Im Horror- und Thrillerbereich tischt Netflix zurzeit ordentlich auf. Nach Filmen wie „Fractured“ und „Im hohen Gras“ kommt mit „Eli“ nun ein weiterer Vertreter des Genres ins Programm des Streaming-Anbieters. Und der wurde von ein paar echten Horror-Profis geschrieben und inszeniert. Und dabei ist in jedem Fall eine Story herausgekommen, die mit einem komplett anderen Ende aufwarten kann, als der Zuschauer zu Beginn vermutet. Lohnt sich also das Ansehen?

Zwei der drei Autoren von Eli – Ian Goldberg und Richard Naing – schrieben das Drehbuch zum ausgezeichneten „The Autopsy of Jane Doe“. Der dritte im Bunde, David Chirchirillo, dachte sich „Cheap Thrills“ aus. Regisseur Ciarán Foy drehte vor Eli den Horrorfilm „Sinister 2“. Also durchaus eine Menge Fachwissen, das Netflix zu dieser Produktion versammelt hat. Merkt man das? Kann Eli Horrorfans überzeugen? Das verrät die Kritik.

Eli

Im Schutzanzug erreicht Eli die Klinik, die ihn davon befreien soll.

Eli: Die Handlung

Der junge Eli (Charlie Shotwell) leidet unter einer schweren Auto-Immun-Erkrankung. Fast die gesamte Umwelt ist pures Gift für ihn und so ist er gezwungen, die meiste Zeit des Tages in einem Schutzanzug herumzulaufen. Seine Eltern Rose (Kelly Reilly) und Paul (Max Martini) haben nach langem Suchen endlich eine Ärztin gefunden, die der Meinung ist, dass sie Eli helfen kann. Dr. Horn (Lili Taylor) hat eine Therapie entwickelt, die Kindern wie Eli ein normales Leben ermöglichen soll. Uns so fährt die Familie zum abgelegenen Haus der Ärztin.

Doch Eli fühlt sich dort sofort unwohl. Bald weiß er auch, warum. Offenkundig gibt es in dem alten Gemäuer Geister, die es auf ihn abgesehen haben. Als er Haley (Sadie Sink, „Stranger Things“) kennenlernt, die in der Nähe wohnt, erfährt er auch von ihr beunruhigende Geschichten über seine Vorgänger in der Klinik. Bald ist Eli davon überzeugt, dass die Ärztin keineswegs sein Wohl im Sinn hat, sondern eigentlich plant, ihn umzubringen. Doch seine Eltern versichern ihm, seine Ängste lägen allein an den Medikamenten. Ist das wirklich so?

Eli: Routinierte Regie  

Ciarán Foy erledigt mit Eli seinen Job ordentlich – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Mit gut gesetzten, aber durchaus bekannten Jump-Scares peitscht er das Adrenalin beim Zuschauer zügig in die Höhe. Und zeigt ähnliche Qualitäten wie schon bei Sinister 2. Zwar bleibt da für den Aufbau einer unheimlichen Atmosphäre nicht viel Zeit, aber das Produktionsdesign ist gut genug, um das alte Haus auch ohne langen Aufbau zu einem gruseligen Ort zu machen. Durch die großen Treppen und die altmodische Einrichtung entsteht schnell ein Gothic-Flair.

Dazu holte sich Foy mit Lili Taylor eine Horror-erfahrene Darstellerin („The Conjuring“) für eine wichtige Rolle, und auch Kelly Reilly hat mit „Eden Lake“ bereits einen sehr harten Neo-Klassiker des Genres vorzuweisen. Beides wirkt sich positiv auf den Film aus. Und auch die Kinderdarsteller Sadie Sink und Charlie Shotwell schlagen sich in ihren Rollen sehr gut. Lediglich Max Martini bleibt ein wenig blass, was seiner wenig spannenden Rolle geschuldet ist.

Eli

Haley, ein Mädchen aus der Nachbarschaft, erzählt Eli beunruhigende Dinge über seine Vorgänger.

Eli: Edles Drehbuch

 Der heimliche Star des Films ist hier aber das Drehbuch. Obwohl nicht immer etwas Gutes dabei herauskommt, wenn viele Köche im Brei rühren, hat das Trio aus Autoren hier einen sehr guten Job gemacht. Denn es gelingt ihnen, von Anfang an Spannung zu erzeugen. Und dennoch das Publikum lange im Dunkeln darüber zu lassen, was in diesem alten, unheimlichen Haus nun wirklich vor sich geht. Erst die Schluss-Viertelstunde offenbart den fiesen Plot, den wohl kaum jemand vorab erraten wird, obwohl die Autoren Spuren hinterlassen haben.

Sieht es zu Beginn nach einem Science-Fiction-Reißer aus, wechselt Eli bald ins Fach des Geister-Gruselfilms, den Fan des Genres in den vergangenen Jahren zur Genüge bekommen haben. Um dann doch noch in eine wieder andere Richtung abzubiegen. Das setzen die Autoren derart gut in Szene, dass ihnen das größte Lob für diesen nicht durchgehend fesselnden, aber zumindest sehr originellen Horrorfilm gebührt. Sie zeigen, dass The Autopsy of Jane Doe kein Einzelfall war, hier sind endlich ein paar frische Ideen am Werk.

Der Schlingerkurs, den Eli nimmt, wird aber garantiert nicht jedem Zuschauer gefallen. Wie immer bei phantastischen Stoffen muss man manchen Weg einfach mitgehen, damit der Film seine Wirkung entfalten kann. Wer sich früh auf eine Story einschießt, die er dann gar nicht bekommt, könnte enttäuscht sein. Verdient hat dieser sehr ordentliche Vertreter des Horror-Genres das aber nicht. Wer regelmäßig Horror schaut, dürfte mit Eli jedenfalls sehr zufrieden sein.

Fazit:

Mit Eli liefert Netflix einen sehr ordentlichen Horrorfilm ab, der vor allem mit seinen Twists überzeugen kann und sich bis kurz vor Ende kaum richtig in die Karten schauen lässt. Gut besetzt, routiniert inszeniert und richtig stark geschrieben, erfüllt der Film zumindest für Horrorfans die Erwartungen, endlich mal etwas Frisches zu sehen. Auch wenn Regisseur Foy auf dem Weg dorthin schon die eine oder andere gängige Jump-Scare-Szene aus dem Hut zieht. Hier hat sich die Zusammenarbeit mehrerer Horror-Experten absolut ausgezahlt.

Eli startet am 18. Oktober 2019 bei Netflix.

Mehr Netflix-Filmkritiken finden Sie hier.

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Eli

Bald kommen Eli ernste Zweifel daran, dass Dr. Horn sein Bestes will.

 

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