Die Idee ist nicht ganz neu: Die Frage, was man tun würde, könnte man bestimmte Entscheidungen seines Lebens noch einmal treffen, wurde schon in vielen Filmen thematisiert. Wie schlägt sich da die deutsche Literaturverfilmung „Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner“?

Habe ich alles richtig gemacht? Wie wäre mein Leben wohl verlaufen, hätte ich damals anders entschieden? Diese Fragen haben sich sicher viele Menschen schon einmal gestellt. So ist es nicht überraschend, das auch kreative Köpfe darüber Bücher geschrieben und Filme gedreht haben. Die neueste Version stammt von Pepe Danquart („Schwarzfahrer“), der eigentlich eher als Dokumentarfilmer bekannt ist. Wie hat er seinen Star Jessica Schwarz in Szene gesetzt?

Gras viel grüner

Ja, das titelgebende Gras spielt auch mit, aber nur eine kleine Nebenrolle.

… Gras viel grüner:Die Handlung

Die leicht chaotische Kati (Jessica Schwarz) wird nach einer Blinddarm-OP aus dem Krankenhaus entlassen, steigt in ihr Auto – und fährt das Rad von Assistenzarzt Felix (Felix Klare) über den Haufen. Nur Minuten später landen die beiden bereits im Bett. Aus körperlicher Anziehung wird Liebe, bereits im Vorspann sehen wir Zusammenziehen und Heirat der beiden. Fünf Jahre später hat sich aber der Alltag in die Ehe geschlichen, Felix muss viel arbeiten und hat wenig Zeit für seine Frau. Kati fühlt sich vernachlässigt, was auch ihre Freundinnen und Kolleginnen im Job nicht ändern können. Da begegnet ihr der Künstler Mathias (Christoph Letkwoski), den sie sehr spannend findet. Hat sich doch den falschen Mann geheiratet?

Als Kati nach einem  Autounfall wieder zu sich kommt, liegt sie im Krankenhaus – kurz nach ihrer Blinddarm-OP. Sie hat nun also die Chance, ihre Entscheidungen von damals zu revidieren und alles anders zu machen. Und genau das hat sie auch vor …

Spaß mit Charme

Eigentlich ist es fast ein Remake von „Peggie Sue hat geheiratet“, den Francis Ford Coppola 1986 mit Kathleen Turner und Nicolas Cage drehte. So richtig originell ist es also nicht, was Autorin Kerstin Gier sich für ihren Roman überlegte. Doch Pepe Danquart macht aus diesem Stoff einen überaus charmanten Film. Denn trotz sehr ähnlichen Plots – Ehefrau kehrt zurück in die Zeit vor der Heirat und hat die Chance, ihr Leben in andere Bahnen zu lenken – finden Danquart und Gier neue Möglichkeiten, dieser Grundidee witzige und absurde Momente abzutrotzen, die einen – ob man will oder nicht – zum Grinsen bringen.

Dazu tragen auch die Nebenfiguren bei. Ob die esoterische Kollegin Linda, Katis chaotische Freundin Marlene, die schnoddrige Chefin (Juliane Köhler) oder der Kunstmäzen Gereon, wundervoll gespielt von Milan Peschel – sie nehmen der Hauptstory durch tolle Momente viel der Last ab, ständig lustig sein zu müssen. Und erlauben dem Film so auch ein paar ruhigere Momente. Die nutzt Danquart, um seinen Helden ein wenig Tiefe zu verleihen und sie zu mehr zu machen als herumlaufende Klischees von der unzufriedenen Gattin und dem hart arbeitenden unsensiblen Kerl. Kati und Felix sind zwar überzeichnete, aber dennoch glaubwürdige Figuren, zu denen der Zuschauer schnell Kontakt bekommt.

Gras viel grüner

Auch beim zweiten Versuch begegnen sich Kati und Felix – kann sie seinem Charme diesmal widerstehen?

Aber ohne Überraschungen

Gegen die Story kann Danquart aber wenig tun – und die ist leider sehr vorhersehbar. Jeder, der bereits einen Film dieser Art gesehen hat, kennt das Ende der Geschichte – und das nimmt … Gras ist grüner eine Menge Potenzial, das er aufgrund der guten Schauspieler gehabt hätte. So verpufft manche Szene, weil man sie einfach schon seit einer halben Stunde erwartet. Und gegen eine komplett spannungsfreie Geschichte anzuspielen, dass schafft kein Darsteller. Hier wäre Drehbuchautor etwas mehr Mut zu wünschen gewesen, vielleicht einen anderen Weg einzuschlagen. So reiht sich der Film in die Menge der netten, aber letztlich belanglosen „Was wäre wenn“-Geschichten ein, von denen es eigentlich schon genug gibt.

Fazit:

Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner punktet mit guten Schauspielern und wunderbar geschriebenen Nebenfiguren. Die Hauptgeschichte ist dafür leider alles andere als originell. Der Film verliert zwar nie seinen Charme, aber auch nie seine Vorhersehbarkeit. Und bleibt deshalb nicht wirklich lange im Gedächtnis. Für einen spaßigen Kinobesuch ohne Reue reicht es aber problemlos, Regisseur Pepe Danquart gelang ein jederzeit unterhaltsamer Film. Und über eine leichte Sommerkomödie könnte man sicherlich Schlimmeres sagen.

Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner startet am 13. Juli in den deutschen Kinos.

Statt Lovestory lieber einen Mädelsabend? Die Kritik zu Girls Night Out gibt es hier.

Gras viel grüner

Passt der kreative Mathias nicht viel besser zur chaotischen Kati als der fleißige Felix?

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