Wenn Sönke Wortmann einen neuen Film veröffentlicht, dann merken Comedy-Fans in Deutschland immer noch auf. Denn obwohl der Regisseur sich mittlerweile auch in anderen Genres („Charité“, „Ein Sommermärchen“)  ausprobiert hat, so ist die Komödie doch noch immer Wortmanns Heimspiel. Kann auch „Der Vorname“, das Remake einer französischen Komödie, die Fans zum Lachen bringen?

Der bald 60-jährige Sönke Wortmann ist schon seit den frühen 90ern ein Star der deutschen Filmszene. Mit „Allein unter Frauen“ und „Kleine Haie“ gelangen  ihm auf Anhieb Kinohits, „Der bewegte Mann“ und „Das Superweib“ festigten seinen Status. Doch hin und wieder geriet auch mal ein Projekt zum Flop. In den 2000ern widmete sich Wortmann dann seiner anderen großen Liebe, dem Fußball. Er schuf die Doku Ein Sommermärchen über die WM 2006 und feierte mit „Das Wunder von Bern“ den ersten Titel des deutschen Teams. Nun wandelt er mit Der Vorname auf Kammerspiel-Pfaden. Kann er das?

Der Vorname

Germanistik-Professor Stephan weiß eigentlich alles – meint er.

Der Vorname: Die Handlung

Das Bildungsbürger-Paar Stephan (Christoph Maria Herbst) und Elisabeth (Caroline Peters) haben zum Abendessen geladen. Es kommen Elisabeths Bruder Thomas (Florian David Fitz) und der Musiker René (Justus von Dohnányi), schon seit Kindertagen ein enger Freund der Familie. Während Elisabeth noch am Herd steht, unterhalten sich die drei Männer und Stephan fragt nach Thomas‘ schwangerer Freundin Anna (Janina Uhse) und dem Befinden des Kindes. Da lässt Thomas die Bombe platzen.

Das Kind wird ein Junge, verkündet er – und er soll Adolf heißen. Damit bringt er den Germanistikprofessor und Schöngeist Stephan ebenso auf die Palme wie den eigentlich eher ruhigen René. Und auch Elisabeth ist über die Idee alles andere als glücklich. Doch Thomas verteidigt seine Entscheidung mit glühendem Eifer und bricht so langsam einen Streit vom Zaun, der schnell auch noch in ganz andere Bereiche vordringt als nur den des Namens. Alte, unerledigte Dinge kommen nach Jahren plötzlich wieder auf den Tisch …

Der Vorname: Boulevardeskes Kammerspiel

 Wortmanns Regie verlässt die Wohnung von Stephan und Elisabeth so gut wie nie und erinnert damit sehr an eine Theater-Inszenierung. Und tatsächlich ist der Stoff auch gut auf einer Bühne vorstellbar. Auch wenn die Vorlage hier ein anderer Kinofilm war. Die Story wird Film- und Theaterfans aber gleichermaßen an andere Stoffe erinnern. So klingt immer wieder „Der Gott des Gemetzels“ durch, ein verfilmtes Theaterstück. Und natürlich ist auch einiges von Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Wolff?“ zu finden.

Allerdings drehte Wortmann statt eines bitteren Dramas hier eine lupenreine Komödie, daher ist Der Vorname auch sehr viel lustiger, boulervardesker und weniger düster als Albees Drama. Das Drehbuch kommt aber immer wieder an Stellen, wo es auch in eine düstere Richtung kippen könnte, was dann aber doch nie geschieht. Wortmann zeigt hier aber sehr schön, wie auch schon in seiner Theaterstück-Umsetzung „Frau Müller muss weg“ von 2015, wie dicht Tragödie und Komödie manchmal beisammen liegen.

Der Vorname

Gattin Elisabeth versucht, den Streit zu schlichten.

Der Vorname: Gute Darsteller

Obwohl auch drei starke Frauen im Ensemble stehen, so sind es doch die drei Männerrollen, die in Erinnerung bleiben. Christoph Maria Herbst ist glänzend als klugscheißender Bildungsbürger, der natürlich alles besser weiß und den moralischen Kompass jeden Morgen zum Frühstück isst. Aber auch Florian David Fitz als blasierter Yuppie mit Argwohn gegen alle, die mehr als zehn Bücher gelesen haben, spielt seinen Part großartig. Und Justus von Dohnáhnyi als sehr sensibler Künstler ist ebenfalls absolut sehenswert.

Dagegen sind die Frauenrollen merklich schwächer – und auch kürzer. Janina Uhse als Anna stößt erst in der zweiten Hälfte dazu, Caroline Peters darf nicht viel mehr tun als Frieden stiften und Iris Berben als Mutter von Elisabeth und Thomas hat gar nur ein kurzes Cameo. Und so bleibt es den Männern vorbehalten, sich hier eindrucksvoll zügig und fies die Argumente um die Ohren zu hauen. Und das tun vor allem Herbst und Fitz mit sichtlichem Vergnügen. 

Dass Der Vorname dennoch nicht zur Gänze überzeugt, liegt dann auch eher am Drehbuch. Denn nicht alle Charaktere sind gleichermaßen gut geschrieben, die Frauenfiguren bleiben hier klar hinter den Männern zurück. Und die Grenze zwischen realem Charakter und Klischee verschwimmen immer wieder und verpassen dem Film einen Schlingerkurs zwischen anspruchsvollem Wortwitz und alberner Pointe. Das ist aber Jammern auf recht hohem Niveau, denn gerade für Bildungsbürger, die über sich selbst lachen können, hat Wortmanns Neuer viel zu bieten.

Fazit:

Manchmal hält Wortmann mit Der Vorname seinem Klientel den Spiegel ein wenig zu plump vor die Nase, um wirklich treffen zu können. Dem Spaß, guten Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie sich mit großer Freude gegenseitig die Bälle zuspielen, tut das aber nur auf intellektueller Ebene etwas Abbruch. Unterm Strich bleibt eine sehr unterhaltsame Komödie mit viel Wortwitz und guten Ideen.

Der Vorname startet am 18. Oktober 2018 in den deutschen Kinos.

Der Vorname

Als Anna eintrifft, bekommt der Krach nochmal eine ganz andere Dimension.

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