Schon im Jahr 2012 begannen Warner Bros und Disney ein Wettrennen um eine Realverfilmung mit animierten Tieren von Rudyard Kiplings berühmten Werk „Das Dschungelbuch“. Disney gewann und brachte 2016 die erste neue Version in die Kinos. Warners Version „Mogli – Legende des Dschungels“ von Regisseur Andy Serkis verzögerte sich und wurde schließlich im Juli 2018 an Netflix verkauft. Nun nimmt ihn der Streaming-Dienst ins Programm auf. Wie gut ist Serkis‘ Ansatz, sich nahe am Buch zu halten und auf niedliche Aspekte zu verzichten, denn geworden?

Der Brite Rudyard Kipling gewann 1907 als erster englischsprachiger Autor den Nobelpreis. Unter anderem für sein bis heute berühmtestes Werk Das Dschungelbuch, das eigentlich aus zwei Bänden besteht und früher „Die Dschungelbücher“ hieß. Seit Disney 1967 die Zeichentrick-Version herausbrachte, gelten Mogli, Balu und Baghira als Inbegriff knuffiger Charaktere. Bis auf die Namen haben diese Versionen allerdings wenig mit den Figuren aus dem Buch zu tun. Andy Serkis wollte sich mit seinem Film dichter an die Vorlage halten – hat das geklappt?

Mogli

Der weisen Schlange Kaa leiht in der englischen Fassung Cate Blanchett ihre Stimme.

Mogli – Legende des Dschungels: Die Handlung

 Weil der Tiger Shir Khan (englische Stimme von Benedict Cumberbatch) seine Eltern im Dschungel tötet, bleibt Mogli als Kleinkind allein zurück und wird von Baghira (Christian Bale) gefunden. Der Panther trägt das Kind zu den Wölfen, die es tatsächlich als eines der ihren aufnehmen. Rudelchef Aquila zieht den Zorn des Tigers auf sich, der den Jungen ebenfalls töten will. Doch die Wölfe halten zusammen und verbannen Shir Khan fürs Erste aus ihrem Revier. Mogli wächst so behütet zu einem Jungen heran.

Doch eines Tages kehrt Shir Khan zurück und beginnt, das Vieh der Menschen zu reißen, die in der Nähe leben. Zudem macht er immer wieder Jagd auf Mogli (Rohan Chand), der ihm nur knapp entkommen kann. Und so beschließen die Tiere, dass es für den Jungen besser wäre, bei seinesgleichen im Menschendorf am Fluss zu leben. Doch Mogli kennt kein anderes Leben als das im Dschungel. Hat er wirklich eine Chance, sich an das Dasein als Mensch zu gewöhnen und seinen antrainierten Wolfs-Aspekt hinter sich zu lassen?

Mogli – Legende des Dschungels: Die bisher düsterste Umsetzung

Schon Jon Favreau hat 2016 in seinem Disney-Film den Ton ein wenig dunkler gefärbt und mit dem von Idris Elba gesprochenen Shir Khan einen Charakter erschaffen, der auch älteren Zuschauern durchaus einen Schauer über den Rücken jagte. Andy Serkis hat nun in seiner Version nochmals deutlich in Sachen Gruselfaktor und Realismus zugelegt. Und erzählt mit Mogli – Legende des Dschungels eine Geschichte, die für Kinder völlig ungeeignet ist. Denn hier geht es deutlich stärker als in den Vorgängern auch um das Töten als Teil des Kreislaufs im Dschungel.

Und das betrifft nicht nur den fiesen Tiger. Auch Baghira ist als jagender Killer zu sehen, ebenso wie das Wolfsrudel, zu dem Mogli so gern gehören möchte. Und selbst, wenn es nicht tödlich endet, hinterlassen Kämpfe Wunden und Narben, so ist der kleine Menschenjunge bereits zu Beginn des Films deutlich von vergangenen Ereignissen gezeichnet. Damit schlägt Serkis, wie er es im Vorfeld ankündigte, einen neuen Weg ein und richtet sich in seinem Film weitgehend nach den drei Geschichten in den Dschungelbüchern, die Moglis Werdegang erzählen.

Mogli

Der neue Film bietet die mit Abstand fieseste Version des bösen Tigers Shir Khan.

Mogli – Legende des Dschungels: Seltsame Optik

Serkis schreckt dabei nicht davor zurück, unangenehme Wahrheiten über die Natur des Menschen in seiner Story zu erzählen. Und lässt auch seine tierischen Darsteller deutlich animalischer agieren als alle Verfilmungen vorher. Das würde eigentlich auch optisch für eine große Portion Realismus stehen, hätte sich der Regisseur nicht für einen sehr seltsamen Mittelweg beim Aussehen der Dschungeltiere entschieden. Denn während der Körper komplett echt aussieht, tragen die Gesichter von Shir Khan, Baghira und Kaa menschliche Züge.

Vor allem die Augen wirken bei allen Charakteren fast menschlich und irritieren den Zuschauer. In Favreaus Film ist das deutlich besser gelungen und macht die Tiere letztlich auch glaubhafter als im neuen Film. Zudem fällt Mogli – Legende des Dschungels nach einem starken Auftakt auch eine gute halbe Stunde in ein Spannungsloch, weil der Film recht redundant immer wieder die gleiche Gefahr für Mogli thematisiert, dabei aber stets nur die Lösung anbietet, die erst viel später auch Realität wird.

Richtig gelungen ist dafür die letzte halbe Stunde, in der Mogli neben dem Leben im Dschungel auch seine eigene Herkunft im Menschendorf erforscht und sich entscheiden muss, welche Zukunft für ihn die richtige ist. Hier gelingen Serkis eindringliche Momente, wenn er Mogli erkennen lässt, wie sehr sich Mensch und Tier wirklich unterscheiden. Im Vergleich zu Matt Reeves‘ brillanten „Planet der Affen“-Parabeln, in denen Serkis den Caesar spielt, bleibt er mit seiner erwachsenen Interpretation des bekannten Stoffes aber insgesamt hinter den Erwartungen zurück.

Fazit:

Für Kinder zu gruselig, für Erwachsene etwas zu behäbig erzählt. Mogli – Legende des Dschungels ist weder Fisch noch Fleisch und daher über weite Strecken nicht wirklich fesselnd. Daran können auch die großartigen englischen Sprecher (eine deutsche Version stand vorab nicht zur Verfügung) nichts ändern. Nach „Breathe“ kann Andy Serkis damit auch mit seinem zweiten Film als Regisseur nicht komplett überzeugen.

Mogli – Legende des Dschungels läuft ab dem 7. Dezember 2018 bei Netflix.

Mehr Netflix-Filmkritiken finden Sie hier.

Mogli

Im Menschendorf lernt Mogli zum ersten Mal Exemplare seiner eigenen Art kennen – in Form der jungen Messua (Freida Pinto).

 

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