Seit der Internet-Riese Amazon verkündet hat, die Rechte an einer Herr der Ringe-Serie erworben zu haben, schießen die Gerüchte ins Kraut. Denn offenbar wird trotz des Namens nicht etwa die aus den drei Kinofilme bekannte Handlung neu erzählt. Stattdessen sollen „andere Geschichten“, die bislang nicht verfilmt wurden, im Mittelpunkt stehen. Aber welche könnten das sein? Lauterfilme.de spekuliert.

Amazon und die Tolkien Estate, die über das Werk des Autors wacht, haben erklärt, dass die Serie sich mit Storylines beschäftigen werde, die vor dem Herrn der Ringe spielen. Möglich wurde das wohl nur, weil Christopher Tolkien, der inzwischen 93-jährige Sohn des Erfinders der modernen Fantasy-Literatur, sich bereits im August als Direktor der Tolkien Estate zurückgezogen hat. Er ist bekanntermaßen kein Fan der Filme von Peter Jackson und war stets unnachgiebig, was den Verkauf weitere Rechte an den Geschichten seines Vaters anging. Andere Familienmitglieder, die noch im Estate verbleiben, gelten als offener gegenüber Angeboten aus der Film- und TV-Industrie. Das scheint sich nun bewahrheitet zu haben, denn den Deal mit Amazon dürften diese Erben durchgewunken haben.

Herr der Ringe-Serie

Gandalf könnte in der Serie zwar vorkommen, aber kaum in einer Hauptrolle. Seine Rolle beschränkte sich oft auf die eines Beraters, er selbst trat vor der Reise zum Erebor nur selten aktiv in Erscheinung.

Welche Inhalte kommen infrage?

Gerüchte besagen, dass ein Vertrag über fünf Staffeln mit einer möglichen Spin-off-Serie abgeschlossen wurde. Über eine Episodenzahl ist jedoch noch nichts bekannt. Da lässt sich eigentlich nur ausschließen, dass sich die Serie um das Erste Zeitalter Mittelerdes dreht. Denn diese Geschichten sind Inhalt des „Silmarillion„, jenem Buch, das im Deal mit Amazon nicht eingeschlossen ist. Dort erzählt  J.R.R. Tolkien den Beginn seiner Saga, die Entstehung der Welt, die Entstehung der verschiedenen Völker unter dem Schutz der Valar und dem großen Krieg zwischen Morgoth, einem abtrünnigen Valar, und den Elben, denen er einen wertvollen Schatz geraubt hat, bevor er nach Mittelerde flieht.

In jenes Zeitalter fallen auch die beiden Romane, die Christopher Tolkien in den vergangenen Jahren noch auf den Markt brachte: „Die Kinder Hurins“ und „Beren und Luthien“. Da sie ebenfalls zu Zeiten des Silmarillions spielen, dürften auch sie für eine Verfilmung tabu sein.

Aus der Handlung des Herrn der Ringe lassen sich ebenfalls keine großen, neuen Geschichten ableiten, denn Jackson ließ zum einen nur wenige Teil aus (wie Tom Bombadil oder die Rettung des Auenlandes), und die spielen nicht vor, sondern während der restlichen Handlung. Also bleiben eigentlich nur die Anhänge, die sich am Ende des dritten Bandes befinden. Die allerdings beinhalten eine  unglaubliche Menge an Storys – in der Theorie.

Denn hier werden lediglich Ereignisse aus dem Zweiten und Dritten Zeitalter wie in einem Geschichtsbuch mit Jahreszahl aufgelistet. Meist steht zum entsprechenden Eintrag nur ein Satz. Daraus lassen sich natürlich viele Handlungen entwickeln, aber ob Amazon tatsächlich so viel Freiheiten bekommen hat, ist unklar. Und nach dem bisherigen Gebaren der Tolkien Estate scheint es unwahrscheinlich, dass neue Autoren sich aufgrund eines einzelnen Satzes von Tolkien eine ganze Staffelhandlung ausdenken dürfen. Aber welche Möglichkeiten bleiben dann?

Herr der Ringe-Serie

Minas Tirith wartete fast 1000 Jahre auf einen neuen König von Gondor.

Herr der Ringe-Serie: Aufstieg und Fall Gondors

Ein großes Thema, das sich durch das Ende des Zweiten und das gesamte Dritte Zeitalter zieht, ist das Schicksal Gondors. Das Zeitalter beginnt mit dem Sieg über Sauron, dem Isildir den Einen Ring vom Finger schneidet und ihm so seine Macht nimmt. Doch weil der junge König von Gondor den Ring nicht zerstört, sondern für sich behält, gilt sein Geschlecht als verflucht. Eine Tatsache, mit der sich Aragorn noch 3000 Jahre später beschäftigen muss. 

Zudem könnte die Serie auch von den langen Kriegen erzählen, die Gondor mit den östlichen Völkern wie den Haradrim führte, was deren Feindschaft und Hilfe für Sauron im Ringkrieg erklären würde. Und natürlich könnte der ständige Kampf gegen das immer stärker werdende Mordor ein Thema dieser Storyline sein. Denn Osgiliath, in den Filmen bereits eine aufgegebene Ruinenstadt, war einst eine blühende Festung Gondors und Hauptstadt des Reiches, fiel  aber schon mehr als tausend Jahre vor den Ereignissen im Herrn der Ringe. Schließlich könnte die Serie erzählen, wie die Herrschaft der Könige von Gondor endete und die Truchsesse die Macht im Reich übernahmen – der Status Quo, der auch in den Filmen noch Bestand hat.

Wahrscheinlichkeit: Hoch! Diese epische Story würde sich tatsächlich als Grundhandlung für mehrere Staffeln gut eignen, die dann zusätzlich noch andere, zeitlich passende Geschichten erzählen könnten. 

Herr der Ringe-Serie

Vor tausenden von Jahren gründete der oberste der Ringgeister für seinen Herrn Sauron das böse Reich von Angmar.

Herr der Ringe-Serie: Der Kampf gegen Angmar

Das Königreich von Angmar wurde vom Hexenkönig beherrscht, den Anführer der Ringgeister, und bestand etwa 700 Jahre. Es fällt etwa 1000 Jahre vor den Ereignissen des Romans. Tolkien erzählt zwar nicht ausführlich, wie das Reich ensteht und wieder zerstört wird, aber es finden sich doch längere Absätze dazu in den Anhängen. Angmar profitiert von der Schwäche der drei nördlichen Königreiche der Menschen, die aus dem Reich Arnor hervorgehen. Dieses Königreich der Menschen wird etwa zur gleichen Zeit wie Gondor gegründet, zerfällt aber durch Erbstreitigkeiten bald in drei Teile – und die können den Aufstieg des Hexenkönigs nicht aufhalten.

Alle drei Reiche werden im Lauf der Jahrhunderte vom obersten Nazgul erobert oder übernommen, bis ein gemeinsames Heer aus Gondor und Elben aus Lindon, einem Gebiet westlich des Auenlandes, die Armee des Hexenkönigs besiegt und Angmar damit faktisch zerschmettert. Angeführt wird die Schlacht vom letzten König Gondors für mehr als 1000 Jahre – Earnur.

Wahrscheinlichkeit: Hoch! Da der Hexenkönig, wie sein Herr Sauron, nicht nur mit militärischer Macht, sondern auch Intrigen und Listen arbeitet, könnte Angmar ähnlich wie „Game of Thrones“ eine düstere Geschichte von Verrat und Gewalt erzählen. Perfektes Futter für Fantasyfans!

Herr der Ringe-Serie

Aragorn ist der letzte seiner Blutlinie, die von den Numenorern abstammt.

Herr der Ringe-Serie: Die Geschichte von Numenor

Mit dieser Story würden sich die Macher nahe ans Erste Zeitalter begeben, denn die Valar schufen aus Danke für die Menschen, die ihnen gegen Morgoth zur Seite gestanden hatten, eine Insel tief im westlichen Meer und gaben sie ihnen nach der Zerstörung des westlichen Mittelerdes als neue Heimat. Das Reich überdauerte mehr als drei Jahrtausende und brachte die Menschen auf den Zenit ihrer Kultur, zudem wurden sie von den Valar mit einer sehr langen Lebensdauer belohnt, was Aragorns Alter erklärt, der in direkter Linie von den Numenorern abstammt.

Schließlich werden die Menschen der Insel aber neidisch auf die Elben, die im Gegensatz zu ihnen das Geschenk der Unsterblichkeit erhalten haben und auch die Unsterblichen Lande, die Heimat der Valar, besuchen dürfen, was den Numenorern verboten ist. Und so wenden sich die Menschen gegen die Valar und verehren ihren Feind Morgoth, weshalb die mächtigen Wesen Numenor vernichten. Die wenigen Überlebenden segeln gen Osten und gründen Arnor und Gondor.

Wahrscheinlichkeit: gering. Tolkien schrieb nur wenig über dieses Reich in den Anhängen. Im Silmarillion stünde etwas mehr, aber das steht nicht zur Verfügung. Daher dürfte Numenor wohl nur am Rande vorkommen und als Herkunftort der westlichen Königreiche der Menschen eine kleine Rolle spielen.

Herr der Ringe-Serie: Das Entstehen der Ringe

Die Ringe der Macht entstanden im Zweiten Zeitalter in Eregion, westlich des Nebelgbirges. Dort lebten Elben, die mit den Zwergen von Khazad-Dum (später Moria) in Freundschaft lebten. Sauron erschlich sich um 1500 ZA, also etwa 4500 Jahre vor den Ereignissen im Roman, das Vertrauen der Elben dort und brachte ihren Schmieden bei, was er selbst von Aule, dem Valar der Schmiedekunst, gelernt hatte. Celebrimbor, der Meisterschmied der Elben, stellt schließlich die drei Elbenringe her, bemerkt aber Sauron Verrat, der heimlich den Meisterring angefertigt hatte, und gibt die Ringe weiter. Sauron übt deshalb furchtbare Rache an Celebrimbor, als er um 1700 Eregion angreift und erobert. Er erbeutet dort neun Ringe, die er den Menschenkönigen schenkt – wodurch über Jahrhunderte die Ringgeister entstehen. Elrond, Überlebender des Krieges von Eregion, gründet Bruchtal.

Wahrscheinlichkeit: Hoch! Wenn sich die Serie einer Story aus dem Zweiten Zeitalter annehmen sollte, dann dieser. Auch hier gibt es neben gewaltigen Schlachten mit Elben, Zwergen und Menschen jede Menge Intrigen durch den durchtriebenen Sauron, während er sich langsam von einem Diener Morgoths zu neuen Lord des Bösen entwickelt. Und tragische Figuren wie Celebrimbor sind auch dabei.

Herr der Ringe-Serie

Welche Abenteuer erleben die Zwerge nach dem Tod von Thorin bei ihrem Versuch, Moria zurückzuerobern? Dieser Frage könnte eine der Staffeln der neuen Serie nachgehen.

Herr der Ringe-Serie: Die Geschichte von Moria

Die Geschichte ließe sich besonders gut in zwei Staffeln erzählen. Um 1980 des Dritten Zeitalters unterläuft den Zwergen von Khazad-Dum ein verhängnisvoller Fehler. In ihrer Gier nach Mithril graben sie so tief, dass sie einen Balrog, ein von Morgoth geschaffenes dämonisches und sehr mächtiges Wesen, erwecken. Und der Balrog vertreibt die Zwerge aus ihrem größten Reich.

Etwa 1000 Jahre später betritt Balin mit einigen Getreuen das einst prächtige Stadt der Zwerge und versucht sie zurückzuerobern. Der Roman deckt auf, dass ihm das nicht gelungen ist, lässt aber Raum für eine spannende, tragische Geschichte rund um die etwa fünf Jahre, in denen Balin das Unmögliche versucht. Zwar sind die groben Ereignisse aus Buch und Film bekannt, aber da ließe sich sicher mehr erzählen.

Wahrscheinlichkeit: Mittel. Zwar wäre die Story wie gemacht für spannende Unterhaltung und reichlich unterirdische Monster  – aber sicher deshalb auch nicht ganz billig. Dazu gehören die Zwerge nicht unbedingt zu den beliebtesten Völkern der Tolkien-Fans. Dafür spräche hingegen, dass Moria einen sehr direkten Bezug zu den Ereignissen im Herrn der Ringe hat.

Fazit:

Für all diese Geschichten gilt, das Tolkien oft nur wenige Sätze über sie verloren hat. Das lässt zwar viel Freiraum für die Drehbuchautoren, birgt aber auch das Risiko, dass viele Fans Tolkiens die Serie nicht als echte Mittelerde-Story wahrnehmen. Amazon muss sehr aufpassen, dass sie den Geist der Vorlage nicht zu sehr verändern. So werden blutige Schlachten oder gar Sex-Szenen auf keinen Fall eine Rolle spielen dürfen. Für „Game of Thrones“-Fans wird die Mittelerde-Saga also sicher nicht das Richtige sein.

Vermutlich werden die Macher sich an besonderen Momenten der Mittelerde-Historie festhalten und möglichst auch bekannte Figuren wie Gandalf, Galadriel oder Elrond miteinbeziehen. Aber es gäbe auch genug Raum für neue Helden wie Earnur, Glorfindel oder Celebrimbor. Fakt ist aber auch: Ohne die Rechte am Silmarillion ist es einer TV-Serie schlicht nicht möglich, die vollständige Saga Tolkiens, deren Ende Der Herr der Ringe darstellt, zu erzählen. Daher wird auch die Herr der Ringe-Serie von Amazon unvollendet bleiben.

Welche Story aus der Geschichte Mittelerdes sollte Ihrer Meinung nach unbedingt Teil der neuen Herr der Ringe-Serie werden?

Herr der Ringe-Serie

Mit Hobbits sollten die Fans nicht rechnen, sie betreten erst mit Bilbo erstmals die große Bühne der Geschichte von Mittelerde.

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