Lange hielten die Macher um Produzent James Wan geheim, dass „Lloronas Fluch“ zum „Conjuring“-Universum gehört. Der bislang sechste Film der losen Horror-Reihe hat allerdings auch nur sehr wenig Berührungspunkte zu den bisherigen Filmen um das Exorzistenpaar Warren und einige der Dämonen, mit denen die sich bislang herumschlagen mussten. Kann der Film trotzdem die Horrorfans überzeugen oder fällt er, wie zuletzt „The Nun“, eher enttäuschend aus?

Für Regisseur Michael Chavez dürfte Lloronas Fluch so etwas wie ein Sechser im Lotto sein. Denn nach Ende der Dreharbeiten bestimmte James Wan („Aquaman“), Regisseur der beiden Haupt-Conjuring-Filme (Teil 1 und 2), Chavez als seinen Nachfolger. Das dritte Abenteuer der Warrens, das für 2020 angekündigt ist, wird also der Neuling im Conjuring-Universum inszenieren. Und das, obwohl Lloronas Fluch sein Langfilm-Debüt als Regisseur ist. Macht die Qualität des Films über die „weinende Frau“ die Entscheidung nachvollziehbar?

Lloronas Fluch

Obwohl Anna nur helfen wollte, enden Patricias Kinder tot im Fluss – und die Mutter schwört Rache.

Lloronas Fluch: Die Handlung

Los Angeles in den 70er Jahren. Sozialarbeiterin Anna (Linda Cardellini) muss nach dem Tod ihres Mannes die beiden Kinder allein aufziehen. Keine leichte Aufgabe, dennoch geht Anna auch in ihrem Job auf und versucht, Menschen zu helfen, wo sie kann. Als sie erfährt, dass die ihr bekannte, zweifache Mutter Patricia (Patricia Velasquez) Probleme mit dem Jugendamt hat, versucht zu, der Frau und ihren beiden Jungs zu helfen. Doch als sie die Kinder eingesperrt im Schrank findet, kann auch sie nichts mehr tun, obwohl die Mutter sie anfleht, die Kinder dort zu lassen.

Am nächsten Tag sind die beiden kleinen Jungen tot – ertrunken. Immer wieder stammelt die Mutter etwas von La Llorona, der weinenden Frau. Anna findet heraus, dass es sich dabei um eine vor allem in Mexiko bekannte Geistergestalt handelt. Eine junge Frau hatte angeblich aus Eifersucht ihre Kinder ertränkt, um den Gatten zu verletzen und war über die Tat dann so verzweifelt, dass sie Selbstmord beging – und sich seitdem als Geist weitere Kinder holt, die sie ertränkt. Bald kommen Anna erste Zweifel dass La Llorona wirklich nur ein Mythos ist …

Lloronas Fluch: Der Fluch der Serie

Warum die Produzenten beschlossen, Lloronas Fluch in die Conjuring-Reihe aufzunehmen, ist nicht ganz klar. Vermutlich hat es damit zu tun, dem Film mehr Druck an den Kinokassen zu bescheren. Denn inhaltlich gibt es keinen Grund, die Geschichte von der weinenden Frau zwischen die Dämonen und bösen Puppen zu hängen, von denen das Conjuring-Universum beherrscht wird. Bis auf die gleiche Zeit, die hier allerdings weit weniger auffällig in Szene gesetzt ist als in anderen Filmen der Reihe, gibt es wenig Gemeinsamkeiten.

Und dementsprechend dünn ist auch der Faden, der zwischen Lloronas Fluch und den anderen Werken gesponnen wird. Verzichtbar ist er außerdem. Stattdessen blockiert die Verbindung eher inhaltliche Elemente, die zwar angedeutet werden, möglicherweise aus Rücksicht auf die Conjuring-Reihe aber nicht zu Ende gebracht werden. Dem Film aber möglicherweise eine Ebene verliehen hätten, die ihn in die Nähe solcher mehrdeutigen Horror-Perlen wie „Der Babadook“ hätten bringen können. Diese Chance verschenkt Chavez leider völlig.

Lloronas Fluch

Und bald darauf ist die weinende Frau auch hinter Annas Kindern her.

Lloronas Fluch: Standard-Grusler ohne doppelten Boden

Denn eigentlich spielen die Autoren Mikki Daughtry und Tobias Iaconis gar nicht ungeschickt mit dem Verdacht der Kindesmisshandlung, die sich zu Beginn als möglicher Grund für die verschreckten und an den Armen verbrannten Kinder herauszukristallisieren scheint. Noch bis zur Mitte der Story schwebt dieses Thema auch im Raum, bevor es dann ohne weitere Erklärung plötzlich nicht mehr relevant scheint. Dazu kommt ein weiteres Problem, dass einige von den Conjuring-Filmen besser machen als Lloronas Fluch – die innere Logik.

Denn was die weinende Frau denn nun tatsächlich kann und tut, darüber trifft der Film ganz unterschiedliche Aussagen. Mal verbrennt der Geist seine Opfer durch bloße Berührung, mal nicht. Mal genügt es, eine Tür zuzuhalten, um den bösen Geist aufzuhalten, mal schwebt er offenkundig durch feste Wände. Obwohl die handwerklich allesamt sauber gemachten Szenen durchaus zuerst Wirkung zeigen, verlieren sie durch diese Unlogik im Nachhinein doch viel von der dunklen Magie, die einen guten Horrorfilm auszeichnet.

In einigen Szenen zeigt Chavez durchaus, warum Wan ihm die Regie zum nächsten Conjuring-Film gegeben hat. Gut geschnitten, mit starkem Gefühl für Timing und interessante Perspektiven kann der Regisseur im handwerklichen Bereich durchaus überzeugen. Wenn nur die dünne Story nicht wäre. Die auch noch die gruseligsten Momente wie etwa das Weinen des Geistes, das einem durch Mark und Bein geht, durch sehr sparsamen Einsatz fast verschenkt. Diesen leider nur durchschnittlichen Geister-Grusler retten daher auch die durchweg guten Darsteller nicht mehr.

Fazit:

Ob sich die Macher mit der (auch noch dünnen) Verbindung zum Conjuring-Universum wirklich einen Gefallen getan haben, muss angesichts der verschenkten Möglichkeiten bezweifelt werden. Die eigentlich interessante Grundidee von Lloronas Fluch, eine hier wenig bekannte Urban Legend zum Thema eines Films zu machen, bleibt ohne Verbindung zum realen Grauen wie Kindesmisshandlung oberflächlich. So bleiben recht ordentliche, handgemachte Effekte und die gute Darsteller-Riege die einzigen sehenswerten Teile des Films.

Lloronas Fluch startet am 18. April 2019 in den deutschen Kinos.

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