Knapp 26 Jahre nach Disneys gleichnamigem Zeichentrick-Erfolg bringt der Unterhaltungskonzern die Geschichte von Beauty and the Beast nochmals ins Kino – diesmal als Realfilm. Kann die neue Version mit dem Klassiker mithalten?Bringt sie gar neue Aspekte in die Handlung? Oder ist das Remake schlicht überflüssig?

Mit dem Dschungelbuch startete Disney seine neue Attacke auf Herzen und Geldbeutel des Publikums: Warum nicht einfach die größten Zeichentrick-Erfolge nochmal als Realfilm mit viel Computeranimation in die Kinos bringen? Die Idee funktionierte bei den Abenteuern des kleinen Mowgli ganz vorzüglich und brachte den Machern gegen harte Konkurrenz aus dem eigenen Konzern („Doctor Strange“ und „Rogue One“ waren hier ebenfalls nominiert) den Special-Effects-Oscar ein. Kein Wunder also, dass mit Beauty and the Beast nun der nächste Klassiker in die Kinos kommt – ist er ebenso gut?

Beauty and the Beast: Die Handlung

Einst lebte ein hartherziger Prinz (Dan Stevens, Legion), der einer alten Frau beim tosenden Sturm draußen den Aufenthalt in seinem Schloss verwehrte. Zur Strafe belegte die Frau, die in Wirklichkeit eine Fee war, ihn und seine Bediensteten mit einem Fluch: Der Prinz verwandelte sich in ein scheußliches Biest, seine Diener in Möbel und anderen Hausrat. Die Rose, die die Fee als Belohnung für ihr Verweilen im Schloss angeboten hatte, diente als letzte Rettung. Wenn es dem Prinzen gelänge, dass ein Mädchen ihn liebt, bevor das letzte Rosenblatt zu Boden sinkt, so würde der Fluch gebrochen, ansonsten würde er für alle Ewigkeit ein Biest bleiben.

Von all dem weiß der alte Spielzeugmacher Maurice (Kevin Kline) nichts, als er sich auf einer Reise im Wald verirrt und von Wölfen gejagt Schutz im Schloss des Prinzen sucht. Der nimmt ihn gefangen und seine schöne Tochter Belle (Emma Watson) begibt sich auf die Suche nach ihm. Als sie ihn findet, bleibt sie für ihren Vater zurück in der Gefangenschaft des Biests, stellt aber im Laufe der Zeit fest, dass sich unter der hässlichen Schale ein weicher Kern befindet, der liebenswerter ist, als sie gedacht hatte. Währenddessen versucht Maurice, die Leute aus dem Dorf zu einer Rettungsmission zu überreden, erweckt damit aber nur das Interesse des eitlen Gaston (Luke Evans), der Belle schon lange für sich will. Und so nimmt das Unglück seinen Lauf …

Edelkitsch mit subversiven Elementen

Regisseur Bill Condon („Twilight“) hält sich erzählerisch nicht nur eng an die Zeichentrickvorlage, er erschafft eigentlich die erste Realverfilmung eines Zeichentrickfilms, der streng genommen immer noch wie ein Zeichentrickfilm aussieht. So bunt und zuckersüß wirkt die Optik des Films, so künstlich und unecht, dass beim Zuschauer nie ein Zweifel darüber aufkommt: Er sieht sich hier ein Märchen an. Denn dort darf alles ein wenig schöner, heller und bunter sein als in der Realität. Und auch die Figuren bleiben märchenhaft: Edel oder böse, nett oder gemein – für Zwischentöne ist hier kein Platz. Doch das tut der Spielfreude der Schauspieler keinen Abbruch: Vor allem bei den dienstbaren Geistern Lumiere (Ewan McGregor), Cogsworth (Ian McKellan) und Mrs. Potts (Emma Thompson) ist es eine Freude, sich die Originalversion anzuhören, denn die Schauspieler sind handlungsbedingt ja kaum zu sehen.

Damit lockern die Akteure die manchmal schwer im Magen liegende Zuckerguss-Optik etwas auf. Doch ganz ohne Zeitgeist geht es bei Beauty and the Beast erfreulicherweise nicht. So sind die durch den Fluch getrennten Paare Cadenza (Klavier) und Garderobe (Schrank) sowie Lumiere (Leuchter) und Plumette (Staubwedel) als Menschen gemischt, sie jeweils schwarz, er weiß. Und der Gaston stets anhimmelnder Gehilfe LeFou (Josh Gad) bekommt sogar ganz unverhohlen schwule Untertöne, für Russland übrigens ein Grund, über ein Verbot des Films nachzudenken. Da der Regisseur selbst offen schwul lebt und mit „Gods and Monsters“ bereits einen großartigen Film über das Thema Kunst und Sexualität geschaffen hat, darf man wohl ihm diese Storywendungen zuschreiben. Well done, Mr. Condon!

beauty and the beast

Der hübsche, aber eitle Gaston kann Belles Herz nicht erobern, so sehr er es auch versucht.

Überraschungsfreier Film

Leider hatte Condon damit offenbar schon sein Pulver verschossen – oder Disneys Toleranzgrenze erreicht, denn mehr Innovatives bietet Beauty and the Beast nicht. Die toll choreographierten Musicalnummern sind absolut sehenswert, unterscheiden sich aber nicht deutlich von der Vorlage, auch sonst hat die immerhin fast 40 Minuten längere Version der Geschichte nichts Wesentliches hinzuzufügen. Immerhin gelingt es Condon aber auch, die Aussage der Geschichte nicht zu verwässern. Die Moral über innere und äußere Schönheit leidet nicht und Luke Evans hat als Gaston offenkundig viel Spaß daran zu zeigen, wer in diesem Märchen das wahre Monster ist. Und Ausstattung, Kostüme und Tricks sind bis auf eine Ausnahme über jeden Zweifel erhaben. Leider ist diese Ausnahme eine wichtige: Das Biest selbst wirkt im Gegensatz zu allen anderen Effekten nicht sonderlich gelungen – vielleicht wäre es mit realistischerer Optik dem Spaßkonzern zu unheimlich geworden, so wirkt es manchmal wie der einzige Fremdkörper in einem sonst stimmigen Bild.

Fazit:

Hier bekommen die Zuschauer genau das, was Trailer und Vorlage suggerieren: Romantik pur bis zur Kitschgrenze, mitreißende Musicalnummern, edelste Ausstattung und Optik und gute Schauspieler, die mit Freude bei der Sache sind. An die noch immer beste Verfilmung des alten französischen Märchens, Jean Cocteaus „La Belle et la Bete“ (auf deutsch „Es war einmal“) von 1946, kommt die Version nicht heran. Aber wer die Story schon immer mochte oder mit seinen Kindern die Geschichte in größtmöglichem Pomp erleben möchte, ist hier genau richtig. Zuschauer, für die ein Film nur dann eine Berechtigung hat, wenn er möglichst realistisch ist und sich mit der aktuellen Wirklichkeit beschäftigt, bleiben besser zuhause. Ein nicht wirklich notwendige, aber gelungene Adaption des Disney-Klassikers.

Beauty and the Beast läuft ab dem 16. März 2017 in den deutschen Kinos.

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Die Dienerschaft des Biests wird von großen Stars gesprochen – mit hörbarem Vergnügen.

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