Der französische Filmemacher Luc Besson ist nicht nur dafür bekannt, seine Ideen relativ kompromisslos umzusetzen. Er steht auch für Kino, dass mit französischem Film so gar nichts zu tun hat. In seinem neusten Film steckt hingegen viel Frankreich – in Form einer der schönsten Sci-Fi-Comicserien, die es je gab. Wird Besson Valerian und Laureline gerecht?

Zwanzig Jahre nach „Das fünfte Element“ erschafft Luc Besson einen Science-Fiction-Film, der mit den gängigen Kollegen aus Hollywood wenig zu tun hat: Figuren, Story und Look, das kommt aus den Comics, die Besson in seiner Jugend gelesen hat. Ironie des Schicksals: Schon für Das fünfte Element entlieh sich Besson optisch eine Menge Ideen bei Comics wie „Valerian et Laureline“ und „John Difool“ und wurde dafür gefeiert, wie originell der Film doch aussah. Dafür, dass er nun eine der Vorlagen genauso umsetzt, bekommt er 20 Jahre später ordentlich Prügel. Zu Recht?

Valerian

Fremde Welten, seltsame Wesen: An optisch herausragenden Momenten herrscht im Film kein Mangel.

Valerian: Die Handlung

Im Lauf der Jahrhunderte wurde aus einer Raumstation der Erde eine immer größere Ansammlung von Lebensraum fremder Spezies. Inzwischen gleitet das riesige Gebilde längst durch die Galaxis und ist eines der wichtigsten Handelszentren der Völker. Doch etwas stimmt nicht: Im Kern der Alpha-Station, wie sie mittlerweile heißt, droht eine gigantische Explosion. Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (im deutschen Comic wurde sie in Veronique umbenannt und gespielt von Cara Delevigne), zwei Topagenten der Menschheit, müssen sich um das Problem kümmern.

Gerade von einem Einsatz zurück, sollen Sie den Commander Filitt (Clive Owen) beschützen, der Verhandlungen zur Rettung von Alpha führt. Doch die Zusammenkunft wird überfallen, der Commander entführt. Nun müssen Valerian und Laureline zeigen, was sie können, denn ihnen bleiben nur wenige Stunden, bis die Situation tödlich wird …

Grandiose Optik

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten ist ein Film für die Augen – und nur für die. Was Besson hier für ein stolzes Budget auf die Leinwand bringt, war in der Menge und Qualität noch nie zuvor auf der Leinwand zu sehen. Ein Overkill an Fremdartigkeit und schrägen Ideen erwartet den Zuschauer – und das lässt auch über die gesamte Dauer des Films – immerhin knapp 140 Minuten – nicht nach. Was Besson aus den Comics in den Film übertrug, ist einzigartig und absolut sehenswert. Dazu kommt, dass er zwar keines der insgesamt 21 Alben so richtig als Vorbild nimmt, aber den Geist der Vorlage sehr genau trifft.

Die Abenteuer von Valerian und Laureline sind immer spannend und abenteuerlich, aber oft auch mit ausgeprägtem Augenzwinkern erzählt. Dazu kommt, dass die beiden Agenten lieber mit Köpfchen als mit Waffen agieren. Und diese Stimmung brachte Besson auch in der Verfilmung unter. Dazu kommt ein Wiedersehen mit vielen Bewohnern des Comic-Universums. Und ein paar wirklich gelungene Kamerafahrten hat der Film auch zu bieten. Damit hören die positiven Aspekte aber auch auf.

Maue Story

Denn wie viele andere Besson-Filme leidet auch Valerian unter einer nicht sonderlich guten – und vor allem nicht gut geschriebenen – Story. Nach einer furiosen ersten halben Stunde mit einer tollen Startsequenz zerfällt der Film zusehends in Einzelteile, wenn Valerian und Laureline getrennt voneinander verschiedene Teile der Station besuchen. Auch wenn die Teile für sich sehr sehenswert und unterhaltsam sind, so ersticken sie doch die Haupthandlung, die kaum vom Fleck kommt. Das können auch gelungene Gastauftritte von Rihanna und Ethan Hawke nicht retten.

Valerian

Rihanna gehört zu den Höhepunkten des Films, was schon etwas über den Rest des Casts aussagt.

Dazu kommt die quasi nicht vorhandene Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern. Die hineingeflanschte Liebesgeschichte mit schwachen Dialogen und wenig nachvollziehbaren Handlungen wirkt deplatziert, zumal sie in den Comics nie ein Thema ist. Und so richtig nimmt man DeHaan und Delevigne diese Gefühle auch nicht ab. 

Die Parallelen zu Das fünfte Element sind zwar vorhanden, vor allem optisch. Aber wo Bessons Film von 1997 neben der Optik auch bei der Story viel abgedrehte Fantasy bot und streckenweise einfach sehr witzig war, wirkt Valerian deutlich behäbiger. So richtig entscheiden konnte sich Besson offensichtlich nicht, ob er nun eine eher ernste Sci-Fi-Story oder eine schräge Fantasy-Comedy machen wollte. So wurde es keines von beidem.

Fazit:

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten ist unglaublich toll anzusehendes Augenfutter. Aber leider nicht viel mehr. Die Story und ihre Rollen bleiben weit hinter der Optik zurück und können die Zuschauer nicht über die ganzen 140 Minuten fesseln. So müssen die wunderschönen und vor Kreativität nur so strotzenden Bilder genügen. Wem das reicht, der bekommt ein echtes Highlight des Kinojahres. Wer auch auf eine gute Geschichte Wert legt, wird möglicherweise leicht enttäuscht das Kino verlasssen – da bietet Bessons neues Werk wieder einmal nur Durchschnitt.

Valerian – Die Stadt der tausend Planeten startet am 20. Juli in den deutschen Kinos.

Valerian

Die Liebesgeschichte zwischen den Helden wirkt komplett unnötig und bremst den Film nur aus.

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*