Es war einfach zu verlockend: Nachdem die Verfilmung des „Mamma Mia“-Musicals 2008 mit einem Budget von 52 Millionen mehr als 600 Millionen Dollar in die Kassen spülte, wollte Universal unbedingt eine Fortsetzung. Nach zehn Jahren hat das Studio nun seinen Willen bekommen – und die Geschichte um die junge Sophie und ihrer drei Väter geht weiter. War das wirklich eine gute Idee?

Die Abba-Mania geht zwar auf und ab, aber so richtig verschwinden will die Musik der 70er und frühen 80er Jahre nicht mehr. Erst recht nicht, seit die vier berühmten Schweden unlängst vermeldeten, nach 36 Jahren Pause neue Songs aufgenommen zu haben, die zum Jahresende veröffenlicht werden. Wer ohnehin noch immer „ABBA Gold“ und ähnliche Collections rauf und runter hört, für den ist nicht nur das eine erfreuliche Meldung. Auch das Abba-Musical wird exklusiv im Kino weitergeführt und enthält einen zweiten Teil. Lohnt sich das?

Mamma Mia

Nach Donna in Teil eins steht in der Fortsetzung Tochter Sophie im Mittelpunkt.

Mamma Mia 2: Die Handlung

Sophie (Amanda Seyfried) möchte das etwas heruntergekommene Hotel ihrer Mutter Donna (Meryl Streep) zu größerer Bekanntheit verhelfen und renoviert, was das Zeug hält. Freund Sky (Dominic Cooper, „Preacher“), ist sogar in New York, um das Hotelgewerbe zu lernen. Und Stiefvater Sam (Pierce Brosnan) hilft auch mit, genau wie der neue Manager Fernando (!) (Andy Garcia). Doch das Wetter scheint Sophies große Eröffnungsparty zu ruinieren und auch viele Gäste, wie ihre Väter Bill (Stellan Skarsgard) und Harry (Colin Firth) sind verhindert …

Parallel begleitet der Film in Rückblenden die junge Donna (Lily James) auf ihrem Weg von England auf die griechische Insel, auf der sie ihr Leben lang bleiben wird. Und wir erfahren, wie sie damals ihre drei Liebhaber kennen lernte und warum es mit keinem von ihnen lange gehalten hat. Denn schon damals hatte einer von ihnen wirklich Donnas Herz erobert, war aber nicht geblieben. Und ein anderer hatte es einer von Donnas Freundinnen angetan …

Mamma Mia 2: Volles Haus

Regisseur und Drehbuchautor Ol Parker hat sie alle wieder bekommen. Alle Stars des ersten Teils sind auch in der Fortsetzung dabei, ob Christina Baranski („The Good Fight“) und Julie Walters als Donnas Freundinnen oder die restliche Familie. Neu dazu kommen neben Andy Garcia auch die Darsteller der jungen Väter und natürlich Hollywood-Diva Cher als Sophies Großmutter Ruby. Parker konnte also beim Personal aus dem Vollen schöpfen. Darüber hat er leider ein wenig vergessen, den Figuren auch eine Handlung zu schreiben.

Denn die ohnehin nicht üppige Geschichte des ersten Teils unterbietet Parker nochmals locker. Donna lernt als junges Mädchen Sam, Bill und Harry kennen. Sophie feiert ein Fest. Mehr passiert letztlich in Mamma Mia – Here We Go Again nicht. Aber was bei anderen Filmen für eine eher mäßige Kritik sorgen würde, stört hier nicht im Geringsten. Denn um so etwas wie eine grandiose Geschichte ging es in Musical und erstem Teil schon nicht. Sondern um die Musik. Und die gibt es erneut reichlich.

Mamma Mia

Harry, Bill und Sam nehmen ihre Vaterrolle immer noch ernst.

Mamma Mia 2: (Nur) für Abba-Fans

Seien wir mal ehrlich: Wer nicht muss, um seine Beziehung zu retten oder dem Partner einen Gefallen zu tun, wird sich diesen Film nicht ansehen wollen, wenn er kein Abba-Fan ist. Das wussten auch Parker und die Produzenten. Und walzen so hemmungslos die Teile des Vorgängers, die nach ihrer Meinung am besten funktioniert haben, reichlich aus. Es wird noch mehr getanzt, mehr gesungen, mehr geschmachtet, gewitzelt, gelacht und geweint. Das ist trotz einiger trauriger Momente so zuckrig und bunt, dass nur die unsterbliche Musik von Björn und Benny das retten kann. Und das tut sie.

Wenn Lily James mit überschäumender Lebensfreude „I kissed the teacher“ schmettert oder Harry ihr im Pariser Restaurant „Waterloo“ entgegenbrüllt, dann ist  das weder großes Kino noch brillant inszeniertes Musical. Und trotzdem kann man sich gegen ein aufsteigendes Lächeln im Gesicht kaum zur Wehr setzen. Der naive Charme von Mamma Mia – Here We Go Again ist derart entwaffnend, dass man sich dem mal kitschigen, mal melancholischen, aber immer mit wunderbarer Abba-Musik unterlegten Szenen einfach nicht wiedersetzen kann.

Dazu ist Lily James als junge Donna derart entzückend, dass man die drei Verehrer gut versteht, wenn sie sich in sie verlieben. Lediglich Cher ist in diesem Film verschenkt. Als geheimer Kurzauftritt, von dem vorher niemand wusste, hätte die inzwischen 72-jährige eingeschlagen wie eine Bombe. Als lange von der Marketings-Abteilung eingesetztes Lockmittel funktioniert sie nicht. Und ihre Stimme ist für Abba-Songs auch nicht wirklich perfekt.

Fazit:

Entweder man geht nicht ins Kino oder man liebt ihn. Für Abba-Fans bietet Mamma Mia – Here We Go Again das gleiche Erlebnis wie der erste Film. Und ist unterm Strich deshalb etwas schwächer, weil nicht mehr ganz so originell. Aber die 95 Prozent, die wegen der Musik und guter Laune ins Kino kommen, kriegen auch im zweiten Film die volle Packung. Und gehen lächelnd aus dem Saal. Garantiert.

Mamma Mia – Here We Go Again startet am 19. Juli in den deutschen Kinos.

Mamma Mia

Gesang, Tanz, Spaß und gute Musik – das kann reichen, um sich gut zu unterhalten.

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