Der zweite Teil der auf fünf Teile geplante Prequel-Geschichte im Harry Potter-Universum kommt in die Kinos. Mit „Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen“ beginnt Drehbuchautorin Joanne K. Rowling nach einem noch recht bunten Auftakt nun mit der eigentlichen Story um den finsteren Zauberer, der lange vor Voldemort die Macht an sich reißen wollte. Kann die Autorin erneut ihren ganz besonderen Zauber im Kino verbreiten?

Eigentlich wollte J.K. Rowling nach dem Ende der Harry Potter-Saga ja Abstand von der Welt der Magier nehmen, die sie erschaffen hatte – und Krimis schreiben. Aber so ganz losgelassen hat sie nie. Immer wieder erschienen kurze Geschichten auf ihrer Seite „Pottermore“ und schließlich schuf sie mit „Harry Potter and the Cursed Child“ ein Theaterstück mit dem Zauberer. Da ist es nun auch nicht weiter erstaunlich, dass sie eine fünfteilige Prequel-Erzählung gestartet hat, dessen zweiter Teil nun in die Kinos kommt. Eine typische Fortsetzung?

Grindelwalds

Gellert Grindelwald ist nicht nur ein großer Zauberer, sondern auch ein geschickter Verführer. Und sein Zauberstab lässt Fanherzen höher schlagen.

Grindelwalds Verbrechen: Die Handlung

Seit sechs Monaten ist Gellert Grindelwald (Johnny Depp) bei den US-Magiern gefangen, doch nun soll er nach Europa überstellt werden, um auch dort für seine Verbrechen angeklagt zu werden. Doch der dunkle Zauberer kann entkommen und versteckt sich mit seinen Getreuen in Paris. Das britische Ministerium der Magie ruft daraufhin Newt Scamander (Eddie Redmayne) zu sich, der Grindelwald in New York fangen konnte. Er soll gemeinsam mit seinem Bruder Theseus (Callum Turner) den Magier erneut erwischen.

Doch Newt lehnt ab, möchte sich lieber um seine magischen Kreaturen kümmern. Erst als sein alter Lehrer Albus Dumbledore (Jude Law) ihn bittet, sich der Sache anzunehmen, stimmt Newt zu. Auch wenn das seine Emotionen durcheinander bringt. Denn in Paris ist auch Tina Goldstein (Katherine Waterston) als Augurin auf der Suche nach Grindelwald – und über seine Gefühle zu ihr ist sich der Zauberer ebenso wenig im Klaren wie über seinen Umgang mit seiner Jugendliebe Leta Lestrange (Zoe Kravitz), die nun mit seinem Bruder verlobt ist …

Grindelwalds Verbrechen: Düstere Tage

Die Geschichte wiederholt sich. Mit jedem neuen Roman wurden die Abenteuer Harry Potters düsterer und trostloser. Und auch die Phantastischen Tierwesen scheinen diese Richtung einzuschlagen. War der erste Film aus der Feder von Rowling noch durchsetzt von vielen hellen Momenten mit den magischen Wesen, und daher trotz des bereits dunklen Plots voller Witz und Wärme, so ist Teil zwei bereits ganz der Hauptstory um Grindelwald und Dumbeldore verpflichtet – und deutlich düsterer und ernster als der Vorgänger. Eine Freigabe ab 12 Jahren (statt 6) war die Folge.

Und das mit relativ wenig Story, denn die wirklich wichtigen Szenen für die große Handlung sind schnell zusammengefasst. Daher kann Grindelwalds Verbrechen auch nicht mit vielen spektakulären Momenten punkten. Tatsächlich gab es wohl bisher keinen Film aus dem Potterverse, der so arm an Action war wie dieser. Rowling und ihr Haus- und Hofregisseur David Yates (seit Teil fünf der Pottersaga inszenierte er alle Filme) setzten in diesem Film deutlich mehr auf Details, die hauptsächlich Hardcore-Fans in helle Aufregung versetzen.

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Newts Verhältnis zu seinem Bruder Theseus ist abgekühlt, seit der sich mit Newts großer Liebe Leta verlobt hat.

Grindelwalds Verbrechen: Wenige Tierwesen

Denn die Autorin streut reihenweise Hinweise auf Ereignisse aus anderen Romanen in die Handlung, für deren Entdeckung man schon sehr gut im Potterverse Bescheid wissen muss. Daher ist Grindelwalds Verbrechen vor allem für die Zuschauer ein Muss, die tief in Rowlings Fantasywelt verwurzelt sind und sich entsprechend auskennen. Ob die Familiengeschichte der Lestranges oder einige Charaktere, die schon aus früheren Werken bekannt sind: Für Experten bieten Rowling und Yates eine Fülle von Inhalten im neuen Film.

Wer sich hingegen auf ähnlich viele skurrile und niedliche Tierwesen wie im ersten Teil gefreut hat, wird enttäuscht. Angesichts der Fülle an Nebenhandlungen und Personen im Film reduzieren sich die Auftritte der magischen Wesen deutlich. Zwar kehrt der niedliche Niffler zurück – sogar in Babyform – aber viele der Kurzauftritte neuer und bekannter Wesen sind dramaturgisch grundlos. So wirkt es, als habe man diese Szenen nur wegen des Filmtitels gedreht, aber nicht, weil das Auftauchen der Kreatur an dieser Stelle wirklich einen Sinn hat.

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Welches Geheimnis umgibt die Herkunft des jungen Zauberers Credence, den Grindelwald auf seine Seite ziehen will?

Grindelwalds Verbrechen: Viel Grindelwald

Umso mehr Zeit bekommt Rowlings neuer Schurke Gellert Grindelwald. Um ihn deutlich von Voldemort abzuheben, zeichnet die Autorin diesen Bösewicht viel stärker als Verführer, denn als von Macht durchfluteten Tyrannen. Grindelwald zieht die Zauberer auf seine Seite, ohne Magie zu nutzen, nur durch die Macht der Worte gelingt es ihm, neue Verbündete zu gewinnen und sogar Charaktere, die eigentlich auf der hellen Seite des Spektrums standen, auf seinen  dunklen Pfad hinüberzuziehen.

Depp spielt diesen durch und durch bösen, aber sehr durchtriebenen und listigen Charakter ganz gegen seine Gewohnheit ruhig und zurückhaltend. Und macht ihn dadurch nur umso bedrohlicher. Statt eines rumpelnden, offenen Schurken wirkt dieser dunkle Zauberer durch seine leise Stimme und seine scheinbare Beherrschtheit umso bedrohlicher. Damit gehört Depp zu den wenigen Figuren im Film, die tatsächlich auch bei Zuschauern ohne tiefe Kenntnisse der Potter-Historie ein gewisses Interesse wecken können.

Denn Grindelwalds Verbrechen ist wenig mehr als ein Aufgalopp für künftige Ereignisse, die wir dann Ende 2020 im Kino zu sehen bekommen, allerdings auch dann noch immer ohne Schluss. Immerhin lässt Rowling gegen Ende des Films ein paar Bomben platzen, über die sich Heerscharen von Fans zwei Jahre lang den Kopf zerbrechen können. Ein durchgehend spannender Film wäre natürlich schöner gewesen. So ist Teil zwei der neuen Serie mit der schwächste Abstecher ins Potterverse – trotz eines guten Johnny Depp.

Fazit:

Viel Aufbauarbeit für kommende Teile leistet Grindelwalds Verbrechen zweifelsohne. Leider ist das aber weder immer spannend, noch immer unterhaltsam für alle Zuschauer, die sich nicht perfekt im Universum des Harry Potter auskennen. Für die echten Experten von Rowlings Geschichten ist der Film  geradezu ein Füllhorn an Anspielungen, Hintergrundstorys und Neuigkeiten. Letztlich leidet der Film aber daran, dass er weder der Anfang noch das Ende einer größeren Geschichte ist.

Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen startet am 15. November 2018 in den deutschen Kinos.

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Für Fans wohl das schönste Comeback: Albus Dumbledore ist wieder da.

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