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	<title>Anspruch - lauterfilme.de</title>
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		<title>Filmkritik: Frau im Dunkeln</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Fiedler]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Dec 2021 17:14:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Schriftstellerin Elena Ferrante ist eine interessante Persönlichkeit. Die fast 80-jährige hat mit der &#8222;Neapolitanischen Saga&#8220; nicht nur einen Weltbeststeller geschrieben. Sondern sich auch ganz bewusst dafür entscheiden, unter dem Pseudonym anonym zu bleiben. Offenbar hat Ferrante in der US-Schauspielerin Maggie Gyllenhaal einen Fan. Denn die hat sich für ihr Regie-Debüt einen Roman der Autorin als Quelle für &#8222;Frau im Dunkeln&#8220; ausgesucht, den sie mit Olivia Colman, Dakota Johnson, Jessie Buckley und Ed Harris auch noch edel besetzen konnte. Nun [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Schriftstellerin Elena Ferrante ist eine interessante Persönlichkeit. Die fast 80-jährige hat mit der &#8222;Neapolitanischen Saga&#8220; nicht nur einen Weltbeststeller geschrieben. Sondern sich auch ganz bewusst dafür entscheiden, unter dem Pseudonym anonym zu bleiben. Offenbar hat Ferrante in der US-Schauspielerin Maggie Gyllenhaal einen Fan. Denn die hat sich für ihr Regie-Debüt einen Roman der Autorin als Quelle für &#8222;Frau im Dunkeln&#8220; ausgesucht, den sie mit Olivia Colman, Dakota Johnson, Jessie Buckley und Ed Harris auch noch edel besetzen konnte. Nun ist der Film auf Netflix zu sehen und dort wirkt der Arthouse-Film aufgrund seines Anspruchs ein wenig deplatziert. Worum es geht und wie gut er ist, verrät die Kritik.</p>
<figure id="attachment_11677" aria-describedby="caption-attachment-11677" style="width: 1024px" class="wp-caption alignleft"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-11677 size-full" src="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-1.jpg" alt="Dakota Johnson" width="1024" height="618" srcset="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-1.jpg 1024w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-1-300x181.jpg 300w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-1-768x464.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-11677" class="wp-caption-text">Die auffallend hübsche, junge Mutter Nina erinnert Professorin Leda an ihre eigene Vergangenheit.</figcaption></figure>
<h2>Die Handlung</h2>
<p>Die Professorin Leda Caruso macht einen Arbeitsurlaub auf der griechischen Insel Spetses, wo sie sich für den Sommer eine kleine Wohnung gemietet hat. Der Amerikaner Lyle (Ed Harris), der dort schon lange lebt, ist ihr beim Einzug behilflich und bemüht sich auch später immer wieder um die 48-jährige, die ihm nicht wirklich signalisiert, ob sie an Anschluss interessiert ist oder nicht. Deutlicher wird Leda hingegen beim britischen Studenten Will (Paul Mescal), der auf der Insel während der Semesterferien jobbt. Doch der findet die junge Nina (Dakota Johnson) spannender, die mit ihrer Großfamilie in der Nähe lebt und sich um ihre Tochter kümmert, während ihr Mann Toni (Oliver Cohen-Jackson) unterwegs ist.</p>
<p>Leda fühlt sich durch den Anblick Ninas und deren Umgang mit ihrer Tochter sehr in ihr eigenes Leben vor 20 Jahren erinnert, als sie (Jessie Buckley) von ihren Töchtern Bianca und Martha häufig genervt war und Schwierigkeiten hatte, ihnen genug Aufmerksamkeit entgegenzubringen. Das änderte damals in einer schmerzlichen Entscheidung, die auch mit einem Literaturprofessor (Gylenhaal-Gatte Peter Sarsgaard) zu tun hatte und Leda in ein Gefühlschaos stürzte, mit dem sie auch 20 Jahre später noch zu kämpfen hat &#8230;</p>
<p><iframe title="Frau im Dunkeln | Offizieller Trailer | Netflix" width="750" height="422" src="https://www.youtube.com/embed/Qc_cPLbgsyU?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture" allowfullscreen></iframe></p>
<h2>Arthouse-Kino statt leichter Unterhaltung</h2>
<p>Auch wenn der Trailer durchaus nicht so ganz eindeutig darin ist, dem Zuschauer zu zeigen, um was für eine Art Film es sich bei <strong>Frau im Dunkeln</strong> handelt, so sollten Fans von Thrillern oder Krimis um diese Neuheit auf Netflix einen Bogen machen. Denn es gibt weder eine spannende Handlung, noch ein Verbrechen. Stattdessen begleitet Regisseurin und Drehbuch-Autorin Maggie Gyllenhaal ihre Hauptfigur durch eine Zeit, in der die ein erstes Resümee zieht. Und sich an die Entscheidungen ihres Lebens erinnert, denen sie ihre momentane Situation zu verdanken hat. Die Beziehung zu ihren beiden Töchtern ist nicht so, wie Leda sich das wünscht und sie weiß, bei wem sie die Schuld suchen muss.</p>
<p>Gyllenhaal inszeniert diese Phase des emotionalen Chaos mit feiner Klinge. Auffällig oft umschwirrt die Kamera gerade zu Beginn des Films die Figuren so dicht, dass kaum zu erkennen ist, um wen es sich gerade handelt. Der Prozess einer langsamen und kathartischen Auflösung der Leda wird so auch optisch immer wieder aufgenommen und von Olivia Colman gewohnt beeindruckend gespielt. Denn schließlich wird klar, dass nur Leda und Nina diese ganz besondere Nähe erfahren, die anderen Charaktere bekommen mehr Abstand. Und das ist sinnvoll, denn Leda sieht in Nina so viel von ihrem jüngeren Selbst, dass durch die Begegnung immer wieder Erinnerungen an ihr Leben als Mutter mit zwei kleinen Mädchen an die Oberfläche gelangen.</p>
<figure id="attachment_11678" aria-describedby="caption-attachment-11678" style="width: 1024px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-11678 size-full" src="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-2.jpg" alt="Ed Harris" width="1024" height="683" srcset="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-2.jpg 1024w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-2-300x200.jpg 300w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-2-768x512.jpg 768w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-2-360x240.jpg 360w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-2-600x400.jpg 600w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-11678" class="wp-caption-text">Der alte Lebenskünstler Lyle bemüht sich um Leda.</figcaption></figure>
<h2>Stark gespielter Reinigungsprozess</h2>
<p>In denen brilliert Jessie Buckley als junge Leda nicht nur mit einem erstaunlich erotischen Auftritt. Sondern auch mit einem faszinierenden Balance-Akt zwischen der nicht immer geliebten Mutterrolle bei von ihr als anstrengend empfundenen Kindern. Und der wachsenden Zuneigung für einen Mann, der von ihrem Intellekt beeindruckt ist. Eine Anerkennung, die bei Leda deutlich körperlichere Reaktionen hervorruft als ihr zunächst bewusst ist. Und die schließlich ihr Gesellschaftsbild und ihre Rolle darin wieder auf Null stellt.</p>
<p>Gyllenhaal lässt ihre beiden Protagonistinnen erst spät wirklich miteinander reden, wenn sie längst erzählt hat, wo die beiden Frauen stehen und was sie bewegt. Dementsprechend knapp fallen die Dialoge aus. Denn das Gesagte bildet zu diesem Zeitpunkt nur noch die Essenz dessen, was der Zuschauer bereits weiß. Ratschläge von Leda kann Nina, der ihre Tochter auch langsam über den Kopf wächst, daher auch kaum erwarten. Denn das Geflecht aus Lust und Schuld, mit dem sich Leda in diesem Urlaub urplötzlich auseinandersetzen muss, kann die sonst so wortgewandte Professorin kaum in Worte fassen. Olivia Colman kann es aber spielen und lässt nur durch ihre Mimik den Charakter der Leda entstehen.</p>
<figure id="attachment_11679" aria-describedby="caption-attachment-11679" style="width: 1024px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-11679 size-full" src="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-3.jpg" alt="Jessie Buckley" width="1024" height="614" srcset="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-3.jpg 1024w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-3-300x180.jpg 300w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-3-768x461.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-11679" class="wp-caption-text">Doch Leda muss sich mit lange verdrängten Gefühlen aus ihrer Zeit als junge Mutter herumschlagen.</figcaption></figure>
<p>Das alles ist aber auf einen flüchtigen Blick nicht sonderlich spannend oder fesselnd. <strong>Frau im Dunkeln</strong> ist bewusst spröde und ruhig erzählt und beschäftigt sich doch deutlich mit großen Themen des Lebens. Daher verlangt er vom Publikum viel Aufmerksamkeit, Interesse an der schlanken Story und dem großen Gefühl, dass sich nur selten offen zeigt. Hin und wieder nimmt Netflix solche Filme ins Programm, wenn es darum geht, bei den internationalen Preisverleihungen auf sich aufmerksam zu machen. Das gelangt manchmal sehr gut &#8211; oft gehen die Netflix-Produktionen aber doch leer aus. Zwei golden Globe-Nominierungen hat <strong>Frau im Dunkeln</strong> schon bekommen &#8211; für Gyllenhaal und Colman. Und das geht auch absolut in Ordnung.</p>
<h2>Fazit:</h2>
<p><strong>Frau im Dunkeln</strong> ist anspruchsvolles Arthouse-Kino, das sich trotz scheinbarer Urlaubs-Leichtigkeit mit schweren Themen beschäftigt. Und seine Protagonistin über ihr bisheriges Leben und ihre Entscheidungen reflektieren lässt. Darf eine Frau noch ihrer Lust nachgeben, wenn sie Mutter ist? Müssen die Kinder immer an erster Stelle stehen? Und wie wird man mit der Schuld fertig, die man durch frühere Entscheidungen auf sich geladen hat? Maggie Gyllenhaals Regie-Debüt gibt hier keine einfachen Antworten. Was den Film trotz überschaubarer Handlung für Fans von Arthouse-Kino dann auch so spannend macht.</p>
<p><strong>Frau im Dunkeln startet am 31. Dezember 2021 bei Netflix.</strong></p>
<p><a href="https://lauterfilme.de/netflix-filmkritik-im-ueberblick/">Mehr Kritiken zu Netflix-Filmen gibt es hier.</a></p>
<figure id="attachment_11680" aria-describedby="caption-attachment-11680" style="width: 1024px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-11680 size-full" src="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-4.jpg" alt="Frau im Dunkeln" width="1024" height="615" srcset="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-4.jpg 1024w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-4-300x180.jpg 300w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2021/12/frau-4-768x461.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-11680" class="wp-caption-text">Damals erlag sie der Anziehung eines befreundeten Professors &#8211; mit einschneidenden Folgen.</figcaption></figure>
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		<title>Filmkritik: Die Verführten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Markus Fiedler]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jun 2017 15:20:13 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Mann inmitten lauter Frauen und Mädchen im schwülen Süden der USA: Colin Farrell ist Hahn im Korb, während der Bürgerkrieg tobt &#8211; und Nicole Kidman, Kirsten Dunst und Elle Fanning stehen Schlange. Kann &#8222;Die Verführten&#8220; &#8211; der neue Film von Sofia Coppola &#8211; überzeugen? Sie trägt einen großen Namen &#8211; und steht damit schon längst nicht mehr im Schatten ihres Vaters: Sofia Coppola hat sich seit ihrem Oscar für das Drehbuch von &#8222;Lost in Translation&#8220; stetig weiter in der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Mann inmitten lauter Frauen und Mädchen im schwülen Süden der USA: Colin Farrell ist Hahn im Korb, während der Bürgerkrieg tobt &#8211; und Nicole Kidman, Kirsten Dunst und Elle Fanning stehen Schlange. Kann &#8222;Die Verführten&#8220; &#8211; der neue Film von Sofia Coppola &#8211; überzeugen?</strong></p>
<p>Sie trägt einen großen Namen &#8211; und steht damit schon längst nicht mehr im Schatten ihres Vaters: Sofia Coppola hat sich seit ihrem Oscar für das Drehbuch von &#8222;Lost in Translation&#8220; stetig weiter in der Hierarchie von Hollywood nach oben gekämpft und dabei ihre Unabhängigkeit bewahrt. Nun hat sie einen Stoff neu verfilmt, der bereits 1971 erstmals auf der Leinwand zu sehen war &#8211; damals mit Clint Eastwood.</p>
<figure id="attachment_2231" aria-describedby="caption-attachment-2231" style="width: 750px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-2231 size-large" src="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-3-1024x682.jpg" alt="Die Verführten" width="750" height="500" srcset="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-3-1024x682.jpg 1024w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-3-300x200.jpg 300w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-3-768x512.jpg 768w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-3-360x240.jpg 360w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-3-600x400.jpg 600w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-3.jpg 1400w" sizes="(max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-2231" class="wp-caption-text">Colin Farrell gerät schwer verletzt in ein reines Frauenhaus inmitten des Bürgerkriegs. Was erwartet ihn dort?</figcaption></figure>
<h3>Die Verführten: Die Handlung</h3>
<p>Es ist 1864, der Bürgerkrieg in den USA tobt schon seit drei Jahren und wird noch ein weiteres dauern. Die wohlhabende Miss Martha (Nicole Kidman) hat in ihrem Gutshaus in Virginia einige Mädchen und junge Frauen aufgenommen und mithilfe der Lehrerin Edwina (Kirsten Dunst) deren Erziehung und Ausbildung übernommen. Sie führt ein gottesfürchtiges, strenges Regiment. Eines Tages findet eines der Mädchen im Wald einen verletzten Soldaten der Nordstaaten &#8211; einen Feind. Corporal McBurney (Colin Farrell) hat eine tiefe Wunde am Bein und wird bewusstlos ins Haus gebracht. Dort kümmern sich Miss Martha und Edwina um den Verletzten und versorgen seine Wunde &#8211; aus guter Christenpflicht. Nicht alle Mädchen sind damit einverstanden, doch nach ein paar Tagen haben sich alle mit der Anwesenheit des Soldaten arrangiert und werden neugierig auf den fremden Mann.</p>
<p>Vor allem die junge Alicia (Elle Fanning), die an der Schwelle zur Frau steht, sieht ihre Chance gekommen, ihre weiblichen Reize an McBurney auszuprobieren. Aber auch Mauerblümchen Edwina und die beherrschte Miss Martha haben Mühe, dem gut aussehenden Fremden mit seinen ausgezeichneten Manieren und seiner bescheidenen Dankbarkeit nicht allzu nahe zu kommen. Die Spannung unter den Frauen wächst stetig, während die Kampfhandlungen in der Ferne langsam abklingen &#8230;<br />
<iframe src="https://www.youtube.com/embed/o4l9ri9oTDM?ecver=1" width="1280" height="720" frameborder="0" allowfullscreen="allowfullscreen"></iframe></p>
<h3>Virtuose Bilder</h3>
<p>Obwohl Sofia Coppola eine ordentliche Menge Stars vor der Linse versammelt hat, ist der Star des Films doch der Herr über die Optik: Was Kameramann Phillipe Le Sourd (&#8222;Oscar-Nominierung für &#8222;The Grandmaster&#8220;) hier abliefert, könnte ihm wohl die nächste Nominierung einbringen. Wie ein Maler komponiert er Bilder der Wälder und Landschaften Virginias mit passendem Licht zu kleinen Kunstwerken. Und die machen mehr als deutlich, in welches Paradies der Soldat hier einbricht. Auch wenn die Ansicht im Verlauf der Handlung durchaus wechseln könnte, so wirkt er doch zu Beginn wie die Schlange, die als das Böse in eine unschuldige Welt einbricht.</p>
<p><em>Die Verführten</em> basiert auf dem Roman &#8222;A Painted Devil&#8220;, der keinesfalls zu der Zeit entstand, in der er spielt, sondern erst ein paar Jahre vor der ersten Verfilmung 1971 erschien. Er ist ganz bewusst in einer prüden Zeit angesiedelt und zeigt die Frauen hier zwar nicht als Opfer, aber doch als fühlende Wesen mit körperlichem Verlangen. Diesen schlafenden oder gerade erwachenden Riesen weckt McBurney durch seine bloße Anwesenheit. Die Jahre ohne Männer haben die Mädchen neugierig und die Frauen sehr empfänglich für das andere Geschlecht gemacht. Und der Korporal aus dem Norden hält dieses Feuer in Gestalt des brillant aufspielenden Colin Farrell stetig aufrecht.</p>
<h3>Ambivalenz statt Antworten</h3>
<p>Und so erstickt das Haus bald in Schwaden von Hormonen, während der Krieg, den man ohnehin nie sieht, sondern nur hört, in immer weitere Ferne rückt. Nutzt der berechnende McBurney die Frauen nur aus, um sich in Sicherheit zu bringen? Oder verfolgen einige der Frauen nicht doch eigene Ziele mit dem naiven Soldaten? Für die sie ihre Skrupel über Bord werfen? <em>Die Verführten</em> bleibt dank der dichten Inszenierung von Sofia Coppola stets ambivalent und gibt seine Antworten nicht leichtfertig preis.</p>
<figure id="attachment_2228" aria-describedby="caption-attachment-2228" style="width: 750px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-2228 size-large" src="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-1-1024x682.jpg" alt="Die Verführten" width="750" height="500" srcset="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-1-1024x682.jpg 1024w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-1-300x200.jpg 300w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-1-768x512.jpg 768w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-1-360x240.jpg 360w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-1-600x400.jpg 600w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-1.jpg 1400w" sizes="(max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-2228" class="wp-caption-text">Unter Etikette und Benimmregeln brodeln ungeahnte Kräfte in diesem von Frauen und Mädchen dominierten Haushalt.</figcaption></figure>
<p>Dazu kommt das feine Spiel der durchweg starken Schauspieler. Hier wird vieles mit einer Geste, einem Blick, einer Bewegung erzählt und nur wenig in gesprochenen Worten. Dabei hält der Film ständig die Spannung. Denn dass sich die sexuelle Atmosphäre früher oder später in unschönen Bahnen entlädt, deutet Coppola schon früh an. Und so gelingt Sofia Coppola eine fein beobachtete, immer interessante Verfilmung des Stoffes, der allerdings Aufmerksamkeit erfordert. Denn so schön sie die Geschichte erzählt, so spröde sind viele Szenen geraten. <em>Die Verführten</em> ist kein Film, der den Zuschauer in einen Sog aus Leidenschaft zieht. Coppola macht den Zuschauer nicht zum Teil der Handlung, sondern lässt ihn als kühlen Beobachter außen vor: nur zusehen, nicht anfassen.</p>
<p>Und das ist letztlich seine Schwäche: Der Film funktioniert auf ästhetischer und intellektueller Ebene großartig, hat aber Defizite dabei, die Zuschauer auch emotional zu packen. Das ist Regisseur Don Siegel mit seinem Star Clint Eastwood 1971 etwas besser gelungen. Dennoch dürften die amerikanischen Filmpreise des kommenden Jahres diesen Film wohl nicht übergehen. Denn einige Leistungen hier sind definitiv Oscar-Material.</p>
<h3>Fazit:</h3>
<p>Intelligentes Kunstkino, das mit seinen Bildern verzaubert und tollen Schauspielern seine Geschichte in Nuancen und Andeutungen erzählt. Ein wenig packender hätte er aber ausfallen dürfen. Dennoch ist er für Kinofans, die lieber die elegant geführte Klinge als den Granatwerfer sehen möchten, bislang eine der Empfehlungen des Jahres.&nbsp;</p>
<p><strong>Die Verführten startet am 29. Juni in den deutschen Kinos.</strong></p>
<p>Doch lieber Action? Am gleichen Tag startet auch der federleichte Actioner &#8222;<a href="https://lauterfilme.de/filmkritik-overdrive/">Overdrive</a>&#8222;.</p>
<p>Mehr Lacher? Die Komödie &#8222;<a href="https://lauterfilme.de/filmkritik-girls-night-out/">Girls Night Out</a>&#8220; läuft auch am 29. Juni an.</p>
<figure id="attachment_2229" aria-describedby="caption-attachment-2229" style="width: 750px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-2229 size-large" src="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-2-1024x682.jpg" alt="Die Verführten" width="750" height="500" srcset="https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-2-1024x682.jpg 1024w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-2-300x200.jpg 300w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-2-768x512.jpg 768w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-2-360x240.jpg 360w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-2-600x400.jpg 600w, https://lauterfilme.de/wp-content/uploads/2017/06/verf-2.jpg 1400w" sizes="(max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-2229" class="wp-caption-text">Spannung zum Greifen, ganz ohne Dialog: Die Schauspieler zeigen hier erstklassige Leistungen.</figcaption></figure>
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