Wieder eine Rom-Com bei Netflix! Und wieder einmal spielt „Wie Jodi über sich hinauswuchs“ noch auf der High-School und zielt auf ein dementsprechend junges Publikum. Nach geklauter Post wie in „To all the Boys“ und der unglücklichen Liebe zum älteren Bruder des besten Freundes wie in „The Kissing Booth“ kommt mit Wie Jodi eine Variation des vermeintlich hässlichen Entleins zu Netflix. Ob der Zuschauer auch hier gewohnte Rom-Com-Netflix-Qualität bekommt, verrät die Kritik.

Viele der Netflix-Eigenproduktionen aus den vergangenen Jahren sind im Bereich Rom-Com angesiedelt. In der Produktion nicht allzu teuer, mit vielen Young Adult-Romanen als möglichen Ideengebern, frischen Gesichtern und gelegentlich mal einem Star, lassen sich solche Filme gut umsetzen – und finden bei Netflix sehr regelmäßig ein recht großes Publikum. Passt auch Wie Jodi … über sich hinauswuchs ins Schema oder haben die Macher hier tatsächlich die klassischen Rom-Com-Pfade verlassen und etwas Neues versucht?

Wie Jodi

Jahrelang ein Außenseiter und plötzlich mit dem neuen Schwarm der Schule allein – Jodi kann ihr Glück kaum fassen.

Wie Jodi über sich hinauswuchs: Die Handlung

Jodi (Ava Michelle) ist 16 Jahre alt – und mit ihren 1,85 Metern das mit Abstand größte Mädchen der Schule. Oft wird sie deshalb zum Ziel von Spott und auch ihr direktes Umfeld wie Vater Richie (Steve Zahn) reagieren oft unbeholfen auf ihre auffällige Erscheinung. Dabei wünscht sich das Mädchen nichts sehnlicher, als einmal in der Masse untertauchen zu können. Freundin Fareeda (Anjelika Washington) baut Jodi aber regelmäßig auf und auch Kumpel Jack (Griffin Gluck), der schon seit Jahren in Jodi verliebt ist, stet immer an ihrer Seite.

Als eines Tages der schwedische Austausch-Schüler Stig (Luke Eisner) auftaucht, wähnt sich Jodi endlich am Ziel ihrer Träume. Denn Stig ist nicht nur gut aussehend und nett, sondern auch größer als sie! Dazu steht er wie Jodi auf Musicals und Klavier. Allerdings bekommt die hochgewachsene Jodi mächtig Konkurrenz von anderen Mädchen der Schule, allen voran ihrer Erzfeindin Kimmy (Clara Wilsey), die sich in den Kopf gesetzt hat, den blonden Schönling zu erobern. Hat Jodi da wirklich eine Chance auf ihren Traumprinzen?

Wie Jodi über sich hinauswuchs: Alles nur geklaut?

Sympathische Darsteller, ein flottes Tempo und einige skurril-schräge Nebenfiguren. Das kann sich Wie Jodi … auf die Habenseite schreiben. Ansonsten wirkt der Film wie eine Blaupause von großen John Hughes-Hits wie „Pretty in Pink“ oder „Ist sie nicht wunderbar?“. Wer diese Sternstunden der Teenie-High-School-Romanzen mit viel Charme, Witz und Flair kennt, für den ist bei Wie Jodi … wenig Neues zu holen. Zu genau wiederholt Regisseurin Nzingha Stewart das Erfolgsrezept dieser Filme bis zur fast deckungsgleichen Handlung.

Hier ist die weibliche Hauptfigur eben besonders groß, bei Hughes kam sie aus ärmlichen Verhältnissen und wurde deshalb gemobbt. Aber sonst ist Drehbuchautor Sam Wolfson absolut nichts eingefallen, was man so oder sehr ähnlich nicht schon Dutzende Male gesehen hätte. Selbst der Zeitgeist bleibt außen vor. Hat John Hughes in seinen Teenie-Dramen/Rom-Coms genau die Zeit porträtiert, in der seine Geschichten angesiedelt waren, gelingt Stewart kein aktueller Bezug. Wie Jodi … könnte 2000 oder 2019 spielen, von Smartphones mal angesehen.

Wie Jodi

Weil Austausch-Schüler Stig ausgerechnet bei Jodis Kumpel Jack wohnt, verläuft ihr erstes Date eher ungewöhnlich.

Wie Jodi über sich hinauswuchs: Märchenhaft statt real

Dazu passt auch, dass der Film eher wie ein modernes Märchen wirkt als zu versuchen, ein reales oder irgendwie glaubwürdiges Bild der Jugend zu zeichnen. Das zieht sich dann aber auch konsequent durch den Film bis zum Finale. Überraschungen gibt es da für Zuschauer, die bereits die eine oder andere Rom-Com gesehen haben, natürlich nicht. Das ist allerdings in diesem Genre auch nicht wirklich zu erwarten. Dennoch: Etwas origineller als hier hätte die Handlung schon sein dürfen. Die Kernzielgruppe dürfte das aber möglicherweise anders sehen.

Denn die Hughes-Filme sind inzwischen längst nicht mehr Teil der allgemein bekannten Filmbibliothek, sodass für viele Gleichaltrige von Jodi ihre Erlebnisse tatsächlich neu und frisch wirken dürften. Dazu findet Wolfson mit Jodis Schwester Harper (Sabrina Carpenter), der bildhübschen Schönheitskönigin der Familie, Papa Richie und Kumpel Jack auch ein paar Figuren, denen er ein paar witzige Szenen schreiben kann. Obwohl die meisten Rollen leider vor Klischees nur so strotzen.

Junge Zuschauer, für die Teenie-Rom-Coms noch weitgehend Neuland sind, werden mit Wie Jodi … wohl trotzdem ihren Spaß haben. Das verdankt der Film hauptsächlich seiner knuffigen Hauptdarstellerin Ava Michelle, die die Sorgen der großen Jodi glaubhaft und sehr charmant vermittelt. unter den Netflix-Rom-Coms für die Zielgruppe nimmt der Film aufgrund der wenigen frischen Momente dennoch nur einen Platz im Mittelfeld ein. Und gegen die großen Vorbilder sieht er gar keine Sonne.

Fazit:

Etwas mehr eigene Ideen als hier hätten es schon sein dürfen! Wie Jodi über sich hinauswuchs schaut sich wie ein mäßiger Abklatsch der 80er Jahre-Klassiker von John Hughes, zudem gelingt es dem Film auch nicht, die Zeit, in der er spielt, einigermaßen relevant einzufangen. So bleiben nur ein paar gute Darsteller und einige wenige, wirklich rührende oder lustige Szenen. Der Rest ist derart beliebig und klischeehaft, dass hier nur Genre-Neulinge uneingeschränkt Spaß haben. Je älter der Zuschauer ist, desto weniger Geschmack wird er daran finden.

Wie Jodi über sich hinauswuchs startet am 13. September 2019 bei Netflix.

Mehr Kritiken zu Netflix-Filmen gibt es hier.

Wie Jodi

Schließlich ist Jodi so verzweifelt, dass sie Schwester Harper um Hilfe bittet. Hat die die richtigen Tipps für Jodi?

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