Remakes haben schon seit einigen Jahren in Hollywood Hochkonjunktur. Ein filminteressiertes Publikum, das vielleicht schon einmal vom Original gehört, es aber noch nie gesehen hat, ist die ideale Zielgruppe für eine Neuauflage eines Stoffes, der seine Kinotauglichkeit bereits mehr oder weniger bewiesen hat. So ein Fall ist auch „Papillon“ des dänischen Regisseurs Michael Noer. Ist die neue Version einen Kinobesuch wert?

Auch wenn es vielleicht den Anschein hat, eine Dokumentation über ein Gefangenenlager in Französisch-Guyana in den 30er Jahren ist der Film keineswegs. Bereits der Autor Henri Charrière, der tatsächlich dort war und seinen Roman Papillon deshalb autobiographisch schrieb, hat nie behauptet, dass alles exakt so gewesen ist. Sondern eben einen Roman verfasst, der zugunsten der Spannung etwas verändert hat – ganz ähnlich, wie es die erste Verfilmung von 1973 auch tat. Aber braucht man 45 Jahre später wirklich einen Film, der das gleiche Drehbuch nutzt?

Papillon

Glückliche Zeiten: Die Liebe zu Nennette wird Papillon aber zum Verhängnis.

Papillon: Die Handlung

Henri (Charlie Hunnam), genannt Papillon, weil er ein Schmetterlings-Tattoo auf der Brust trägt, ist im Paris der 30er Jahre ein erfolgreicher Dieb und Einbrecher. Doch als er für seine Freundin Nennette (Eve Hewson) ein Schmuckstück behält, statt es beim Bandenboss abzuliefern, schiebt der ihm einen Mord in die Schuhe – und Papillon wird zu lebenslanger Haft in der Gefangenenkolonie auf Französisch-Guyana verurteilt. Doch schon auf der Fahrt dorthin plant er seine Flucht.

Ein wichtiger Teil davon: eine Partnerschaft mit Louis Dega (Rami Malek), einem reichen Fälscher, der über genug finanzielle Mittel verfügt, eine Flucht möglich zu machen. Und der aufgrund seiner schwächlichen Erscheinung genau den Schutz braucht, den der kräftige Papillon bieten kann. Über die kommenden Monate wird aus den beiden Partnern wider Willen ein durch Freundschaft verbundenes Duo, die alles versuchen, um der Hölle auf Erden mit sadistischen Wärtern und  brütender Hitze zu entkommen …

Papillon: Nicht übel, aber unnötig

Papillon ist weit davon entfernt, ein schlechter Film zu sein. Charlie Hunnam und Rami Malek spielen ihre Rollen sehr gut, auch Røland Möller, unlängst als Schurke in Skyscraper“ zu sehen, spielt seinen wenig sympathischen Part sehr ordentlich. Regisseur Noer macht ebenfalls wenig falsch, die Location stimmt, die Bilder sind beeindruckend. Dennoch wird man im Kino das Gefühl nicht los, dass es diesen Film nicht gebraucht hätte. Einfach, weil er dem Original so ähnlich ist – und ihm in keiner einzigen Szene wirklich das Wasser reichen kann.

Denn Franklin J. Schaffner hat neben dem Sci-Fi-Klassiker „Planet der Affen“ eben auch noch einen der besten Gefängnisfilme aller Zeiten gedreht – die Papillon-Version von 1973. Weder können Malek und Hunnam je an der superben Darstellung von Dustin Hoffman und Steve McQueen kratzen, noch liefert die neue Version die stickige Schwüle ab, die dem Original aus jedem Bild entstieg und das Zusehen zu einem fast körperlichen Erlebnis machte.

Papillon

Der bullige Cellier will bei der nächsten Flucht mitmachen – eine gute Idee?

Papillon: Zu glatt für ganz große Gefühle

McQueen und Hoffman gelang es 1973, dass das Publikum mit ihnen mitlitt und -fieberte. Wenn Papillon in seiner Einzelzelle bei halber Ration derart hungert, dass er Kakerlaken fängt und verspeist, dann vergisst man eine solche Szene nicht. Solche Momente erschafft Boer nicht. Und bleibt daher ein wenig glatter und kühler in seiner Umsetzung des Drehbuchs von Hollywood-Legende Dalton Trumbo als Schaffner. Und wenn man sich denn eine solche Messlattte aussucht, muss man sich auch an ihr messen lassen. Boer verpasst es leider, dem neuen Film etwas wirklich Eigenes zu geben.

Dennoch hat der Däne einen ordentlichen Abenteuerfilm abgeliefert und erzählt durchaus auch düstere Augenblicke mit der nötigen Dramatik. Allerdings gräbt ihm auch da das Original mit einer Freigabe ab 16 Jahren das Wasser ab, die neue Fassung ab 12 hat oft nicht die Härte, die in manchen Szenen einfach nötig gewesen wäre, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. So bleibt ein Film, der sein Ziel immer nur fast erreicht. Denn auch die Botschaften der Stoffes – der unbedingte Wille zur Freiheit angesichts unmenschlicher Strafen – vermittelt Schaffner sehr viel besser.

Und so ist die neue Version eigentlich nur empfindsamen Seelen zu empfehlen, denen die alte Variante vielleicht zu hart oder ekelig ist. Wer kann, sollte sich Papillon von 1973 ansehen – es ist der bessere Film, auch weil er sich fast 30 Minuten mehr Zeit nimmt, um die epische Story zu erzählen.

Fazit:

Kein schlechtes, aber ein völlig unnötiges Remake des Klassikers von 1973, das wenig anders und nichts besser macht als das Original. Steve McQueen bleibt Papillon, auch wenn Charlie Hunnam sein Bestes gibt. Und Malek ist (noch) kein Dustin Hoffman. Harmloser und kürzer als die erste Fassung, schafft es Regisseur Boer nie, so packend zu sein wie der erste Versuch.

Papillon startet am 26. Juli 2018 in den deutschen Kinos.

Papillon

Endlich ist Papillon frei – aber kann er seinen Häschern endgültig entkommen?

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