Philip K. Dick gilt als einer der wegweisendsten Science-Fiction-Autoren des vergangenen Jahrhunderts. Der britische Sender Channel 4, der bereits „Black Mirror“ schuf, hat sich nun der besten Kurzgeschichten Dicks angenommen und mit „Electric Dreams“ eine Anthologie-Serie draus gemacht. Und die läuft in Deutschland exklusiv bei Amazon Prime. Kann sie ebenso überzeugen wie die Kinohits nach Dicks Werken?

Jeder kennt den „Blade Runner“, viele haben „Total Recall“ gesehen und auch „Minority Report“ gilt als großer Science-Fiction-Film von Steven Spielberg. All diese Filme haben eins gemeinsam: Sie basieren auf Erzählungen des US-Autors Philip K. Dick, der 1982 im Alter von nur 53 Jahren starb. Neben seinen zahlreichen Romanen schuf der fleißige Schreiber aber auch mehr als 100 Kurzgeschichten, die zum Teil ebenfalls große Berühmtheit erlangten. Zehn von ihnen wurden nun von Channel 4 in eine erste Staffel von Electric Dreams gegossen. Eine gute Idee?

Electric Dreams

Irma ist über 300 Jahre alt und möchte einmal die Erde sehen – wird sie es schaffen?

Electric Dreams: Die Handlung

Drei Episoden zeigte Amazon vorab.

Der unmögliche Planet (basiert auf „Der unmögliche Planet“ von 1953)

Der junge Brian (Jack Reynor, „Sing Street“, „Free Fire„) hält sich als Tourguide über Wasser. Eines Tages steht eine uralte Frau (Geraldine Chaplin) vor ihm. Sie reist mit ihrem Robot-Diener und bietet Brian und dessen Partner ein Vermögen, wenn sie die alte Dame zur Erde fliegen. Dabei weiß doch jeder, dass die Erde nur ein Mythos ist und nie wirklich existiert hat …

Der Pendler (basiert auf „Der Pendler“ von 1953)

Ed (Timothy Spall) arbeitet in England bei der Bahn und würde ein schönes Leben führen, wenn sein Sohn nicht so viele Probleme mit seiner Psyche hätte. Der junge Mann belastet das Familienleben stark. Als Ed eines Tages bei Nachforschungen über seltsame Passagiere einen Ort entdeckt, den es eigentlich gar nicht gibt, erlebt er wundersame Dinge. Doch als er danach nach Hause zurückkehrt, ist sein Sohn nicht mehr da …

Das Vater-Ding (basiert auf „Das Vater-Ding“ von 1954)

Der junge Charlie liebt seinen Vater (Greg Kinnear) über alles. Ihr gemeinsames Hobby Baseball verbindet die beiden, dazu verbringt Charlies Vater mit ihm viel Zeit beim Zelten. Eines Nachts fallen seltsame Lichter vom Himmel und wenig später muss Charlie beobachten, wie sein Vater in der Garage von einem Duplikat attackiert und ersetzt wird. Das Ding, das wie sein Vater aussieht, scheint Übles im Schilde zu führen …

Electric Dreams: Dicks Handschrift bleibt

Auch wenn die Episoden auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, so sind sie doch alle unverkennbar von Philip K. Dick geschrieben worden. Denn der Autor, der sich weniger mit Technik, als vielmehr mit den großen Fragen des Lebens beschäftigte, hat das auch in diesen Storys getan. Was bedeutet es, ein Mensch zu sein? Diese Frage stellte sich Dick nicht nur in Blade Runner, sondern auch in vielen anderen seiner Werke. Die andere große Frage lautete: Was ist Realität? Dick, der davon überzeugt war, dass er regelmäßig Blicke in andere Daseinsebenen werfen konnte, stand dem, was man gemeinhin unter Realität verstand, sehr skeptische gegenüber – und das war auch seinen Geschichten anzumerken.

Daneben nahm er auch stets aktuelle Strömungen auf, so ist beispielsweise Das Vater-Ding klassische Invasions-Angst, geprägt vom Kalten Krieg der 50er Jahre und sehr ähnlich zu Sci-Fi-Klassikern wie „Die Dämonischen“. Aber sowohl Der unmögliche Planet als auch Der Pendler sind typische Dick-Storys, in denen schwer auszumachen ist, was wirklich real ist – und was nur in den Köpfen der Charaktere geschieht.

Electric Dreams

Was ist das für ein Wesen, dass wie Charlies Vater aussieht?

Electric Dreams: Viele Stars an Bord

Offenbar erfreut sich der Schriftsteller auch unter Schauspielern noch großer Beliebtheit, denn Channel 4 hatte keine Mühe, etliche Stars zu verpflichten, die in einzelnen Episoden mitspielen. So beispielsweise Richard Madden aus „Game of Thrones“, Bryan Cranston aus „Breaking Bad“ oder Greg Kinnear aus „Besser geht’s nicht“. Für die Qualität der Folgen ist das natürlich sehr zuträglich, denn die Stars erledigen ihren Job allesamt sehr gut und hauchen den meist tragischen Helden Leben ein.

Dennoch merkt man den Geschichten ihr Alter zum Teil an, manche Plots wirken heute leicht angestaubt. Dazu kommt, dass einige von ihnen selbst für 45 Minuten wenig Handlung bieten und doch sehr langsam und unaufgeregt erzählt sind. Da hat die neue Staffel von „Black Mirror“ in Sachen Dynamik und Abwechslung doch etwas mehr zu bieten. Schlecht ist hier dennoch nichts, auf manche Folgen muss sich der Zuschauer aber einfach einlassen, sondern könnte er sich langweilen. Denn das Publikum so richtig zu fesseln, das gelingt keiner der drei vorab gezeigten Episoden. Dazu hat man die oft von Philip K. Dick erdachten Ideen inzwischen anderswo viel zu oft gesehen. Und das meist spannender.

Fazit:

Electric Dreams präsentiert Science-Fiction-Fans klassische Kurzgeschichten des brillanten Schriftstellers Philip K. Dick auf gutem, aber nicht bahnbrechenden Niveau. Manches ist einfach zu altbacken und ruhig erzählt, um wirkliche Spannung oder unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Den Intellekt und die Phantasie sprechen die zum Teil fast 70 Jahre alten Erzählungen aber immer noch an. Ein Muss für Fans, ein Kann für den Rest.

Philp K. Dick’s Electric Dreams ist ab dem 12. Januar 2018 bei Amazon Prime zu sehen.

Sci-Fi bei Netflix gibt es auch: Die Kritik zu Black Mirror Staffel 4.

Electric Dreams

Auch in einer Stadt, die es nur beinahe gibt, wird gespielt.

 

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*