Was ist moderner Horror? Dieser Frage widmet sich die Produktionsfirma Blumhouse schon einige Jahre. Ihr neuester Streich ist „Unknown User 2: Dark Web“, der komplett über den Bildschirm eins Laptops erzählt wird. Kann ein Film, der sich optisch derart stark selbst beschneidet, trotzdem gruselige Atmosphäre erzeugen und als fieser Thriller funktionieren?

Regisseur und Autor Steven Susco hat vorher noch nie Regie geführt, allerdings schon einige Drehbücher zu Horrorfilmen abgeliefert. So schrieb er unter anderem an „Texas Chainsaw“ mit und dachte sich die Storys für die US-Remakes von „The Grudge“ Teil eins und zwei aus. Das sind zwar keine exquisiten Referenzen, aber auch keine ganz fürchterlichen. Ein wenig Hoffnung auf einen guten Horrofilm war in Bezug auf Unknown User 2 also durchaus erlaubt. Hat die sich als begründet erwiesen?

Unknown User 2

Als Matias auf den gestohlenen Computer geheime Videos findet, beschleicht ihn ein ungutes Gefühl.

Unknown User 2: Die Handlung

Matias (Colin Woodell) hat in einem Internet-Cafe ein Macbook mitgehen lassen, das dort schon seit mehreren Wochen herumsteht. Zwar plagt ihn ein wenig das schlechte Gewissen, aber er braucht dringend einen besseren Computer für sein Herzensprojekt. Er arbeitet an einer Software, die gesprochene Sprache in Gebärdensprache umwandelt, damit er sich besser mit seiner taubstummen Freundin Amaya (Stephanie Nogueras) verständigen kann. Beim gemeinsamen Online-Spieleabend mit seinen engen Freunden nutzt er das Gerät nun zum ersten Mal.

Doch bald macht das neue Macbook ersten Ärger. Immer wieder wird er über soziale Medien von Kontakten angesprochen, die offensichtlich den Vorbesitzer des Computers meinen. Und der scheint kein besonders netter Zeitgenosse gewesen zu sein. Als Matias dann feststellt, dass die Festplatte des Rechners fast voll ist, obwohl überhaupt keine Inhalte im Menü erscheinen, fragt er einen Freund um Hilfe. Und findet Umengen von versteckten Videos, in denen anscheinend Menschen zu Tode gequält werden …

Unknown User 2: Konsequent und clever

Kaum zu glauben, aber Susco hält den Look des Films konsequent über die gesamten 92 Minuten durch. Der Zuschauer sieht nur das, was Matias und seine Freunde über ihre Computer sehen und tun – nicht mehr. Dabei nutzt er zwar Hacks wie Überwachungskameras im Freien, doch die Prämisse, einen modernen Cyber-Thriller zu erzählen, gibt Susco nie auf. Diese Idee ist zwar nicht komplett neu, aber doch noch frisch. Und Susco setzt sie mit seinem Kameramann Kevin Stuart sehr clever und gekonnt ein.

Denn schon in den ersten Minuten erzeugt Susco durch aufpoppende Fenster mit seltsamen Botschaften erste Unsicherheit beim Publikum, ob der Diebstahl dieses Macbooks wirklich so eine gute Idee war. Und führt den Zuschauer dann immer tiefer in einen dunklen und bitterbösen Trip, dessen ganze perfide Wucht erst in den allerletzten Minuten wirklich aufgelöst wird. Vorher spielt der Autor und Regisseur klug mit den Vorstellungen der Zuschauer, die denen seiner Protagonisten sehr ähnlich sind. 

Unknown User 2

Zu Recht! Bald taucht der angebliche Besitzer bei einem seiner Freunde auf – und Matias kann nur machtlos zusehen.

Unknown User 2: Unblutig, aber bitterböse

Susco gelingt es dabei, seine Spannungskurve zu Beginn durch Kleinigkeiten so zu steigern, dass die Zuschauer bald darauf trainiert sind, jede kleine Veränderung auf dem Bildschirm wahrzunehmen. Und bei jedem Mal einen weiteren Baustein zu bekommen, der ihr schon anfängliches Misstrauen immer mehr bestätigt. Schon nach 30 Minuten ist sicher, dass diese Geschichte deutlich düsterer und beklemmender wird, als man zu Beginn vermutet hätte. Bis Susco sein Finale in einer Weise eskalieren lässt, die man beim besten Willen nicht kommen sieht.

Dank seiner guten Schauspieler, die die wachsende Angst glaubwürdig spielen, funktioniert die Story auch emotional sehr gut. Wenn die ersten Freunde von Matias ernsthaft bedroht werden, fiebern die Zuschauer mit jedem einzelnen mit. Da Susco vorher mit kurzen, gut geschriebenen Momenten für eine Bindung zu ihnen gesorgt hat. Das Publikum möchte die manchmal albernen, aber dennoch sympathischen Figuren eigentlich nicht leiden oder gar sterben sehen. Deshalb schockt Unknown User 2 auch weit mehr, als manch einer vielleicht erwartet hat.

Ob der Zuschauer den Plot nun glaubwürdig findet oder nicht, dürfte Geschmackssache sein. Manch einer wird sich auch über die Reaktion des einen oder anderen Protagonisten aufregen und hätte alles bestimmt ganz anders gemacht. Trotzdem gelingt es Susco, den immer substanzieller werdenden Kampf der kleinen Gruppe gegen eine diffuse Bedrohung so intensiv zu inszenieren, dass Unknown User 2: Dark Web Fans von atmosphärischem Horror gefallen sollte. 

Fazit:

Erstaunlich clever und richtig böse: Unknown User 2:  Dark Web ist eine angenehm fiese Horror-Überraschung zum Jahresende, an dem sich allerdings die Geister scheiden werden. Wer sich auf die Story gar nicht einlassen kann, wird langweilige 92 Minuten im Kino verbringen. Wem die immer stärker bedrohte Freundesrunde aber ans Herz gewachsen ist, dürfte eine ständig wachsende Spannung verspüren, die sich erst in einem sehr sehenswerten Finale entlädt.

Unknown User 2: Dark Web startet am 6. Dezember 12018 in den deutschen Kinos.

Unknown User 2

Als das ganze Ausmaß der Bedrohung klar wird, verliert nicht nur Serena die Nerven.

 

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