Schon fast ein Jahr ist es her, dass „The Autopsy of Jane Doe“ in den USA lief, nun kommt der Horrorfilm endlich auch in Deutschland auf den Markt. Leider hat er es nicht in die Kino geschafft (vom Fantasy-Filmfest einmal abgesehen), aber der Film erscheint nun auf Blu-Ray und DVD. Wie gut ist er?

Immer wieder gibt es solche Fälle: Ein eigentlich guter Film schafft es aus unbekannten Gründen nicht in die Kinos. Dieser Fluch hat auch The Autopsy of Jane Doe getroffen, der irgendwann einmal angekündigt war, dann doch nicht kam und schließlich wegen seines Einsatzes beim FFF im Release fürs Heimkino auch noch nach hinten geschoben wurde. Aber nun ist die Wartezeit endlich vorbei. Gleich vorab: Warum dieser Film keine Kinoauswertung erhielt, bleibt ein Rätsel.

Jane Doe

Der junge Austin (Emile Hirsch) bekommt schnell ein ganz schlechtes Gefühl bei Jane Doe.

The Autopsy of Jane Doe: Die Handlung

In einer US-Kleinstadt in Neuengland wird die halb begrabene Leiche einer jungen Frau (Olwen Kelly) im Keller eines Wohnhauses entdeckt – die Bewohner sind alle tot. Jane Doe, wie man die Tote in Ermangelung ihrer Identität nennt, wird zu Tommy (Brian Cox) und Austin Tilden (Emile Hirsch) in die Gerichtsmedizin gebracht – mit der Bitte, möglichst schnell zu einem Ergebnis zu kommen. Weil Austin seinen Vater nicht allein mit dieser Nachtschicht sitzen lassen will, sagt er sein Date mit Freundin Emma (Ophelia Lovibond) ab, um seinem Vater zu helfen. Eine Entscheidung, die er bald bereut …

The Autopsy of Jane Doe: Voller Atmosphäre

Obwohl Regisseur Andre Øvredal Genrefans bereits seit „Trollhunter“ ein Begriff ist, dürfte er außerhalb dieser Gruppierung weitgehend unbekannt sein. Das könnte sich mit The Autopsy of Jane Doe nun ändern, denn warum dieser Film keine Kinoauswertung in Deutschland bekam, ist mit seiner Qualität in keinster Weise zu erklären. Øvredal baut gekonnt bereits in den ersten Minuten eine kalte und bedrohliche Atmosphäre auf, deren Intensität er im Verlauf der Autopsie dann kontinuierlich steigert. Tatsächlich lässt er sein Publikum in der kurzen Laufzeit von 86 Minuten nicht mehr vom Haken, sondern entwickelt seine Handlung klug weiter und hält die Spannung hoch.

Vor allem das detektivische Element des Films, das mit der Untersuchung der Leiche einhergeht, fesselt ungemein. Denn immer wieder finden Vater und Sohn Tilden neue Spuren, die eigentlich keinen Sinn ergeben. Und neue Erkenntnisse, die sich langsam zu einem wirklich furchterregenden dritten Akt zusammenfügen. Hier liegt denn auch die einzige Schwäche des Films, denn die in sich stimmige und logische Auflösung wird garantiert nicht jedem gefallen.

The Autopsy of Jane Doe: Sauberes Handwerk

Dass der Film seine Wirkung nicht verfehlt, liegt neben der guten Story auch am handwerklich sauber gemachten Film. Die Schnitte sind gut gesetzt, die Tonspur brachial gut, die Effekte solide und der Aufbau des Plots tadellos. Lediglich bei einer Szene, in der eine Axt die Hauptrolle spielt, bleibt Øvredal seinem Publikum eine saubere Auflösung optisch schuldig – was da passiert, ist schwer nachzuvollziehen. Der kleine Patzer bleibt aber ein Einzelfall.

Jane Doe

Vater Tommy (Brian Cox) bleibt länger ruhig, wird aber irgendwann auch von nackter Panik erfasst.

Auch seinen Schauspielern verdankt Øvredal den guten Film. Wenn Hirsch früh im Film schon nervös wird, nimmt er die Zuschauer mit in seine Stimmung, die zunächst noch am erfahrenen und fast stoisch ruhigen Vater Brian Cox abperlt. Als aber auch der beginnt, echte Angst zu spüren, ist das Publikum rettungslos verloren und kann nicht anders, als mit den beiden an dem unheimlichen Ort mitzuleiden, der nicht so leer ist, wie die beiden sich das in diesen Momenten sicher wünschen würden. 

Øvredal gelingt es, aus dem Kammerspiel, das sich fast ausschließlich in den wenigen Kellerräumen des Bestattungsunternehmens/der Gerichtsmedizin abspielt, fast das Maximum an Grusel herauszuholen. Dabei setzt er fast durchgehend auf subtilere Mittel als Blut oder Brutalität. Zwar zeigt er die Autopsie durchaus drastisch, viel gruseliger als das ist aber der stets wiederkehrende Schnitt auf die toten Augen der Jane Doe, der nach jeder neuen schrecklichen Erkenntnis der beiden Bestatter ein wenig furchteinflößender wird. Keine Frage, hier war ein Könner seines Fachs am Werk.

Fazit:

Ein richtig guter Horrorfilm, der auf Atmosphäre statt Splatter setzt und eine Kinoauswertung allemal mehr verdient gehabt hätte als Gurken wie „Wish Upon„. Ein solider Plot, ein paar gute Schauspieler und viel Gespür für Bilder und Schnitt – und fertig ist eine kleine Genreperle, die zumindest für Horrorfans Pflicht ist. Hier könnten aber auch etwas zarter besaitete Zuschauer noch ihren „Spaß“ haben.

The Autopsy of Jane Doe erscheint am 20. Oktober auf DVD und Blu-Ray.

Jane Doe

Sehr blutig ist der Film nicht, ein paar unschöne Bilder hat er natürlich trotzdem, wie es sich für einen Horrorfilm gehört.

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