Das Leben einer jungen Journalistin gerät langsam aus den Fugen. Wird sie verrückt oder hat ihr Zustand andere Gründe? Der neue Netflix-Film geht dieser Frage nach und präsentiert Chloe Grace Moretz in der Hauptrolle. Kann die wahre Geschichte überzeugen oder ist „Brain On Fire“ so mäßig, wie es einige Indizien andeuten?

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Bereits vor drei Jahren begann Regisseur und Drehbuchautor Gerard Barrett mit den Dreharbeiten zu Brain On Fire, gezeigt wurde er erstmals im September 2016 auf einem Filmfest. Danach verschwand er fast zwei Jahre von der Bildfläche, taucht erst jetzt im Programm von Netflix wieder auf. Hat diese Verzögerung mit der Qualität des Films zu tun oder muss das andere Gründe haben?

Brain On Fire

Susannah verliert von Tag zu Tag mehr von ihren Fähigkeiten.

Brain On Fire: Die Handlung

Susannah Cahalan (Chloe Grace Moretz) ist mit ihrem Leben mehr als zufrieden. Die 21-jährige hat bei der New York Post ihren Traumjob als Jungredakteurin ergattert und mit Musiker Stephen (Thomas Mann) einen Freund, der sie auf Händen trägt. Doch das ändert sich schlagartig, als Susannah plötzlich Wahrnehmungsstörungen bekommt – sie sieht und hört Dinge, die gar nicht da sind. Dazu kommen höllische Kopfschmerzen und minutenlange Leerläufe, bei denen sie gar nicht in ihrem Körper zu stecken scheint.

Erst versucht Susannah, diesen Zustand vor der Welt zu verbergen, doch als ihr im Job peinliche Fehler unterlaufen, geht sie doch zum Arzt. Nur kann der überhaupt keinen Grund für ihren Zustand finden und rät ihr, weniger zu feiern und zu trinken. Immer weiter gerät Susannah in einen Strudel, der sie nach unten zieht, ihr Zustand wird immer schlechter. Schließlich bleibt ihren Eltern Tom (Richard Armitage) und Rhona (Carrie-Ann Moss, „Jessica Jones“) nichts anderes übrig, als sie in eine Klinik einzuweisen …

Brain On Fire: Dr. House lässt grüßen

Gerard Barrett kann sich in seinem kurzen, keine 90 Minuten langen Film nie entscheiden, ob er nun das leiden Susannahs oder die Suche nach Hilfe in den Vordergrund stellen will – und so gibt es von beidem ein bisschen. Dabei gelingt es Barrett in seinem Drehbuch nicht, auch nur eine weitere Figur außer Susannah mit mehr als einer Eigenschaft auszustatten. Ihr Chef Richard (Tyler Perry) ist hart, ihre Eltern sind besorgt, ihr Freund ist treu – mehr ist nicht zu tun und dementsprechend beliebig sind die Leistungen der Schauspieler.

Lediglich Susannah selbst bekommt ein wenig mehr zu tun – und das macht Chloe Grace Moretz mit vollem Körpereinsatz. Doch auch hier stellt sich nach dem x-ten Augenrollen langsam Gewöhnung ein, die Story, die Barrett erzählt, ist eigentlich zu kurz für einen ganzen Film. Und so wirkt Brain On Fire oft wie eine überlange Folge von „Dr. House“, nur ohne unfreundliche Ärzte. Das eigentliche Drama, das ja auf wahren Begebenheiten basiert, schält sich so aber kaum jemals heraus.

Brain On Fire

Freund Stephen weicht der kranken Susannah nicht von der Seite.

Brain On Fire: Ein Drama, das nicht packt

Denn die eigentlich dramatischsten Momente der Story, wenn Susannah kurz davor ist, wegen einer scheinbar psychischen Erkrankung in ein entsprechendes Krankenhaus zu kommen, zeigt der Film erst spät. Zuvor erzählt Barrett immer wieder die gleichen Dinge und zeigt Krankheitssymptome, denen Ärzte und Familie ohnmächtig gegenüberstehen. Das wiederholt sich so oft, dass dem Zuschauer das Schicksal der armen Susannah mehr und mehr egal wird.

Auch wenn Moretz in der einen oder anderen Szene etwas übertreibt, so kann man ihr doch keinen Vorwurf machen, dass Brain On Fire kein guter Film geworden ist. Dass muss sich Gerard Barrett ankreiden lassen, der ein vom Tempo und Tiefgang sehr mäßiges eigenes Script auch noch recht unspektakulär in Szene setzt. So lässt er uns weder richtig an Susannahs Schicksal teilhaben, noch wird das Publikum zum Mitwisser bei der Suche der Ärzte nach einer Lösung dieses medizinischen Rätsels.

Und so bleibt Brain On Fire ein Film, den man trotz seines wichtigen Inhalts schnell wieder vergisst. Weil er einfach nichts bietet, was im Gedächtnis bleibt.

Fazit:

Regisseur und Drehbuchautor Gerard Barrett gelingt es in keinem Moment, beim Publikum echtes und dauerhaftes Interesse an der wahren Geschichte zu entfachen, die er erzählt. Und das liegt nicht an der Vorlage, den Erinnerungen der echten Susannah, sondern an deutlich zu wenig Tiefgang bei der Figurenzeichnung und einem schlechten Timing beim Erzählen der Tragödie. Damit ist Brain On Fire eigentlich nur für beinharte Fans eines Schauspielers, der hier mitwirkt, wirklich von Interesse.

Brain On Fire ist ab dem 22. Juni 2018 bei Netflix zu sehen.

Brain On Fire

Auch Vater Tom kümmert sich fürsorglich um seine Tochter.

 

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