Wie begann eigentlich die Geschichte des Weihnachtsmannes, den die Amerikaner auch Santa „Klaus“ nennen? Der neue Animationsfilm von Netflix gibt darauf eine mögliche Antwort. Und soll sich qualitativ an Kinofilmen von Disney oder Pixar messen lassen. Kann der im Original englischsprachige Film aus spanischer Produktion diesem Erwartungsdruck standhalten oder ist Klaus eine kleine Enttäuschung? Das verrät die Kritik.

Fast neun Jahre hat der international erfahrene Animations-Regisseur Sergio Pablos an seiner Idee gearbeitet, bis Klaus endlich fertig war. Denn jahrelang sucht Pablos nach einem Geldgeber, doch alle großen Hollywood-Studios fanden das Projekt zu riskant und lehnten ab. Ende 2017 schlug dann Netflix zu und gab bekannt, den Film für eine Veröffentlichung Ende 2019 eingekauft zu haben. Hat sich für den Streaming-Dienst das Risiko gelohnt?

Klaus

Für Postbote Jesper beginnt in Zwietrachting ein echter Alptraum.

Klaus: Die Handlung

Jesper ist der verwöhnte Sohn des Postchefs und denkt gar nicht daran, seine Ausbildung zum Postboten ernst zu nehmen. Zur Strafe schickt ihn sein Vater in den hohen Norden auf die Insel Zwietrachting. Dort soll Jesper innerhalb eines Jahres 6000 Briefe abfertigen, um wieder nach Hause zurückkehren zu dürfen. Doch bald muss er einsehen, dass die verfeindeten Einwohner-Clans sich keinerlei Briefe schreiben und er im eisigen Norden festsitzt. So wie die junge Alva, die einst als Lehrerin kam und feststellen musste, dass die Kinder nicht zur Schule kommen.

Als Jesper eines Tages von einem einsam lebenden Holzfäller namens Klaus hört, stattet er dem Haus einen Besuch ab – und verliert dabei durch Zufall die Zeichnung eines Kindes, die er gefunden hatte. Damit macht er denn schweigsamen Handwerker neugierig, denn offenbar war das Kind sehr traurig, als es das Bild gemalt hatte – und das geht Klaus zu Herzen. Also schenken er und Jesper dem Jungen in einer Nacht-und Nebel-Aktion ein selbstgebautes Spielzeug. Eine Tat, die im finsteren Zwietrachting nicht ohne Folgen bleibt …

Klaus: Weder kitschig noch albern

Regisseur und Ideengeber Sergio Pablos hat sich tatsächlich an ein schweres Thema gewagt. Denn Storys rund um Weihnachten sind oft entweder witzig – und dann nicht selten albern. Oder aber gefühlvoll – und dann häufig leider furchtbar kitschig. Beides zu vermeiden ist eine Kunst, die selten zu sehen ist. Doch der im Animationsbereich sehr erfahrene Spanier, der lange für die Tickfilmstudios von Disney und Universal („Minions“) gearbeitet hat, kann mit Klaus einen Film vorweisen, der sowohl gefühlvoll als auch lustig ist – ohne zu nerven.

Das verdankt der Film zu großen Teilen seinem starken Drehbuch der als Autoren eher unbekannten Zack Lewis und Jim Mahoney. Denen es immer wieder gelingt, sehr traditionelle Erzählstrukturen und Charaktere mit Kleinigkeiten und Details so aufzupeppen, dass sie frisch und neu wirken. Und allzu tränenreiche Situationen immer wieder mit schönem Humor aufbrechen. Besonders gelungen ist aber der Aufbau der Story, die von Minute zu Minute nach lediglich ganz nettem Beginn immer stärker und einfallsreicher wird.

Klaus

Erst als Jesper den Holzfäller Klaus kennenlernt, werden die Dinge langsam besser.

Klaus: Tolle Figuren

Denn auch wenn viele Handlungsstränge wenig überraschend enden, so gibt es doch immer wieder auch schöne Momente, die der Zuschauer nicht unbedingt kommen sieht. Dazu schaffen Pablos, Lewis und Mahoney auch Nebenfiguren, die ungemein charmant ausfallen. So wird sich garantiert kaum jemand der entzückenden kleinen Samin Margu entziehen können. Auch weil Jesper mit ihr tolle Gespräche führt, obwohl sie gar nicht die selbe Sprache sprechen. Niedlicher als hier lässt sich so eine Szene kaum umsetzen.

Aber auch das Duo aus Jesper und Klaus, die gemeinsam Gutes für die Kinder tun wollen – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen – sind in ihrer Charakterzeichnung absolut gelungen und bieten sowohl slapstickartigen Humor als auch besinnliche Momente, die gut zum Thema des Films passen. Dazu entwirft Pablos seine Story in einem ganz eigenen Look, der, obwohl am Computer entstanden, fast wie von Hand gezeichnet wirkt. Und an die Optik eines Animationsgroßmeisters wie Don Bluth („Mrs Brisby und das Geheimnis von Nimh“) erinnert.

So gelingt ein Familienfilm, der den Namen verdient, weil er für Kinder und Erwachsene gleichermaßen rührende, traurige, aber auch sehr lustige Szenen beinhaltet. Und in seiner Länge von knapp 100 Minuten nicht nur eine ganze Menge Handlung unterbringt, sondern auch ein paar dieser magischen Momente hervorbringt, an die man sich auch nach Jahren noch erinnert, als hätte man sie gestern zuletzt gesehen. Wer das mit animierten Figuren schafft, ist schon ein großer der Zunft. Klaus ist wundervoll – nicht nur, aber vor allem zu Weihnachten.

Fazit:

Netflix hat schon viele, eher durchschnittliche Weihnachtsfilme produziert, aber Klaus gehört ausdrücklich nicht dazu. Regisseur Sergio Pablos inszenierte einen manchmal lustigen, manchmal besinnlichen, aber nie langweiligen Animationsfilm, der nicht nur die Weihnachtsbotschaft transportiert, sondern auch glänzend unterhält. Mit dem Charme und dem Look alter Disney-Produktionen ausgestattet, ist Klaus nicht nur für Kinder ein echter Hingucker, sondern ein toller Film für die ganze Familie.

Klaus startet am 15. November 2019 bei Netflix.

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Klaus

Mit der kleinen Samin Margu führt Jesper tolle Gespräche – obwohl sie seine Sprache nicht spricht,

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