Nun hat Amazon endlich die Katze aus dem Sack gelassen. Die „Herr der Ringe“-Serie wird im Zweiten Zeitalter von Tolkiens Fantasy-Kontinent Mittelerde spielen – und vielleicht nicht nur dort. Aber wann war überhaupt das Zweite Zeitalter? Und was ist da passiert, das für eine TV-Serie als Story taugen könnte? Hier gibt es Antworten.

Es ist ein schmales Brett, auf dem sich die Autoren der Herr der Ringe-Serie für Amazon Prime bewegen, soviel ist nun bekannt. Denn über das Zweite Zeitalter, das knapp 3500 Jahre dauerte und mit dem Beginn der Filme – der Schlacht am Schicksalsberg, bei der Sauron der Ring vom Finger geschlagen wurde, endete, steht im Roman Der Herr der Ringe kaum etwas. Daher haben die Drehbuchschreiber und Showrunner offenbar weitgehend freie Hand, was die Ausarbeitung möglicher Handlungsstränge für die Serie angeht. Drei große Themenbereiche kommen infrage.

Herr der Ringe-Serie

Gandalf wird in der Serie wohl nicht vorkommen, denn seine Rolle in Mittelerde beginnt erst um das Jahr 1000 des Dritten Zeitalters.

Herr der Ringe-Serie: Die Elben von Mittelerde

Eigentlich wollten die Valar, dass die Elben nach dem gewonnen Krieg gegen den abtrünnigen Valar Morgoth zurück in die Immortal Lands kommen, woher all Elben stammen. Doch viele der Elben bleiben und gründen mit Gil-Galad als ihren König die Stadt Lindon an der Westküste Mittelerdes. Dort liegen auch die Grauen Anfurten, von denen aus Frodo und Bilbo nach Westen segeln.

Im Verlauf der Jahrhunderte teilen sich die Elben weiter auf. Einige siedeln sich im Landstrich Eregion in der Nähe der Zwergenstadt Khazad-Dum (später Moria genannt) an. Auch der große Grünwald (später Düsterwald) und Lorien (später Lothlorien) werden von den Elben besiedelt. Die wichtigste Region aber ist Eregion, denn dort lebt Celebrimbor, der elbische Meisterschmied, der von den Zwergen und dem in Verkleidung erscheinenden Sauron so viel über Metallverarbeitung lernt, dass er die drei Elbenringe der Macht fertigt. Als die Elben erkennen, welchen Verrat Sauron begangen hat, indem er den Meisterring schmiedete, führen sie Krieg gegen ihn, dabei wird Eregion vernichtet.

Herr der Ringe-Serie

Minas Tirith könnte ihn der neuen Serie durchaus eine Rolle spielen – die Stadt ist alt genug.

Herr der Ringe-Serie: Die Insel Numenor

Das zweite große Thema des Zeitalters sind die Menschen. Weil viele von ihnen im Krieg gegen Morgoth geholfen haben, schenken ihnen die Valar eine Insel vor der Westküste Mittelerdes, die sie Numenor nennen. Dorthin kommen die Edain (Elbenfreund) genannten Menschen und gründen ihr Königreich, das mehr als 3000 Jahre bestehen soll.

In dieser Zeit erwerben die Menschen durch die Hilfe der Elben und Valar große Fähigkeiten. Und befinden sich kulturell auf dem Höhepunkt der ersten Drei Zeitalter. Durch ein weiteres Geschenk der Valar werden die Numenorer auch deutlich älter als die Menschen, die in Mittelerde geblieben sind und im Lauf der Zeit immer mehr unter Saurons Einfluss fallen. Als Sauron immer mehr an Macht gewinnt, entschließt sich der König von Numenor, gegen ihn zu Felde zu ziehen und nimmt ihn gefangen.

Doch Sauron hetzt im Lauf von Jahren den König gegen die Valar auf. Denn den Menschen ist es nicht erlaubt, gen Westen zu segeln, um die Immortal Lands zu erreichen. Während die Numenorer in Wut und Verblendung mit einer großen Flotte losfahren, um Krieg gegen die Valar zu führen, flieht der Valar-treue Elendil mit seiner Sippe nach Mittelerde und gründet dort die Königreiche Gondor im Süden und Arnor im Norden. Die Numenorer aber werden vom Zorn des Erschaffers Illuvatar getroffen. Numenor versinkt für immer im Meer und die Immortal Lands werden aus der Reichweite der Menschen gebracht.

Herr der Ringe-Serie

Die Entstehung der Ringgeister könnte ebenfalls ein Thema in der neuen Serie sein.

Herr der Ringe-Serie: Saurons Aufstieg und Fall

Nach dem Krieg gegen Morgoth ist dessen Diener Sauron zuerst schuldbewusst und will seine Taten wieder gut machen. Doch im Lauf der Jahrhunderte wird er erneut von der Gier nach Macht korrumpiert und verfolgt finstere Pläne. Er zieht mit den unterjochten Orks und Menschen nach Osten und gründet sein eigenes Reich – Mordor. Dort lässt er den Bau der Festung Barad-Dur beginnen, der 600 Jahre dauern soll. 

Dann erschleicht er sich das Vertrauen der Elben von Eregion und bringt den Schmieden dort sein Wissen bei. Diese schmieden die Ringe der Macht für Zwerge und Menschen – und Sauron erschafft heimlich den Einen Ring, der alle anderen Ringe zu beherrschen vermag. Es kommt zum Krieg mit den Elben von Eregion, deren Land dabei verwüstet wird. Der überlebende Halbelb Elrond flüchtet daraufhin nach Norden und gründet Bruchtal. Dort wird er drei Jahre lang von Saurons Truppen belagert, bis die Zwerge aus Khazad-Dum ihm zur Hilfe kommen und die Orks vertreiben.

Sauron wird aber von dem gemeinsamen Heer aus Elben und Numenorern besiegt. Erst Jahrhunderte später, als sein Reich Mordor längst riesig geworden ist, wird er von den Numenorern gefangen und auf deren Insel gebracht. Die Numenorer, die insgeheim längst neidisch auf die Unsterblichkeit der Elben sind, lassen sich von Sauron zum Angriff auf die Immortal Lands überreden – und gehen durch den Zorn Illuvatars unter. Sauron kann fliehen und greift mit seinen Orks bald Gondor an. In einem letzten Bündnis schließen sich Elben und Menschen unter den Königen Gil-Galad und Elendil zusammen und greifen Sauron in Mordor an. Am Schicksalsberg sterben zwar beide Monarchen. Doch Elendils Sohn Isildur schlägt Sauron den Meisterring vom Finger – und das Dritte Zeitalter beginnt.

Herr der Ringe-Serie

Aragorn wird in der Serie nicht auftauchen, seine Urahnen womöglich schon.

Herr der Ringe-Serie: Eine oder alle?

Alle diese Geschichten könnten in der neuen Serie eine Rolle spielen. Aber ob die beiden Showrunner JD Payne und Patrick McKay die 3500 Jahre als eine lange Saga über fünf Staffeln erzählen oder jede Staffel eine in sich abgeschlossene Storyline hat, darüber schweigen sich die Macher bislang noch aus. Denkbar wäre sicher beides, spannender vermutlich eine lange Saga über fünf Staffeln. Die chronologisch die wichtigsten Ereignisse des Zweiten Zeitalters erzählt.

Eine Schwäche hat die Serie in jedem Fall. Da die Vorgeschichte – das Erste Zeitalter – nicht erzählt werden darf, weil die Rechte nicht vorliegen, fehlt einfach etwas. So richtig klar werden manche Zusammenhänge nicht, dazu fehlt zu viel Vorwissen bei den Zuschauern. Falls irgendwann einmal das Silmarillion zur Umsetzung freigegeben würde, hätte man dann die ganze Tolkien-Saga von hinten nach vorn erzählt.

Herr der Ringe-Serie: Wer wäre dabei?

Über Schauspieler zu spekulieren, macht zum jetzigen Zeitpunkt wenig Sinn. Angepeilt ist angeblich der Drehbeginn Ende 2019, vermutlich hat das Casting noch nicht begonnen. Aber welche historischen Figuren auftauchen könnten, darüber lässt sich bereits spekulieren. Von den bekannten Figuren aus dem Herrn der Ringe und dem Hobbit gibt es im Zweiten Zeitalter bereits Elrond, den Halbelben. Dessen Flucht aus Eregion auch eine gute Story für die Serie abgeben würde. Allerdings dürfte Hugo Weaving aufgrund seines Alters wohl nicht mehr für die Rolle infrage kommen.

Auch Galadriel, die Herrin von Lorien, könnte in der Serie eine große Rolle spielen, denn sie ist die Mitbegründerin von Eregion. Außerdem ist sie als Trägerin des Elbenrings Nenya, den Ring des Wassers, eine extrem mächtige Figur, die Sauron in Lorien über mehr als 4000 Jahre auf Abstand halten konnte. Cate Blanchett erneut in der Rolle zu sehen, wäre aus Gründen der Kontinuität zwar großartig, aber wenig wahrscheinlich.

Herr der Ringe-Serie: Neue Helden, alte Schurken

Elendil, der Stammvater der Dunedain, kommt zwar im Herrn der Ringe-Film nur kurz am Anfang vor. Er könnte in der Serie aber ein wichtiger Charakter werden, wenn es um den Untergang Numenors geht. Da seine Sippe der Katastrophe entkommt, gründet er neue Königreiche der Menschen in Mittelerde, was sich sicher sehr spannend erzählen ließe. Sollte die Serie tatsächlich chronologisch erzählt werden, wäre er als Hauptfigur für die beiden letzten Staffeln durchaus wahrscheinlich.

Auch Celebrimbor, der Meisterschmied der Eregion-Elben, hat in den Filmen bislang keine Rolle gespielt (Videospieler kennen den Charakter aus „Mordors Schatten“), dürfte in der Serie aber  eine große Bedeutung haben. Denn es wird sich sicher mindestens eine Staffel mit der Erschaffung der Ringe der Macht beschäftigen – und daran hat Celebrimbor großen Anteil. In der Geschichte stirbt er unter Saurons Folter, weil er sich weigert, das Versteck der drei Elbenringe zu nennen. Ein echter, tragischer Held für eine TV-Serie.

Und schließlich bräuchte auch Sauron selbst mehrere Darsteller, denn im Zweiten Zeitalter tritt er in unterschiedlichen Verkleidungen in Erscheinung. Als unsterblicher Maia wäre er in allen fünf Staffeln eine Hauptfigur, da seine Taten über die gesamten 3500 Jahre immer wieder große Bedeutung für die Geschichte Mittelerdes haben. 

Herr der Ringe-Serie

Auch Thorin wird in der Serie keine Rolle spielen, Zwerge könnten aber durchaus dabei sein.

Fazit:

Für all diese Geschichten gilt, das Tolkien oft nur wenige Sätze über sie verloren hat. Das lässt zwar viel Freiraum für die Drehbuchautoren, birgt aber auch das Risiko, dass viele Fans Tolkiens die Serie nicht als echte Mittelerde-Story wahrnehmen. Amazon muss sehr aufpassen, dass sie den Geist der Vorlage nicht zu sehr verändern. So werden blutige Schlachten oder gar Sex-Szenen auf keinen Fall eine Rolle spielen dürfen. Für „Game of Thrones“-Fans wird die Mittelerde-Saga also sicher nicht das Richtige sein.

Eine Chronik des Zweiten Zeitalters über fünf Staffeln in der Machart vom Herrn der Ringe wäre aber sicherlich gut vorstellbar. Denn die Filme kommen ja ohne extreme Brutalität und Sex wunderbar aus. Und zu erzählen gibt es in 3500 Jahren mit Sicherheit genug. Die oben ausgeführten Ereignisse sollten dann auch alle dabei sein.

 

Herr der Ringe-Serie

Mit Hobbits sollten die Fans nicht rechnen, sie betreten erst mit Bilbo erstmals die große Bühne der Geschichte von Mittelerde.

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