Wenn Filme reifen dürfen! Drei Jahre lang drehte Regisseur Gilles de Maistre seinen Film „Mia und der weiße Löwe“, um ganz ohne Computereffekte auszukommen und das Tier und das Mädchen in der Geschichte aufwachsen zu sehen. War die Story den Aufwand wert? Ist mit der Unterstützung des „Löwenflüsterers“ Kevin Richardson ein spannender und sehenswerter Familienfilm dabei herausgekommen?

Mit wilden Tieren zu drehen, davor haben selbst gestandene Regisseur und Stars gehörigen Respekt. Denn trotz Training und vielen Sicherheitsmaßnahmen – ein Restrisiko bleibt immer, dass etwas schief geht und Mensch oder Tier dabei zu Schaden kommen. Regisseur de Maistre hat einen beeindruckenden Weg gewählt, um seinen Film zu machen. Er holte sich einen Experten und ein Löwenbaby ans Set. Und drehte in großen Abständen immer dann, wenn der Löwe alt genug für die Szene geworden war. Ist aus der coolen Idee auch ein cooler Film geworden?

Mia und der weiße Löwe

Gruppenbild mit Löwe: Erst als Charlie zur Familie Owen stößt, beginnt die elfjährige Mia, sich in Südafrika heimisch zu fühlen.

Mia und der weiße Löwe: Die Handlung

Als die Familie Owen von London nach Südafrika zieht, um eine Löwen-Aufzuchtstation zu übernehmen, tut sich die elfjährige Mia (Daniah de Villers) mit der Veränderung am schwersten. Obwohl ihr Vater John (Langley Kirkwood) und ihre Mutter Alice (Melanie Laurent) sich alle Mühe geben, bleibt ihre Tochter abweisend und spricht nur mit ihrem kleinen Bruder Mick (Ryan Mac Lennan). Doch dann wird auf der Farm ein weißes Löwenbaby geboren, dass den Namen Charlie erhält und unter den Einheimischen als Glückssymbol gilt.

Die kleine Raubkatze erobert Schritt für Schritt Mias Herz und nach einigen Wochen sind die beiden unzertrennlich. Doch die Liebe geht irgendwann selbst dem Vater zu weit. Weil sich Mia über alle Regeln hinwegsetzt und den Löwen in Haus und Zimmer lässt, obwohl er längst ein gefährliches Raubtier geworden ist, tritt er die Entscheidung, dass sich etwas ändern muss. Und setzt damit Ereignisse in Gang, die nicht nur die Familie Owen betreffen, sondern zum Medienereignis im ganzen Land wird …

Mia und der weiße Löwe: Die Angst vergeht nicht

Regisseur Gilles de Maistre gelingt ein Kunststück, dass im Kino eine absolute Seltenheit ist. In diesem Film werden sich Eltern vermutlich mehr gruseln und erschrecken als ihre Kinder. Denn während die bald klaglos hinnehmen, dass Charlie ein nettes Tier ist und niemanden etwas tut, ist es für Erwachsene jedes Mal eine Höllenqual, dabei zuzusehen, wie Daniah de Villers zu einem ausgewachsenen Löwen ins Gehege klettert und mit ihm herumtobt. Klar, das ist ein Familienfilm und so wird schon nichts passieren – aber das mulmige Gefühl bleibt.

Diese Sequenzen sind aber gleichzeitig auch das Besondere an Mia und der weiße Löwe. Denn die wären per CGI nicht machbar gewesen. Und so führte der Experte Kevin Richardson die beiden Kinder an den Löwen heran und zu viert verbrachten sie viel Zeit zusammen – kein anderer näherte sich diesem Quartett am Set. Aus dieser Vertrautheit, die über Jahre aufgebaut wurde, bezieht der Film seine einzigartigen Bilder. Und auch ein Gefühl des gegenseitigen Respekts, den man in anderen Tierfilm-Produktionen so stark nicht spürt.

Mia und der weiße Löwe

Ihr Vater, der in Südafrika aufwuchs, zeigt seiner Tochter die Schönheit des Landes und der Tiere, die darin leben.

Mia und der weiße Löwe: Starke Darsteller, starke Story

Aber de Maistre überzeugt nicht nur mit atemberaubenden Bildern von Löwe und Mädchen und der wunderschönen Natur Südafrikas, er erzählt auch eine gute Geschichte. Glaubhaft und ohne falsche Romantik zeigt er die Schwierigkeiten eines Neuanfangs, die Sorgen der Eltern um ihre Kinder und die Zukunft der Geschäftsidee. Dabei spart das Drehbuch auch dunklere Aspekte des Raubtier-Tourismus nicht aus und bezieht klar Stellung. Und schließlich baut de Maistre einen starken Aspekt seines Films um die Vater-Tochter-Beziehung und den Verlust von Vertrauen auf.

Dass dabei spannende Momente entstehen, verdankt der Film seinem starken Ensemble. Vor allem die Szenen mit de Villers und Kirkwood sind intensiv und realistisch. Und haben mit klassischem Kinder-Wohlfühl-Kino nur noch wenig zu tun. Weshalb hier das Prädikat „Familienfilm“ wirklich verdient ist, denn für Eltern bietet Mia und der weiße Löwe weit mehr als einen gelegentlichen Lacher, wenn man mit den Kindern ins Kino geht. Von dieser Story werden auch Erwachsene emotional mitgenommen.

Gilles de Maistre setzt zwar durchaus auf Humor und schafft auch sehr witzige Momente, wenn der junge Charlie beispielsweise den heimischen Essenstisch kapert. Aber im Kern ist de Maistres Story ernst und melancholisch – und das überträgt sich auch aufs Publikum Auch wenn man stets auf ein gutes Ende hofft, so kann man sich doch nicht sicher sein, dass hier alles glimpflich ausgeht, dazu ist Mia und der weiße Löwe zu ambivalent erzählt. Und deshalb ist er auch so spannend.

Fazit:

Ganz starkes (Kinder)-Kino! Was Regisseur Gilles de Maistre mit für einen Kinofilm absolut unüblichen Zeitaufwand von drei Jahren geschaffen hat, begeistert optisch ebenso wie emotional. Weil sich der Regisseur nicht mit tollen Bildern von Kind und Löwe aufhält, sondern eine emotional berührende Geschichte erzählt, gehört Mia und der weiße Löwe schon jetzt zu den Highlights des Jahres für Kinder und Eltern abseits der Animationsfilme. Denn die Nähe zwischen Mensch und Tier, die man hier sieht, ist echt und nicht getrickst.

Mia und der weiße Löwe startet am 31. Januar in den deutschen Kinos.

Mia und der weiße Löwe

Doch als Charlie ausgewachsen ist, muss Mia um das Leben ihres Freundes fürchten. Kann sie ihn retten?

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