Auf der ISS im Erdorbit untersuchen Wissenschaftler Gesteinsproben vom Mars – und machen eine unheimliche Entdeckung: Es gibt Leben außerhalb der Erde! Doch es muss nicht unbedingt sonderlich freundlich sein. Filmfans dürfte der Plot bekannt vorkommen, aber wie gut ist der neueste „Alien“-Klon ausgefallen?

Das Grundthema haben wir seit 1979 oft wiedergesehen, doch nie erreichte es die Qualität der Originalserie. Ob nun Alien oder Aliens der beste Film der Reihe ist, darüber lässt sich sicherlich streiten und die Fans sind da auch deutlich geteilter Meinung. Dass es nichts gab, das in Sachen Horrorfaktor und Fremdartigkeit auf der Leinwand da herankommt, ist hingegen unstrittig. Doch jetzt kommt mit Life ein neuer, stargespickter Versuch – kann er an die großen Vorbilder heranreichen?

Life: Die Handlung

Fast hätte das Drama auf der ISS gar nicht stattgefunden, denn die Sonde mit den Proben vom Mars war vom Kurs abgekommen. Doch Astronaut Roy (Ryan Reynolds) kann den Container im letzten Moment per Greifarm andocken – und das Unheil nimmt seinen Lauf. Unter strenger Aufsicht der Sicherheits-Expertin Miranda (Rebecca Ferguson) untersucht Biologe Hugh (Ariyon Bakare) die Brocken und findet eine einzelne Zelle, die sich durch Zugabe von Wärme und Nahrung tatsächlich wiederbeleben lässt und sich munter teilt. Bald hat Hugh ein mit bloßem Auge sichtbares Wesen in seinem Glaskasten, das den Namen Calvin erhält. Doch Calvin ist weder mit seiner Umgebung noch mit seiner Größe zufrieden und versucht alles, um aus seinem Käfig zu entkommen und weiter zu wachsen. Natürlich ist er bald erfolgreich und auf der ISS bricht die nackte Panik aus. Während der Mediziner David (Jake Gyllenhaal) hauptsächlich um die Sicherheit der Besatzung besorgt ist, denkt Miranda an die Sicherheit der Welt – und plant drastische Maßnahmen, um Calvin daran zu hindern, die Erde zu erreichen …

Alien für Anfänger

Der Plot ist eindeutig: Eine Crew mitten im lebensfeindlichen All ist auf einen Schlag mit einem hoch aggressiven Wesen eingesperrt, dass so fremdartig ist, dass Kommunikation nicht möglich scheint. Da ist zum großen Vorbild wenig Variation zu erkennen. Unterschiede gibt es trotzdem, denn Life ist erwartungsgemäß schlechter als Alien. Überraschend ist lediglich, wie viel schlechter die neue Version ausgefallen ist.

Denn das Drehbuch ist eines der schwächsten, das in Horrorfilmen – und nichts anderes ist Life – in den vergangenen Jahren verfilmt worden ist. Die gesamte Story wimmelt vor dämlichen Handlungen der Charaktere, unrealistischen oder schlicht falschen Einsätzen bekannter Technik und unglaubwürdigen Zufällen. Damit die Story so passieren kann, wie sie passiert, braucht es tatsächlich mehrere Sechser im Lotto, nur hier eben negativer Art. Denn Calvin scheint mit dem Schicksal im Bunde, wann immer es schlecht für ihn aussieht, geschieht aus heiterem Himmel ein Ereignis, dass Calvin erneut zur Gefahr werden lässt. Spätestens beim dritten Mal fasst sich auch ein unerfahrener Horrorfan an den Kopf, Veteranen haben schon nach einer knappen Stunde die Nase voll von dieser leider richtig blöden Geschichte. Verbrochen haben die Rhett Reese und Paul Wernick, die vorher unter anderem mit „Zombieland“ und „Deadpool“ zu tun hatten. Offenbar hat Kumpel Ryan Reynolds hier dafür gesorgt, dass sie mit an Bord waren. Doch nicht jeder, der ein lustiges Drehbuch schreiben kann, kann auch ein gruseliges schreiben – oder ein glaubwürdiges.

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Reynolds und Gyllenhaal auf unterschiedlichen Seiten einer Scheibe. Für einen von beiden garantiert keine gute Situation.

Nur wenig Gutes

Zumal das Script es auch nicht schafft, in der relativ ruhigen ersten Hälfte des Films auch nur einem Charakter ein wenig Tiefe zu verleihen. Reynolds wirkt wie Deadpool im All und hat außer dummen Sprüchen wenig zu sagen oder zu tun. Gyllenhaal und Ferguson werden zwar als Hauptfiguren aufgebaut, haben aber auch nur drei Eigenschaften, die sie definieren. Keiner der Stars schafft es hier, eine emotionale Bindung zum Publikum herzustellen, dementsprechend egal ist dem Zuschauer auch das Schicksal des Charakters. Dazu kommen Wissenschaftler, die offenbar mit den Vollidioten aus „Prometheus“ verwandt sind, denn ohne ihr Verhalten, dass vermutlich schon ein Sechsjähriger als dämlich einstufen würde, gäbe es den Plot gar nicht.

Sehenswert sind lediglich die Szenen, in denen die Crew in der Schwerelosigkeit durch die Raumstation fliegt, mitunter sogar sehr schnell. Hier blitzt kurz auf, wie rasant und spannend die Geschichte hätte werden können. Die Enge innen, die Lebensfeindlichkeit draußen, ein Killer mit an Bord – das klingt eigentlich gut. Auch die wenigen Splatterszenen sind gut gemacht, ganz schön eklig und eines harten Horrorfilms würdig. Potenzial war also durchaus da, wurde aber lange nicht so derart verschenkt wie hier. Immerhin: Vor dem tentakelbewehrten Seestern Calvin, der an Kreaturen von Lovecraft erinnert, kann man ob dessen konsequenter Tatkraft schon ein wenig Angst bekommen. Am Monster hat es hier also nicht gelegen.

Fazit:

Selten wimmelte ein Drehbuch so vor miesen und unglaubwürdigen Twists, dämlichen Akteuren und komplett lachhaften Zufällen. Und selten waren eigentlich gute Schauspieler so verschenkt. Warum Gyllenhaal, Ferguson und Reynolds hier mitgespielt haben, werden sie einmal ihren Biografen erklären müssen. Der Film ist für Genrefans eine echte Beleidigung, zumal er ob der teuren Sets und des hohen Produktionsaufwands auch als lustiger Trash nicht durchgeht. Hier kann man eigentlich nur den Titel eines Films von Komiker Mel Brooks zitieren: Life stinks! 

Life läuft ab 23. März in den deutschen Kinos.

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