DC bläst zum Angriff. Mit dem eigenen Streaming-Dienst „DC Universe“ präsentiert die Time-Warner-Gruppe einen reinen Superhelden-Kanal, dessen erstes großer Wurf die Serie „Titans“ werden sollte. Kurz vor Weihnachten endete die erste Staffel in den USA nach elf Folgen, nun startet die Serie im Rest der Welt bei Netflix. Kann die Story, in dessen Zentrum Batmans erster Sidekick Dick Grayson alias Robin steht, die Fans überzeugen?

Als die Teen Titans, wie sie damals hießen, 1964 erstmals das Licht der Comic-Welt erblickten, waren sie ausschließlich mit Sidekicks bereits bekannter Helden des DC-Universums bestückt. Neben Robin waren Kid Flash, Aqualad und etwas später auch Wonder Girl dabei. Ein Riesenhit waren sie nicht. Das änderte sich erst, als 1980 Autor Marv Wolfman und Zeichner George Perez sich der Titans annahmen und als The New Teen Titans einen 16 Jahre andauernden Erfolg anstießen. Kann die Serie daran anschließen?

Titans

Dick Grayson hat seinen Mentor Batman verlassen und jagt auf eigene Faust böse Buben.

Titans: Die Handlung

Dick Grayson (Brenton Thwaites) hat seinen Mentor Batman verlassen und als Cop in Detroit angeheuert. Dort trifft er bald auch die junge Ausreißerin Rachel (Teagan Croft), die ihm vom Mord an ihrer Mutter erzählt und ihn überzeugen will, dass sie von einer geheimnisvollen Organisation verfolgt wird. Grayson glaubt ihr erst, als das Mädchen vor seinen Augen aus dem Polizeirevier entführt wird und Dick sie nur unter großen Mühen befreien kann. Zunächst bringt er sie zu seinen alten Verbündeten Hawk (Alan Ritchson) und Dove (Minka Kelly).

Doch auch dort ist das Mädchen nicht lange sicher. Gut, dass die schwarze Amazon Kori (Anna Diop) auftaucht, die zwar keine Erinnerungen daran hat, wer sie ist, aber doch eine Sache weiß. Sie muss Rachel vor etwas beschützen. Gemeinsam mit dem vierten Mitglied der neuen Teams, dem Gestaltwandel Gar (Ryan Potter), versuchen Dick und Kori, das Rätsel um die Fähigkeiten und Herkunft Rachels zu lösen. Bald müssen sie erkennen, dass es um die Zukunft der ganzen Welt geht, die nun in ihren Händen liegt …

Titans: Harter Stoff

Wer das bisherige TV-Serien-Universum des Comic-Verlags kennt – auch „Arrowverse“ genannt – muss umdenken. Zwar ist mit Greg Berlanti auch bei den Titans der kreative Kopf dieser Serien dabei, aber die neuen Helden haben eine deutlich düsterere und brutalere Handschrift als die anderen Shows, die in den USA bei The CW laufen. Das liegt auch an der Story, die sich die Macher für den Auftakt der neuen Serie ausgesucht haben. Sie beginnen mit der ersten Geschichte aus dem berühmten Wolfman/Perez-Run – der Saga um den Dämonen Trigon, Rachels Vater.

Zwar wird hier nur die Grundidee genutzt, aber die Geschichte ist eben eine Art „Superhelden treffen auf den Exorzisten“. Und dementsprechend blutig und mitunter gruselig geht es hier zu. Allerdings unterbrechen die Autoren immer wieder den Hauptplot mit Episoden, die nur am Rande oder gar nicht mit der Trigon-Saga zu tun haben. So erinnert Titans ein wenig an die erste Staffel von „Star Trek: Discovery“, die ebenfalls eine Hauptstory erzählten, aber immer wieder auch für sich stehende Einzelfolgen einbauten.

Titans

Die junge Rachel ist der Schlüssel zu einer mythischen Bedrohung der Welt durch böse Mächte.

Titans: Wimmelbilder für DC-Fans

Was schnell klar wird: Titans ist ausschließlich für Comic-Fans gedacht. Wer mit dem DC-Universum oder Superhelden überhaupt bislang nichts zu tun hatte, für den ist die Serie eher ungeeignet, da sie einfach sehr viel voraussetzt. Zudem ist die Geschichte voller typischer Comic-Momente, die nicht unbedingt einer logischen Überprüfung standhalten. Wer sonst also nur realistische Crime-Serien oder Dramen mit ausführlichen Charakterzeichnungen schätzt, ist hier völlig falsch. Titans ist ein fleischgewordener Comic.

Dem allerdings die kinoreifen Spezialeffekte fehlen. Die Macher geben sich sichtlich Mühe, dass der Zuschauer das der Serie nicht ansieht. Und in den Actionsequenzen, die ohne den Einsatz von CGI auskommen, gelingt das auch sehr gut. Die Kampf-Choreografien erreichen zwar nicht ganz die Brillanz von „Daredevil“ oder „The Punisher“, den Marvel-Serien bei Netflix, sind aber dennoch gelungen und wirken sehr glaubhaft. Dazu sind sie sauber und dynamisch geschnitten und machen so wenig Mühe, das Geschehen zu verfolgen.

Titans: Nicht alles Gold

Aber die Verwandlung Gars in einen grünen Tiger oder brennende Gebäude können mit dem guten Eindruck nicht ganz mithalten und überzeugen als computergenerierte Effekte selten. Dazu brechen die Drehbücher unter den Unmengen von Anspielungen und Einführungen weiterer DC-Helden und Schurken fast auseinander. So dient die Episode vier im Wesentlichen der Einführung der neuen Serie „Doom Patrol“ als Backdoor-Pilot und bringt die Titans nur wenig voran. Und in Folge sechs lernt das Publikum gemeinsam mit Dick dessen Nachfolger Jason Todd als Robin II kennen.

Titans

Heldin Dove ist gewillt, ihrem ehemaligen Freund Dick zu helfen – doch um welchen Preis?

Dessen dunkle Comic-Historie wird dabei ebenso schon angelegt wie weitere ikonische Momente aus den Superhelden-Heften. Dazu zeigen die Autoren in der besten Folge einen überzeugenden Ausflug in DCs „Elseworld“-Universum, in der bekannte Figuren in alternative Szenarien geworfen werden. Hier geben sie derart viele bekannte Figuren aus dem Batman-Universum die Hand, dass Kenner mit dem Zählen kaum nachkommen. Und für „Castle“-Fans bietet die Folge auch noch etwas. Allerdings endet die Serie auch mit einem fiesen Cliffhanger.

So zeigt Titans in den bisherigen elf Folgen Licht und Schatten. Für Comicfans überwiegt klar das Licht. Wer sich nicht in dieses Lager zählt, der wird nur wenig Freude an der neuen Serie haben. Weil er schlicht keine der vielen Anspielungen versteht. Die Macher zeigen aber viel Mut, denn Titans läuft mit Fug und Recht bei DC Universe in den USA. Hier wird wirklich das ganze Universum der Comic-Helden geöffnet, wohl auch, um weitere mögliche Spin-Offs auszuloten. Die in Deutschland vermutlich auch bei Netflix laufen werden. Eine zweite Titans-Staffel ist ebenfalls schon bestellt.

Fazit:

Kaum eine Serie ist so derartig auf Comic-Fans abgestellt wie die Titans, die erste Show des DC-eigenen Streaming-Dienstes. Denn das Team um Robin, Starfire, Raven und Changeling begegnet vielen Kollegen und Schurken, hauptsächlich aus der Batman-Abteilung von DC. Und die Serie erzählt sehr frei auch noch die erste Saga der erfolgreichsten Teen Titans-Zeit der Comics nach. Wer sich mit alldem auskennt und das Medium liebt, der hat hier entsprechend viel Spaß. Für alle anderen ist die Serie eher düster-bunter Quatsch ohne viel Tiefgang.

Titans startet am 11. Januar 2019 bei Netflix.

Gesehen: Elf von elf Folgen

Titans

Kann Dick sein neues Team sicher durch alle Gefahren führen?

 

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*