Da ist sie nun, die vierte Netflix-Serie mit einem Marvel-Superhelden. Der letzte des Quartetts, das Ende 2017 als „Defenders“ gegen die böse Sigourney Weaver zu Felde ziehen soll, bekommt nun seine eigene Einführungs-Staffel: Martial-Arts-Spezialist Danny Rand alias Iron Fist. Ab 17. März ist die Staffel komplett auf Netflix zu sehen.

Als Netflix vor einigen Jahren ankündigte, mit Disney einige Deals zu Marvelserien abgeschlossen zu haben, staunten die Comicfans nicht schlecht ob der Auswahl, die Netflix getroffen hatte. Da war Daredevil, einer der beliebtesten Helden des Marvel-Universums, seit sich der junge Frank Miller 1981 des blinden Anwalts annahm und mit der Elektra-Saga eine der bis heute besten und wichtigsten Storys der ganzen Serie erzählte. Nachvollziehbare Wahl, trotz des Kinodebakels mit Ben Affleck. Aber der Rest? Jessica Jones? Kaum bekannte Figur. Luke Cage? War zuletzt in den späten 70ern so etwas wie beliebt. Und Iron Fist? Ein Kung-Fu-Held, der seine Kräfte aus einem mythischen Kloster in einer anderen Dimension erhielt, indem er einen Drachen tötete? Das war wohl die mit Abstand seltsamste Wahl, die Netflix traf – „cheesy“ ist das Wort, das die Amerikaner für solch eine Figur nutzen. Ist also auch die Serie, mit der es es während der Produktion angeblich schon Probleme gab, trotzdem ansehnlich geworden?

Iron Fist: Die Handlung

Da staunen die Sicherheitsleute von Rand Enterprises nicht schlecht: Ein junger Mann (Finn Jones, Loras Tyrell aus „Game of Thrones“), reichlich verwahrlost, mit wildem Zottelbart – und barfuß – betritt die Eingangshalle des Firmensitzes und stellt sich als Danny Rand vor, seit 15 Jahren verschollener Sohn des Firmengründers. Doch die Order, den obdachlosen Irren wieder an die Luft zu setzen, ist nicht so einfach zu erledigen, denn der junge Mann beherrscht offenbar asiatische Kampftechniken in Perfektion. Und so gelingt es Danny, den um den handelt es sich tatsächlich, sich bis zur Spitze des Gebäudes durchzuschlagen, wo seine einstigen Freunde Joy (Jessica Stroup) und Ward Meachum (Tom Pelphrey), die Kinder des anderen Firmengründers Harold Meachum (David Wenham, Faramir aus „Der Herr der Ringe“) jetzt den Konzern leiten. Doch beide glauben Danny nicht, dass er der ist, der er zu sein vorgibt und lassen ihn in eine Nervenheilanstalt bringen. Doch Harold, von der Welt seit Jahren totgeglaubt, aber durch einen „Pakt mit dem Teufel“ noch am Leben, zweifelt bald daran, dass der Mann ein Schwindler ist. Und als er sich mithilfe eines einzelnen Faustschlages durch eine Stahltür befreien kann, ist nicht nur Harolds Interesse geweckt.

Am liebsten ignorieren würde Colleen Wing (Jennifer Henwick) den Typen, der sich recht aufdringlich um Ihre Aufmerksamkeit bemüht, doch dann sieht sie Danny erstmals kämpfen. Und die Martial-Arts-Lehrerin ist gegen ihren Willen beeindruckt und beschließt, Danny bei seinen Plänen zu helfen. Denn der will unbedingt seine Identität zurück, um mit der Macht seines Konzerns seine eigentliche Aufgabe anzutreten: Die Welt vor den Machenschaften der „Hand“ zu schützen …

Alles hängt zusammen

Das Erste, was man als Zuschauer zur Serie wissen muss: Sie steht nicht für sich. Zwar kann man sie, wie jede andere Netflix-Marvelserie, ohne Vorkenntnisse der anderen Serien oder Comics ansehen, aber das ist eben nur der halbe Spaß. Und für sich genommen, ist der Auftakt (Netflix stellte die ersten sechs der 13 Folgen vorab zur Verfügung) auch nicht wirklich gelungen. Das liegt an vielen Faktoren. So scheinen auch die Macher ordentlich Manschetten vor der Origin Danny Rands gehabt zu haben, denn von der mythischen Stadt Kun’Lun ist rein gar nichts zu sehen, sie wird lediglich erwähnt. Dazu kommt, dass beide Hauptdarsteller nicht den Eindruck machen, in Kampfsport wirklich fit zu sein, nicht jede Szene ist wirklich gelungen. Im Vergleich zu den großartigen Kampfchoreografien in der ersten Daredevil-Staffel kann Iron Fist hier nicht mithalten. Und auch die eigentliche Story ist nach sechs Folgen noch immer nicht gänzlich klar. Aber das kann ja noch werden.

Hochs und Tiefs

Aber Iron Fist macht einige Dinger auch sehr gut: So sind bereits bekannte Figuren wie die Night Nurse (Rosario Dawson), als einziger Charakter bisher in jeder Marvel-Netflixserie dabei, gut eingebaut. Auch Anwältin Hogarth (Carrie-Ann Moss) aus Jessica Jones hat einen Gastauftritt. Am wichtigsten aber: Der Gegner aus Daredevils erster und vor allem zweiter Staffel ist wieder da: die Hand. Diese geheime Organisation ist es, die Danny bekämpfen soll, dafür hat er die Macht der Iron Fist bekommen. Mehr als in jeder anderen Serie zuvor stehen die Zeichen also auf Kontinuität. Das, was die Marvelfilme zu so immensen Erfolgen machte – dass sie eigentlich die teuerste Serie der Welt sind – gilt auch für Iron Fist. Man betritt erneut ein Universum, das man als Fan bereits kennt und mag.

Iron Fist

Collen Wing kann mit dem (Holz)-Katana ebenso gut umgehen wie mit Fäusten und Füßen.

Leider sind sowohl Finn Jones als auch Jennifer Henwick in ihren Rollen mitunter etwas blass, ihre Handlungen nicht immer nachvollziehbar und etwas zu edel für den Rest der Story. Dafür sind aber die vermeintlich Bösen, sonst in Kritiken oft als Marvelschwäche genannt, hier sehr interessant. Der anfangs so fies wirkende Ward bekommt in jeder Folge mehr Facetten, Vater Harold mutiert gar vom Fiesling zum Opfer. Bislang konnte keine Serie in den ersten Folgen mit so viel Twists aufwarten wie diese. Und das macht Iron Fist, bei allen Schwächen, die die ersten sechs Folgen aufweisen, zu einer sehenswerten Marvel-Serie.

Fazit:

Ja, so ganz kann Iron Fist seine selbst für Comicverhältnisse recht alberne Origin nicht abschütteln, und darunter leidet die Serie auch ein wenig. Dennoch bietet sie gewohnt hohe Qualität, glänzt mit guten Schauspielern und flottem Tempo. Gegen den Platzhirschen Daredevil und die düstere Jessica Jones kommt Danny Rand nicht an, den mitunter pomadig erzählten Luke Cage kann er aber toppen. Keine brillante, aber eine gute Marvelserie und die mögliche Überleitung in eine hoffentlich grandiose erste Defenders-Staffel Ende des Jahres. Für Marvelfans daher ein Muss, für den Rest eher eine Option – aber eine gute.

Iron Fist ist ab dem 17. März auf Netflix komplett (13 Folgen) zu sehen.

Iron Fist

Mit Hilfe der starken Frauen Colleen Wing und Claire Temple kann Danny Rand nach 15 Jahren im Exil in New York langsam wieder Fuß fassen.

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Eine Antwort

  1. Andi

    Die, die mich kennen, wissen das ich mir eigentlich jeden Sch**ß anschaue … Aber ich muss zugeben, dank Netflix, wo man jederzeit irgendwo die ernsthaftigkeit beim schauen heraus nehmen kann, hab ich beschlossen lieber einzuschlafen und an einem anderen Tag weiter zu schauen. Wo es bei Luke Cage im Mittelteil langatmig wurde, hatte ich immer noch dieses „Shaft“ Feeling … ein bischen wenigstens. Aber bei Iron Fist, da war nicht wirklich Mönch, nicht wirklich Kung Fu … die Kämpfe sind in meinen Augen totlangweilig, er nennt sich Iron Fist und hat ständig eine dicke Lippe … ja, evtl. ist er noch nicht fertig ausgebildet, aber ich habe keinen Gegner gesehen, dem auch nur ansatzweise die Hände geleuchtet haben. Trotzdem bekommt Dany ständig auf die Ohren ohne mal den ausgebildeten Meister raushängen lassen zu können … Da hat Berry Gordies „The Last Dragon“ mehr Leuchten in den Händen und die besseren Choreos …
    Natürlich werde ich eine zweite Staffel schauen, ich bin „marvel/dc süchtig“ und hoffe einfach, das ich nochmal angenehm überrascht werde.

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