Thriller aus Deutschland, das ist eher Mangelware. Und wenn dann auch noch zahlreiche Autostunts und Actionszenen dazukommen, glaubt man sich erst recht entweder bei RTL im TV oder in einer US-Produktion. Kann der erfahrene Regisseur Christian Alvart mit „Steig nicht aus“ tatsächlich den Beweis antreten, dass Thriller mit Actionanteil auch aus Deutschland kommen können?

Christian Alvart hat schon häufiger beweisen, dass er in der Lage ist, Action und Spannung auf internationalem Niveau zu inszenieren – auch in Deutschland. So führte er bei den umstrittenen Til Schweiger-Tatorten Regie. Und brachte seinen Star mit „Tschiller: Off Duty“ auch in die deutschen Kinos. Hat er mit seinem neuesten Streich Steig nicht aus, der auf einem spanischen Vobild beruht, jetzt auch Erfolg an den Kinokassen?

Steig nicht aus

Karls Frau Simone wird von der Situation ebenso kalt erwischt wie ihre Familie.

Steig nicht aus: Die Handlung

Für den Berliner Bauunternehmer und Architekten Karl Brendt (Wotan Wilke Möhring) ist es nur scheinbar ein ganz normaler Tag, als er morgens seine Kinder zur Schule fahren will. Denn kaum sitzen Sohn (Carlo Thoma) und Tochter (Emily Kusche, „Tigermilch“) auf der Rückbank und er selbst im Fahrersitz, da ruft ihn ein Unbekannter an und teilt ihm mit, dass im Auto eine Bombe versteckt ist, die hochgeht, falls jemand aussteigt. Erst hält Karl das für einen Scherz. Aber als einem Geschäftspartner und Freund (Fahri Yardim) etwas Schreckliches zustößt, weiß Karl, dass es bitterer Ernst ist.

Der Bombenleger ist auf alle Tricks von Karl vorbereitet. Und verlangt von ihm eine hohe Geldsumme für sein Leben und das seiner Kinder. Dieses Geld soll Karl aus seiner Firma holen, doch seine Partner halten wenig von seinen Wünschen und so gerät Karl immer weiter an den Rand des Todes. Als dann auch noch die Polizei durch Karls Frau (Christiane Paul) auf seine Situation aufmerksam wird, scheint sein Schicksal und das seiner Kinder endgültig besiegelt …

Steig nicht aus: Spannung ohne Helden

Christian Alvart schrieb sein Drehbuch als Remake des spanischen Thrillers „Anrufer unbekannt“ aus dem Jahr 2015 – und das war eine gute Idee. Denn Steig nicht aus funktioniert als Thriller, der die Spannungschraube ständig weiter nach oben dreht, ganz ausgezeichnet. Und das sogar ohne richtigen Helden. Denn die Figur des Karl, von Wotan Wilke Möhring glaubhaft gespielt, ist eigentlich kein netter Kerl, wie sich im Lauf der Geschichte herausstellt. Im Lauf seiner dubiosen Karriere als Star-Architekt haben sich einige Leichen in seinem Keller gesammelt. Und bald wird klar, dass eine davon hinter seiner momentanen Situation stecken könnte.

Auch wenn die Story nicht immer absolut glaubhaft und rund läuft, so gelingt es Alvart doch immer, solche Momente mit einem neuen starken Höhepunkt vergessen zu machen und die Konzentration des Zuschauers wieder auf den Überlebenskampf Brendts zu lenken. Denn da er seine unschuldigen Kinder im Auto hat, sind die Sympathien des Publikums schnell klar verteilt. Zumal Alvart keine Zweifel daran lässt, dass sich tatsächlich etwas unter den Autositzen befinden muss, das da nicht hingehört.

Steig nicht aus

Bombenspezialistin Pia will Josefine vom Auto wegziehen, doch die will ihren Vater nicht allein lassen.

Steig nicht aus: Routinierter „Über“-Tatort

Mit seinem klugen Plot und dem Aufwand, den Alvart betreibt, hebt der erfahrene Tatort-Macher (er inszenierte neben den Schweiger-Tatorten auf zwei Borowski-Teile) seinen Film deutlich über TV-Niveau und kann zumindest mit vergleichbaren europäischen Produktionen locker mithalten. Dazu besetzt er er seinen Film auch in kleineren Rollen mit bekannten Gesichtern der deutschen Schauspielerszene, wie Hannah Herzsprung oder Mavie Hörbiger. Und er drückt, ähnlich wie sein Protagonist, ständig aufs Gas, um seinen 109 Minuten langen Film trotz weitgehend gleichem Handlungsort – dem Auto – abwechslungsreich und optisch interessant zu gestalten.

Ob die Auflösung gefällt oder nicht, hängt sicher auch davon ab, wie wichtig man sie für den Film findet. Wer sich nach klassischer „Whodunnit“-Manier daran festhält, ist möglicherweise von der nicht ganz so packenden Tätersuche etwas enttäuscht. Letztlich passt das Ende aber sehr gut zur restlichen Handlung und hat daher in jedem Fall eine Daseinsberechtigung. Bis dahin darf man aber mit Möhring und der großartigen Emily Kusche mitfiebern und mitplanen, wie sie aus dieser verfahrenen Situation wieder herauskommen.

Wer grundsätzlich mit Krimis und Thrillern aus Deutschland kein Problem hat, sollte den Besuch von Steig nicht aus ernsthaft in Erwägung ziehen, denn Alvart versteht sein Geschäft. Und unterhält mit seiner beweglichen Version von „Leg nicht auf!“ richtig gut. Es wäre ihm zu wünschen, dass er die Anerkennung in Form verkaufter Kinokarten dafür bekommt.

Fazit:

Vielleicht nicht immer wirklich glaubhaft, aber dafür stets spannend und von den Schauspielern packend gespielt, entführt Steig nicht aus den Zuschauer in eine haarsträubende Situation, bei der man schnell mit den Protagonisten mitfiebert. Regisseur Christian Alvart bringt seine ganze Erfahrung ein und inszeniert den Thriller in dynamischen Bildern, guten Dialogen und mitreißenden Actionszenen. Und vermittelt dabei untypisch für einen deutschen Film keinerlei Botschaft, sondern will nur unterhalten. Das ist auch mal ganz schön.

Steig nicht aus startet am 12. April 2018 in den deutschen Kinos.

Steig nicht aus

Er sitzt auf einer Bombe und wird mit Waffen berdoht: Ist Karl jetzt am Ende?

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