerk Pan’s Labyrinth.

Shape of Water
Als sei eines Tages ein geheimnisvolles Wesen im Labor entdeckt, ändert sich Elizas Leben von Grund auf.

Shape of Water: Wundervolles Schauspiel

Dass Del Toros Geschichte so berührt, liegt neben dem klugen Script aber vor allem an den großartigen Schauspielern, allen voran Sally Hawkins. Was die Engländerin hier komplett ohne die Möglichkeit von Text an Emotionen auf die Leinwand bringt, ist absolut sehenswert. Aber auch die Kollegen wie Octavia Spencer, Richard Jenkins und Michael Shannon als das eigentliche Monster des Films, können sich mehr als sehen lassen.

Zusammen mit Del Toros feiner Regie wird aus Shape of Water so ein Märchen für Erwachsene, das sein Publikum in zwei Stunden verzaubert und kaum jemanden kalt lässt. Ein Oscar wäre dem Regisseur zu gönnen, der ihm für seinen noch besseren Pan’s Labyrinth vor elf Jahren verwehrt blieb. Denn die Liebesgeschichte zwischen Fischmensch und Frau gehört klar zu den besten Filmen, die es in diesem Jahr im Kino zu sehen gibt. 

Fazit:

Nach eher flachen Blockbustern wie „Pacific Rim“ findet Guillermo Del Toro mit Shape of Water wieder zu alter Stärke. Der wundervolle Film kann sowohl in Form als auch in Inhalt überzeugen und gehört aller Wahrscheinlichkeit nach in die Top-Ten des Jahres 2018. Wer auch nur ein wenig für Fantasy-Geschichten übrig hat, darf diesen Film nicht verpassen.

Shape of Water startet am 15. Februar 2018 in den deutschen Kinos.

Shape of Water
Der grausame Strickland setzt alle Hebel in Bewegung, um das Wesen im Labor töten zu lassen.