Schauspielerin Greta Gerwig kann mehr als nur vor der Kamera agieren, das beweist sie mit ihrem Film „Lady Bird“. In ihrer ersten eigenen Regiearbeit, bei der sie auch gleich noch das Drehbuch beisteuerte, erzählt sie von ihrer eigenen Jugend. Sollte man sich das Gefühlschaos einer 17-jährigen irgendwo im kalifornischen Hinterland denn im Kino ansehen? Unbedingt!

Die Kino-Historie ist wahrlich nicht arm an Filmen, in denen die Zuschauer dem Prozess des Erwachsenwerdens zusieht. Mal ist es eine einzelne Figur, mal eine ganze Gruppe, die den Schritt vom Kind zum Erwachsenen machen muss. Mal ist es witzig, mal traurig, mal beides. Wirklich Neues haben die Filme allerdings meist nicht mehr zu erzählen. Das gilt auch für Lady Bird, mit der hinreißenden Saoirse Ronan (spricht sich Sörscha) in der Hauptrolle. Worum der Film trotzdem sehenswert ist, erfahren Sie hier.

Lady Bird

Mit Mutter Marion liefert sich Lady Bird tagtäglich Redeschlachten bis an die Grenze des Erträglichen.

Lady Bird: Die Handlung

Die 17-jährige Christine (Saoirse Ronan) lebt in Sacramento, muss auf eine katholische High-School gehen, weil sich die Eltern nichts anderes leisten können – und fiebert dem Tag entgegen, an dem sie ihre Heimat endlich Richtung Ostküste verlassen kann. Um sich von den anderen abzuheben, die nicht so sind wie sie, möchte sie Lady Bird genannt werden – nicht der einzige Wunsch, mit dem sie kläglich scheitert. Bis zum College hat sie aber auch noch andere Dinger auf der To-Do-Liste.

Dazu gehört, ihre Unschuld zu verlieren, weshalb sie sich erst mit dem netten Danny (Lucas Hedges, „Three Billboards“) und danach mit dem Rockmusiker Kyle (Timothée Chalamet) einlässt. Auch ihre gesellschaftliche Stellung als Kind aus ärmlichen Verhältnissen will Lady Bird ändern, um zu sehen, wie sich das anfühlt. Während ihr arbeitsloser Vater Larry (Tracy Letts) eher entspannt mit ihr umgeht, ist ihre extrem fürsorgliche Mutter Marion (Laurie Metcalf) ständig mit ihrer Tochter im Clinch – mit rabiaten Folgen …

Lady Bird: Die erträgliche Leichtigkeit …

Der Film von Greta Gerwig, die nach eigener Aussage Erlebnisse aus ihrer Jugend verarbeitet, ohne deshalb eine Autobiographie zu drehen, zeigt keine neuen Handlungen oder Blickwinkel auf die Probleme des Abnabelns und die Schwierigkeiten, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Alles, was Lady Bird den Zuschauern erzählt,. wissen die meisten sicherlich schon. Es ist die Art und Weise, wie Gerwig ihre Heldin inszeniert, die den Film so sehens- und liebenswert machen.

Denn der inzwischen 34-jährigen Gerwig gelingt das Kunststück, den Film so zu erzählen, wie ihre Protagonistin sich fühlt. Mal findet Gerwig coole Bilder für eigentlich emotionale Momente, mal erzählt sie ganz lakonisch von der möglichen großen Liebe, nur um im nächsten Moment wieder mitfühlend und ganz nah an ihrer Heldin eine eigentlich ganz alltägliche Situation als Hölle auf Erden zu zeigen. So authentisch fühlte sich der Prozess, den die Amerikaner „Coming of Age“ nennen, in einem Film lange nicht mehr an.

Lady Bird

Der coole Kyle wird Lady Birds erste große Liebe.

Lady Bird: Tolle Heldin

Saoirse Ronan schafft es dabei mühelos, ihre Gefühle genau in den Momenten am besten nach außen zu kehren, wenn Lady Bird eigentlich ganz cool sein will. Und so gelingt ein tiefer Einblick in die Seele der 17-jährigen, die sich so ganz anders fühlt als der Rest der Welt – und letztlich genau das will, was alle wollen. Diesen Widerspruch arbeitet Gerwig in ihrem oft lustigen, manchmal aber auch sehr melancholischen Drehbuch sauber heraus.

Was ihr ohne die großartigen Schauspieler sicher schwerer gefallen wäre. Saoirse Ronan, obwohl schon Mitte 20, spielt den Teenager mit soviel überkochenden Emotionen und gleichzeitig derart zart, dass es fast unmöglich ist, diesen Charakter nicht zu mögen. Und Laurie Metcalf als der Fels von Mutter, an der Lady Bird sich fortwährend reibt, steht ihrer Kollegen in Nichts nach. Beide Oscar-Nominierungen kommen hier wirklich nicht von ungefähr. Dazu bietet Lady Bird mit 95 Minuten Laufzeit eine perfekte Länge für seinen Inhalt und langweilt keine Sekunde. 

Auf vielen Kritikseiten sammelte Lady Bird eine immens gute Wertung, einfach deshalb, weil man diesen Film kaum nicht mögen kann. Ein Meisterwerk ist er sicherlich nicht, dazu fehlen ihm die unvergesslichen Szenen, die sich dem Publikum ins Gedächtnis brennen. Aber Greta Gerwig drehte eine wunderbare Tragikomödie über die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, in der sich viele Zuschauer wiederfinden werden.

Fazit:

Ob Mann oder Frau, dieser Film beinhaltet garantiert Szenen, in denen sich jeder Zuschauer wiedererkennt, obwohl Lady Bird ja eigentlich nur von einer jungen Frau handelt. Aber Regisseurin und Autorin Greta Gerwig findet Worte und Szenen, die wohl jeden ansprechen, der unter mehr oder weniger starken Zweifeln, Liebeskummer und Rebellion gegen die Eltern litt, als er selbst erwachsen wurde. So etwas nennt man einen tollen Film.

Lady Bird startet am 19. April 2018 in den deutschen Kinos.

Lady Bird

Lady Bird und Freundin Julie wissen: Das Leben auf einer katholischen Schule ist nicht immer lustig.

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