Das Warten hat ein Ende: Nach mehr als zwei Jahren geht die Saga um den wohl größten Detektiv aller Zeiten auf BBC endlich weiter – und alle Beteiligten sind in Hochform. Auch die vierte Staffel überzeugt zum Auftakt komplett, hat aber mit der launigen dritten wenig zu tun.

Bereits der Titel deutet an, dass sich Drehbuchschreiber Mark Gatiss (als Mycroft Holmes auch Teil des Casts) wieder einen Klassiker von Arthur Conan Doyle herausgesucht hat, um eine neue Geschichte zu erzählen. Die Originalstory „The Six Napoleons“ dreht sich um einen versteckten Edelstein, der von zwei Parteien gejagt wird. Doch wer die Serie kennt, der weiß natürlich, dass die Geschichte nur eine von mehreren ist, die sich durch die Folge ziehen – und auch nicht die wichtigste.

Sherlock – The Six Thatchers: Die Handlung

Nach den Ereignissen aus „Die Braut des Grauens“ ist Sherlock (Benedict Cumberbatch) rehabilitiert und soll die Bedrohung durch die Botschaft seines Erzfeindes Moriarty untersuchen. Doch der Detektiv misst der Sache keine große Bedeutung bei und sieht sich lieber einen anderen Fall an, bei dem ein konservativer Abgeordneter eine Woche nach seinem 50. Geburtstag seinen Sohn verloren hat. Sherlock löst den Fall gewohnt schnell, stößt dabei aber auf die verschwundene Büste der einstigen Eisernen Lady Englands, der Ex-Premierministerin Maggie Thatcher. und tatsächlich entwickelt sich aus dem Diebstahl und der Zerstörung der Büste ein Fall, der nicht nur Sherlock bis an seine Grenzen fordert, sondern auch die junge Familie Watson mit hineinzieht, die gerade erst Baby Rose begrüßen durfte.

So düster wie angekündigt

John und Mary Watson bekommen Nachwuchs: Rose wird geboren.

Im Vorfeld der Dreharbeiten war von vielen Beteiligten zu hören, dass Staffel vier mit der eher heiteren dritten Staffel nur wenig zu tun haben würde – und zuerst fühlt sich der Zuschauer deswegen fast ein wenig hochgenommen, denn der Beginn ist äußerst amüsant und zeigt Cumberbatch und Gatiss als Autor in Hochform. Sätze und Dialoge auf den Punkt, wundervolle Wortspiele und die typisch angespannt-gelangweilte Attitüde Sherlocks sind wie immer sehenswert. Dass er nun auch noch Patenonkel wird, sorgt für zusätzlichen Spaß. Doch je länger sich der Fall der sechs Thatcher-Büsten hinzieht, desto spannender wird er – und desto unheimlicher. Längst nutzt Gatiss beim Schreiben furchtlos die ganze Bandbreite des Genres aus und bemüht nach Ausflügen in den Horrorbereich („Die Hunde von Baskerville“, „Die Braut des Grauens“) zum Auftakt von Staffel vier erneut das Agentenfilm-Genre, das in der Serie in „Sein letzter Schwur“ oder „Ein Skandal in Belgravia“ bereits zum Einsatz kam. Und wie in den besten Folgen nutzt Gatiss hier fast im Minutentakt eine originelle Idee, um die ohnehin packende Story unvergesslich zu machen. Bis zum bitteren Ende…

Handwerklich top

Es verwundert daher auch nicht, dass neben der Handlung auch die technische Seite passt: US-Regisseurin Rachel Talalay hat ihre langjährige TV-Erfahrung genutzt, um ein für 90 Minuten fast zu vollgepacktes Kapitel aus dem Leben von Sherlock und Watson zu erzählen und ihr gelingt der Spagat zwischen dem immer wieder aufblitzenden Humor und der zunehmend bedrohlichen Atmosphäre perfekt. Wie bereits gewohnt, ist auch der Denkprozess Sherlocks wieder großartig in Bilder umgesetzt worden und erlaubt so dem Zuschauer, an der Gedankenwelt des Detektivs teilzuhaben, ohne deshalb die Story zu verlangsamen: Auch bei „The Six Thatchers“ geht es gewohnt schnell zu.

Sherlock the Six Thatchers

Sherlock Holmes im Einsatz mit Toby.

Und für die beinharten Holmes-Fans unter den Zuschauern bietet die Folge ein echtes Leckerchen: Toby! Der Bluthund gehört literarisch in die Erzählung „Im Zeichen der Vier“, hat aber nun hier seinen ersten Auftritt im Sherlock-Universum. Damit haben Gatiss und Moffat eine weitere bekannte und beliebte Figur der Geschichten in der Serie untergebracht.

Fazit:

Auch in der vierten Staffel lässt die Qualität nicht nach – ganz im Gegenteil. Nach der leichteren dritten Staffel deutet sich bereits im Auftakt an, wie düster die vierte und vielleicht letzte der Serie werden wird. Sherlock – The Six Thatchers ist grandios geschrieben und gespielt, wenig vorhersehbar und deshalb streckenweise tatsächlich schockierend. Britisches Fernsehen vom Allerfeinsten! Sollte das tatsächlich die letzte Staffel werden, muss man angesichts dieser Qualität eigentlich jetzt schon anfangen zu trauern – auch wenn noch zwei Folgen ausstehen.

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