Der Name kann verwirren! Denn 1967 kam John Boormans Thriller „Point Blank“ heraus, der später als „Payback“ mit Mel Gibson noch einmal verfilmt wurde. Der „Point Blank“, der jetzt bei Netflix startet, hat mit dem Lee Marvin-Klassiker aber nichts zu tun. Denn die rasante Story stammt aus einem französischen Film von 2010, der ebenfalls als Point Blank in den Kinos lief. Ein Remake ist der Film also schon, aber nicht von dem Film, den Thriller-Kenner erwarten würden. Ist er trotzdem sehenswert?

Anthony Mackie schient mit dem Streaming-Anbieter einen größeren Deal abgeschlossen zu haben. Denn nach dem ruhigen Sci-Fi-Film „IO“ und einer Episode der fünften Staffel von „Black Mirror“ ist er nun schon wieder in einer Netflix-Produktion zu sehen. Diesmal arbeitet er mit einem Star zusammen, den er bereits in seiner Marvel-Hauptrolle als Sam Wilson alias Falcon kennt: Frank Grillo. Der Schauspieler, der in B-Movies durchaus der Held sein darf, während er bei Marvel den fiesen Hydra-Agenten Crossbones spielt, ist auch in Point Blank ein Gangster.

Point Blank

Krankenpfleger Paul wird von Cop Lewis zum bewusstlosen Patienten befragt.

Point Blank: Die Handlung

Krankenpfleger Paul (Anthony Mackie) freut sich gemeinsam mit seiner Frau (Teyonah Parris) auf Nachwuchs. Der neue Patient Abe (Frank Grillo), den er als Unfallopfer nach einem Autocrash herein bekommt, interessiert ihn daher auch nur rein beruflich. Das ändert sich sofort, als Abes Bruder die Frau von Paul entführt, um ihn zur Mithilfe bei der Flucht des Opfers zu bewegen. Aus Angst um seine Frau und den ungeborenen Sohn lässt sich Paul auf das riskante Spiel ein. Obwohl er den vermeintlichen Mörder Abe überhaupt nicht leiden kann.

Doch bald bemerkt Paul, dass Abe nicht unbedingt der ist, für den er ihn gehalten hat. Obwohl er unzweifelhaft einen kriminellen Hintergrund hat, scheint die Polizei von Cincinnati den Mann aus ganz anderen Motiven zu jagen. Offenbar weiß Abe etwas, dass einige Gesetzeshüter lieber mit dem Kriminellen begraben würden, als ihn festzunehmen. Und so muss Pauk bald entscheiden, ob er Abe weiterhin als Feind sieht oder sich nicht lieber mit dem Gangster verbündet, um aus dieser Sache mit halbwegs heiler Haut wieder heraus zu kommen …

Point Blank: Klassischer Action-Thriller

Regisseur Joe Lynch drehte zuletzt die Horror-Komödie „Mayhem“, die 2017 auf dem Fantasy Filmfest zu sehen war. Dorthin hätte auch sein Langfilmdebüt „Wrong Turn 2″ (2007) gepasst. Als besonders innovativer Künstler hat sich Lynch bislang also nicht präsentiert. Und auch Drehbuchautor Adam G. Simon, der gerade das Remake zu The Raid“ schreibt, ist eher ein Spezialist für kurzweilige Action und klassische Buddy-Stoffe. Und genau das bekommen Zuschauer auch, wenn sie sich für Point Blank bei Netflix entscheiden.

Während Mackie zumindest ein paar interessante Nuancen haben darf und nicht sofort vom freundlichen Krankenpfleger zum um sich ballernden Actionheld mutiert, ist Frank Grillos Part deutlich klischeehafter angelegt. Den schweigsamen und harten Kleinkriminellen, der aber zumindest über einen ordentlichen Satz moralischer Werte verfügt, haben Fans des Genres sicher schon hundert Mal gesehen. Umso erstaunlicher ist es, dass Grillo trotzdem mehr ist als nur der typische Schläger, der sich durch den Plot prügelt.

Point Blank

Wenig später muss Paul dem Gangster Abe zur Flucht verhelfen, seiner schwangeren Frau zuliebe.

Point Blank: Wenig originelle Story

Damit zeigen er und Mackie deutlich, was hier möglich gewesen wäre, hätten sich Lynch und Simon ein wenig weiter von gängigen Story-Bausätzen im Action- und Thriller-Bereich entfernt. Leider ist die Geschichte durch das fehlen jeglicher Innovation für Film-Freunde extrem vorhersehbar und bietet keine einzige Überraschung. Und das, obwohl er sich gar nicht so sklavisch an die französische Vorlage hält. Offenbar wäre es also durchaus möglich gewesen, ein paar interessante Wendungen im Plot zu platzieren. Lynch und Simon verzichteten aber.

Und so bleiben als Pluspunkte neben den beiden spielfreudigen Stars und einer ebenfalls glaubwürdig agierenden Marcia Gay Harden als abgebrühte Polizistin nur das ansprechende Tempo bei knackig-kurzer Laufzeit von knapp 90 Minuten. Und ein paar solide inszenierter Action-Sequenzen, die allerdings ebenfalls keinen großen Wieder-Erkennungswert aufweisen.  Dazu hängt Point Blank zwischen der Mitte des zweiten und dem Beginn des dritten Aktes ein wenig durch und verliert den bis dahin ordentlich aufgebauten Drive.

Dafür gibt es zumindest einen schön-schrägen Gangsterboss, der sich für den nächsten Martin Scorsese hält. Und erfreulich kurze Gewaltspitzen, die der Story mehr Realismus verleihen als die momentanen Action-Overkills wie die „Fast and Furious“-Reihe. Und deshalb serviert Netflix seinen Kunden mit Spaß an Action-Thrillern eine zumindest grundsolide Nummer, die mit etwas mehr Mut sogar richtig gut hätte werden können. Marvel-Fans sehen Mackie und Grillo in zumindest ungewohnten Rollen – was ja auch ganz spannend sein kann.

Fazit:

Mit Point Blank ließ Netflix einen soliden Buddy-Action-Reißer inszenieren, dessen Regisseur Joe Lynch ebenso wie Drehbuchautor Adam G. Simon leider zu sehr auf Nummer Sicher geht, um eine wirklich innovative Story zu erzählen. Dabei wäre mit Frank Grillo, Anthony Mackie und Marcia Gay Harden genug Schauspiel-Potenzial vorhanden gewesen, um auch Szenen zu schaffen, die nicht nach dem Abspann schon wieder in Vergessenheit geraten.

Point Blank läuft ab dem 12. Juli 2019 bei Netflix.

Point Blank

Der angeschlagene Abe braucht bald nicht nur das medizinische Wissen Pauls.

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