Regisseur David Bruckner ist zwar kein allzu bekannter Name im Horror-Genre, aber echte Experten kennen den Amerikaner für seinen Beitrag „Amateur Night“ im streckenweise recht derben Anthologie-Film „VHS“. Jetzt hat er sich für Netflix an eine lange Gruselmär namens „The Ritual“ gemacht, die auf einem Roman des britischen Horror-Schriftstellers Adam Nevill beruht. Ist der Film für Fans des Genres einen Blick wert?

Netflix mausert sich immer mehr auch für Genre-Fans zum Must-Have. Nachdem im vergangenen Jahr mit „Das Spiel“ und „1922“ zwei sehenswerte Stephen King-Verfilmungen dort liefen, legten sie mit dem durchschnittlichen „The Cloverfield Paradox“ und dem sehr mäßigen „The Open House“ nach. Und nun ist mit The Ritual erneut ein lupenreiner Horrorfilm im Angebot der Streaming-Plattform. Und der ist gar nicht mal schlecht.

The Ritual

Da ist die Welt noch in Ordnung: Die vier Freunde trauern um ihren toten Kumpel.

The Ritual: Die Handlung

Für die fünf Freunde Luke (Rafe Spall), Phil (Arsher Ali), Dom (Sam Troughton), Hutch (Robert James-Collier) und Robert (Paul Reid) endet die Nacht im Pub in einer Katastrophe. Während sich die anderen schon verabschieden, gehen Luke und Robert noch in einen Supermarkt um die Ecke, um etwas zu kaufen. Luke sieht rechtzeitig, dass der Laden gerade überfallen wird und kann sich verstecken, Robert hat nicht so viel Glück. Er wird vor den Augen seines vor Angst wie gelähmten Freundes von den Gangstern erschlagen.

Monate später treten die restlichen Vier eine Reise an, um ihren toten Freund zu ehren – ein Trip durch die Wildnis von Schweden. Auf dem Weg verletzt sich Dom am Knie. Um ihn so schnell wie möglich zurück in die Lodge zu bringen, schlägt Hutch eine Abkürzung durch den Wald vor, der Dom begeistert zustimmt. Doch der Weg durch die dichten alten Wälder erweist sich als tückisch. Nicht zuletzt dadurch, dass offenbar ein Monster die Gegend unsicher macht. Schnell gerät die kleine Gruppe in tödliche Gefahr …

The Ritual: Gelungene Variation

Städter allein im Wald, das ist wahrlich keine neue Idee. Von „Wrong Turn“ über „Cabin Fever“ bis zum brillanten „Cabin in the Woods“ haben wir diese Konstellation bereits in den verschiedensten Variationen gesehen. Kannibalen, ein fieser Virus oder ein ganzer Stall voller Untoter sind uns dort schon begegnet – und vieles andere mehr. Was sich Autor Adam Nevill jedoch hat einfallen lassen, ist durchaus origineller als der typische Vertreter das Backwood-Subgenres. Denn der Autor mischt nordische Mythologie gelungen mit Monsterhorror. Und schafft so ein recht gruseliges Szenario, das David Bruckner auch solide zum Leben erweckt hat.

Mit der Kamera übernimmt er den Blick seiner Protagonisten, die immer wieder angestrengt in den tiefen Wald starren, um die Ursache für die verstörenden Geräusche herauszufinden, die sie regelmäßig begleiten. Und dann reichen Kleinigkeiten aus, um den Zuschauer aus dieser gespannten Ruhe im nächsten Moment ordentlich hochzuschrecken. So erzeugt Bruckner ohne viel Blut oder Jump-Scares eine ungemütliche Atmosphäre, die langsam aber stetig immer bedrückender wird.

The Ritual

Doch bald hören sie im Wald äußerst beunruhigende Geräusche.

The Ritual: Offene Fragen

Zwar ist die Handlung solcher Filme hinlänglich bekannt – und auch Bruckner und Nevill fanden hier keine echte Alternative zum Prinzip der Gruppendezimierung – aber der Twist am Ende hat doch etwas Frisches, dass zumindest noch eher selten als Gruselfaktor genutzt wurde. Und daher auch ganz ordentlich funktioniert. Dazu gesellt sich ein sehr ansprechendes „Creature“-Design und auch ein paar rabiatere Bilder im passenden Moment.

Mit der klassischen Horrorfilm-Länge von gut 90 Minuten weiß Bruckner gut umzugehen und füllt die Zeit gekonnt mit ruhigen Passagen und kurzen Augenblicken der Angst. So gelingt es ihm, das Publikum auf Spannung zu halten, selbst wenn eine Weile gar nichts passiert. Lediglich bei der Auflösung bleiben doch eine Menge Fragen offen, die den Effekt des Films ein wenig schmälern. Hier hätte ein wenig mehr mythologischer Unterbau der Story gut getan.

Unter dem Strich bleibt dennoch ein sehr passabler Horrorfilm mit ein paar frischen Ansätzen, der seine übersichtliche Story weder in Blut ersäuft, noch mit viel zu vielen Jump-Scares ermüdet. Allerdings ist die Geschichte definitiv eher für Fans geeignet, Gelegenheitsguckern dürfte The Ritual eine Spur zu abgedreht sein.

Fazit:

David Bruckner gelingt mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Adam Nevill ein unterhaltsamer und solider Horrorfilm, der zwar nicht in die Annalen des Genres eingehen dürfte, aber durchaus ein paar angsteinflößende Momente erschafft. Und dessen Auflösung allemal interessanter ist als der typische „Großstädter verirren sich im Wald“-Plot. Horror-Fans können diesen Ausflug ruhig mitmachen.

The Ritual ist ab dem 9. Februar 2018 auf Netflix zu sehen.

Mehr Horror nach Stephen King auf Netflix:

Das Spiel

1922

The Ritual

Luke merkt bald, dass er auch hinter Wänden aus Holz nicht wirklich sicher ist.

 

Ähnliche Beiträge

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

*