Schon seit vielen Jahren arbeitet Aaron Sorkin als Autor und kreativer Kopf in Hollywood und brachte unter anderem „The West Wing“ auf die Bildschirme. Für sein Debüt als Regisseur hat sich der New Yorker in „Molly’s Game“ die wahre Geschichte von Molly Bloom vorgenommen, die jahrelang in Hollywood und New York Pokerrunden für Promis und Mafiagrößen organisierte. Kann Sorkin nicht nur Filme schreiben, sondern auch drehen?

Der Oscar für das Drehbuch zu „The Social Network“ war wohl der bislang größte Erfolg Aaron Sorkins. Doch bei weitem nicht der einzige. So begann er 1992 seine Karriere beim Film, als er sein eigenes Theaterstück „A Few Good Men“ (dt. „Eine Frage der Ehre“) zum Drehbuch umarbeitete und damit gleich eine Golden Globe-Nominierung einheimste. Zuletzt schrieb er das Script zu „Steve Jobs“, nun setzt er sich erstmals selbst auf den Regiestuhl.

Molly's Game

Mollys Einstieg zum großen Geld: Mithilfe von Spieler X zieht sie ein eigenes exklusives Pokerspiel für Megareiche auf.

Molly’s Game: Die Handlung

Die junge Molly Bloom (Jessica Chastain) wurde bereits als Kind von ihrem ehrgeizigen Vater (Kevin Costner) auf Erfolg getrimmt und gehört zu den besten Skifahrerinnen der USA. Doch diese Karriere endet zu Beginn des Films jäh, als sie nach einem bösen Sturz die Qualifikation zu den Olympischen Spielen verpasst. Sie geht nach L.A, jobbt dort ein wenig und gelangt auf Umwegen an einen Job bei einem geheimen Pokerabend, an dem hauptsächlich prominente Schauspieler und steinreiche Geschäftsleute teilnehmen.

Als sich die Chance bietet, organisiert Molly gemeinsam mit „Spieler X“ (Michael Cera) ein eigenes Spiel in einem Nobelhotel. Und steigt schnell zur fixen Größe bei den extrem betuchten Pokerfans der Stadt auf. Doch bald verliert sie die Gunst von X und ist in L.A. erledigt. Also geht die junge Frau nach New York und fängt dort neu an. Schnell kann sie auch hier reiche und berühmte Pokerspieler zusammenbringen. Doch eines Morgens steht das FBI vor ihrer Tür und sie bittet den Staranwalt Charlie Jaffey (Idris Elba) um Hilfe …

Molly’s Game: Elegant erzählt

Keine Frage: Aaron Sorkin ist ein herausragender Autor, das zeigt er auch mit seinem ersten Film als Regisseur. Denn Mollys Geschichte erzählt Sorkin nicht streng chronologisch, sondern springt immer wieder nach vorn zur Anklage und den anschließenden Gesprächen. Und zurück zu den Ereignissen, die Molly erst zur großen Spieleorganisatorin gemacht haben. Das alles lässt Sorkin seinen Star Jessica Chastain aus dem Off lakonisch,witzig an- und abmoderieren. Und sorgt so während der gesamten 140 Minuten Laufzeit für eine ganz besondere Stimmung, von dem der Film sehr profitiert.

Denn die schonungslose, mit viel Galgenhumor vorgetragene Story von Molly Bloom ist tatsächlich derart unterhaltsam, dass einem der Film gar nicht so lang vorkommt wie er ist. Und führt die Welt der Superreichen und Prominenten gnadenlos vor. Was Molly’s Game möglicherweise den einen oder anderen Oscar gekostet hat. Denn auch ohne zu wissen, welche Schauspieler in Wirklichkeit dabei waren und welcher speziell Molly so abzockte, zeigt Sorkin, wie hohl und unwirklich die Welt dieser Leute sein kann.

Molly's Game

Als X sie ausbootet, fängt Molly in New York neu an. Und hat bald die Russenmafia als Mitspieler in ihrem Casino.

Molly’s Game: Und toll gespielt

Jessica Chastain als Molly ist dabei der Dreh- und Angelpunkt der Story, sie ist in fast jeder Szene zu sehen. Und spielt die nach ihren eigenen Richtlinien lebende, unabhängige Frau mit so viel Charme und Stärke, dass sie auch während ihrer dunklen Zeit als koksende Alkoholikerin nie unsympathisch oder langweilig wird. Ihr zur Seite stehen der gewöhnt souveräne Idris Elba als Anwalt, der im Lauf der Zeit vom scharfen Kritiker Mollys zu einem ihrer größten Bewunderer wird. Der tolle Michael Cera, der dem fiesen Spieler X ein unschuldiges Gesicht verpasst. Und Kevin Costner als harter Vater, mit dem Jessica Chastain die vielleicht stärkste, sicherlich aber emotionalste Szene des ganzen Films hat.

Und dieses Gesamtpaket aus sehr guten Schauspielern, einer wahren Geschichte, deren Wucht Sorkin in seinem Drehbuch sauber herausarbeitet, und der äußerst unterhaltsamen Erzählweise machen aus Molly’s Game einen wunderbaren Film. Der vor allem für Zuschauer interessant sein dürfte, die sich lieber in der Realität als in fernen Galaxien oder Welten voller Superhelden aufhalten. Wer Filme wie den ebenfalls wundervollen „Barry Seal“ mochte, wird auch bei Molly’s Game auf seine Kosten kommen.

Fazit:

Dieser Film wäre schon mit einer ausgedachten, so gut geschriebenen Story sehenswert. Dass Molly’s Game aber auf Tatsachen beruht und eine wahre Geschichte erzählt, setzt das Sahnehäubchen auf ein sehr gelungenes Regiedebüt des Erfolgsautors Aaron Sorkin. Feines Schauspielerkino mit hintersinnigem Humor und trotz seiner 140 Minuten Länge nicht eine Sekunde langweilig.

Molly’s Game startet am 8. März 2018 in den deutschen Kinos.

Molly's Game

Der Kontakt mit den Russen zieht Molly schließlich in eine 100-Millionen-Dollarklage wegen Geldwäsche hinein.

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