Regisseur Zak Hilditch schickte vor zwei Jahren Thomas Jane als Farmer in der Stephen King-Adaption „1922“ durch die Hölle. Nun tut er Carmen Ejogo („Alien: Covenant“) das gleiche an. Kann der auf düstere Stoffe spezialisierte Australier auch in seinem zweiten für Netflix produzierten Film überzeugen? Oder ist „Der Biss der Klapperschlange“ eine zahnlose Angelegenheit?

Der Teufel ist noch immer eine der größten Inspirationen für Filmemacher im Bereich Horror – und nicht nur da, wie „Lucifer“ nun schon vier Staffeln lang beweist. Schauspiel-Größen wie Robert DeNiro, Al Pacino und Viggo Mortensen sind schon in die Rolle des Satans geschlüpft – und brachten das Publikum zum Schaudern. Doch Hilditch geht mit seinem teuflischen Auftritt andere Wege. Ist das dennoch gruselig? Das verrät die Kritik.

Biss der Klapperschlange

Katrina ist mit ihrer Tochter auf dem Weg zur Großmutter, als das Unglück geschieht.

Der Biss der Klapperschlange: Die Handlung

Die alleinerziehende Mutter Katrina (Carmen Ejogo) fährt mit ihrer Tochter Clara (Apollonia Pratt) eine vermeintliche Abkürzung durch die texanische Wüste, als ihr ein Reifen platzt. Während Katrina den Reifen wechselt, spielt Clara draußen – und wird von einer Klapperschlange gebissen. fast starr vor Angst um ihr Kind sucht Katrina verzweifelt nach Hilfe. Und plötzlich steht da ein Wohnwagen mitten in der Wüste, in dem eine Frau lebt, die ihre Hilfe anbietet. Während Katrina den Reifen wechselt, will sie sich um die Kleine kümmern.

Tatsächlich geht es Clara gut, als Katrina zurückkehrt – und von der Frau ist nirgendwo eine Spur zu finden. So fährt die Kleinfamilie ins nächste Krankenhaus, wo von einem Schlangenbiss nichts mehr zu sehen ist. Doch als Katrina gerade erleichtert ist, kommt ein fremde Mann ins Krankenzimmer und klärt sie über den Preis auf, den sie für das Leben ihrer Tochter zu zahlen hat. Eine Seele für eine Seele, teilt ihr der Mann kurz mit. Wenn Katrina nicht bis Sonnenuntergang einen anderen Menschen tötet, wird Clara sterben …

Der Biss der Klapperschlange: Eindeutig teuflisch

Die Idee, einen unbescholteten Bürger mit Erpressung zum Mörder zu machen, ist nicht neu. Meist wurde das Thema aber in Krimis oder Thrillern abgehandelt. Hilditch verpflanzt dieses Geschehen ins übernatürliche Horror-Genre, denn das hier wirklich der Teufel am Werk ist, daraus macht der Film keinen Hehl. Und so muss Katrina statt der üblichen Versuche, die Polizei einzuschalten, diesmal ganz andere Strategien auffahren. Und tatsächlich so schnell wie möglich nach einem geeigneten Opfer suchen. Denn auch sie steht dauerhaft unter Beobachtung.

Diese Momente im Film, wenn Katrina feststellt, dass nur sie eine bestimmte Person sehen kann – und die ihr unmissverständlich klarmacht, dass die Zeit läuft – gehören zu den stärksten Szenen, die Zak Hilditch in seinem Der Biss der Klapperschlange geschaffen hat. Denn die Ausweglosigkeit der Situation, in der Katrina steckt, untermauert der Regisseur so derart stark, dass beim Zuschauer bald keine Gedanken mehr aufkommen, sie könnte den Deal irgendwie noch aushebeln oder umgehen.

Biss der Klapperschlange

Bald steht Katrina vor einer schweren Entscheidung. Rettet sie ihre Tochter – und wird damit zur Mörderin?

Der Biss der Klapperschlange: One-Woman-Show

So konzentriert sich der Film ganz auf seine Hauptdarstellerin. Und die beherrscht ihr Handwerk so gut, dass es Carmen Ejogo gelingt, das Publikum an ihrem Leid teilhaben zu lassen. Wer sich auf den Film einlässt, wird unwillkürlich immer wieder überlegen, ob es einen Ausweg gibt, der Katrina nur noch nicht eingefallen ist. Und der naheliegendste spielt im weiteren Verlauf der Story auch eine nicht unwichtige Rolle. Ob sich Katrina dafür entscheidet, soll hier aber nicht verraten werden.

Zurück zu Ejogo. Die 46-jährige Britin hinterlässt als immer verzweifelnder werdende Mutter einen starken Eindruck. Ihr Kampf, um unter der Last nicht zusammenzubrechen, sondern zum Wohl ihrer Tochter jemanden zu finden, den sie umbringen kann, ist in ihrem Gesicht deutlich zu erkennen – und berührt. Das Drehbuch, von Hilditch selbst geschrieben, kann mit dieser Leistung nicht ganz mithalten. Zwar gelingen ihm einige intensive Momente des Unbehagens, richtigen Horror oder hohe Spannung erzeugt der Film aber nur sehr selten.

Auch wenn das Ende durchaus originell ausfällt und Hilditch eine weitere Kraft neben dem Bösen zumindest andeutet, muss sich der Zuschauer schon sehr tief in die Story fallen lassen, um wirklich gefesselt zu sein. Da hätte Hilditch ruhig noch ein wenig mehr aufdrehen dürfen. Insgesamt gehört Der Biss der Klapperschlange aber zu den besseren Netflix-Produktionen der vergangenen Monate, weil er über eine starke Hauptdarstellerin verfügt – und mit nur 82 Minuten auch kurz und knackig ausfällt.

Fazit:

Kann man machen, muss man nicht, so würde wohl die Wertung von vielen Zuschauern lauten. Der Biss der Klapperschlange ist ein unterhaltsamer Horror-light, der selten überrascht, aber seine Grundidee konsequent und sauber zu Ende bringt. Wer Twists oder andere Überraschungen erwartet, ist hier allerdings falsch. Regisseur Zak Hilditch interessierte sich deutlich mehr für das moralische Dilemma seiner Figur als für Schocks oder wilde Wendungen.

Der Biss der Klapperschlange startet am 25. Oktober 2019 bei Netflix.

Weitere Kritiken zu Netflix-Filmen finden Sie hier.

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Biss der Klapperschlange

In einer Bar trifft Katrina einen Kerl, der seine Freundin misshandelt – könnte er ihr Opfer werden?

 

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